Soldaten vor dem Westgate-Einkaufszentrum in Nairobi

Präsident erklärt "Sieg über Terroristen" Geiseldrama in Nairobi beendet

Stand: 15.01.2019 19:43 Uhr

Das Geiseldrama in einem Einkaufszentrum in Nairobi ist nach fast 80 Stunden beendet - nach offiziellen Angaben starben bei dem Überfall islamistischer Terroristen mindestens 72 Menschen. "Wir haben die Angreifer geschlagen", erklärte Präsident Uhuru Kenyatta am Abend in einer Fernsehansprache. "Aber unsere Verluste sind riesig."

Dreitätige Staatstrauer

Die genaue Identität und die Zahl der Täter ist weiterhin unklar. Zu dem Angriff hatte sich die somalische Islamisten-Miliz al Schabab bekannt. Fünf der Angreifer seien bei der Militäroperation im Einkaufszentrum Westgate erschossen worden, sagte Kenyatta. Andere seien offenbar umgekommen, als Teile des Gebäudes einstürzten. Nach seinen Angaben wurden seit Beginn des Angriffs Samstagmittag mindestens 61 Zivilisten getötet, zudem seien sechs Soldaten bei Gefechten mit den Terroristen ums Leben gekommen. Kenyatta rief eine dreitägige Staatstrauer aus.

alt Hände in kenianischen Landesfarben in Herzform vor einer Kerze

#WeAreOne - Unterstützung für Opfer

Im Internet hat sich eine riesige Unterstützung für die Opfer des Überfalls auf das "Westgate"-Einkaufszentrum formiert. Bei Twitter laufen unter #WeAreOne minütlich Dutzende Nachrichten ein, in denen sich Menschen aus aller Welt mit den getöteten oder verletzten Kenianern solidarisieren. Vizepräsident Williams Ruto twitterte ein Bild, das ihn am Krankenbett eines Opfers zeigt. Viele Kenianer fordern zum Blutspenden auf und appellieren an die Betroffenen, durchzuhalten. Studenten der amerikanischen Yale-Universität stellten ein Bild online, auf dem sie Kerzen für die Opfer anzünden.

Beobachter rechnen damit, dass die Zahl der Opfer weiter steigen wird. Unter den Trümmern des teilweise eingefallenen Zentrums sollen weitere Leichen liegen. Dutzende Menschen werden immer noch vermisst. Bei dem Überfall mit Handgranaten und automatischen Schusswaffen waren neben zahlreichen Kenianern unter anderem Franzosen, Briten, Kanadier, Südafrikaner und US-Amerikaner ums Leben gekommen oder verletzt worden.

Elf Verdächtige wurden im Zusammenhang mit der Attacke festgenommen. Nicht mitgeteilt wurde, wo die Verdächtigen gefasst wurden und ob es Angreifer oder mutmaßliche Helfer waren. Kenias Außenministerin Amina Mohamed sagte, zwei oder drei junge Amerikaner im Alter von etwa 18 und 19 Jahren zählten zu den Angreifern.

"Diese Feiglinge werden zur Verantwortung gezogen"

"Wir sind schwer verwundet worden, aber wir waren mutig, vereint und stark", betonte Kenyatta. Mit Blick auf die Täter erklärte der Staatschef: "Diese Feiglinge und ihre Komplizen werden zur Verantwortung gezogen, wo auch immer sie sind."

Der kenianische Präsident Uhuru Kenyatta
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"Ich bin stolz, Euer Präsident zu sein", sagte der kenianische Präsident Kenyatta

Die islamistische Al-Shabaab-Miliz aus Somalia, die sich zu dem Anschlag bekannt hatte, fordert einen Abzug kenianischer Truppen aus dem Nachbarland. Diese waren 2011 in Somalia einmarschiert, um die Islamisten zu bekämpfen. "Terrorismus ist ein globales Problem, das globale Lösungen erfordert", sagte Kenyatta. Die Bevölkerung Kenias hatte in den vergangenen Tagen große Solidarität bewiesen. Viele Bürger meldeten sich zum Blutspenden für die Verletzten. "Ich danke dem ganzen Volk. Ich bin stolz, Euer Präsident zu sein", so Kenyatta.

Die Al-Schabaab-Miliz

Im Bürgerkriegsland Somalia sind Anschläge der Al-Schabaab-Miliz an der Tagesordnung. Immer wieder tritt die radikal-islamistische Gruppierung aber auch in Nachbarländern Somalias in Erscheinung. Einige Beispiele:

- 18. April 2013: In einem Hotel in Garissa im Osten Kenias erschießt ein Attentäter acht Menschen und verletzt sechs weitere. Die Sicherheitskräfte machen die Al-Schabaab-Miliz verantwortlich.

- 11. Juli 2010: Während des Fußball-WM-Finales kommt es beim Public Viewing in Kampala, der Hauptstadt Ugandas, innerhalb kürzester Zeit zu zwei Explosionen. Mindestens 74 Menschen werden getötet, darunter mindestens 15 Ausländer. Al-Schabaab bekennt sich zu den Anschlägen.

- 28. November 2002: Nahe der kenianischen Stadt Mombasa sprengen drei Selbstmordattentäter ein Auto vor einem von israelischen Touristen besuchten Hotel in die Luft und reißen 15 Menschen mit in den Tod.

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