Guterres auf dem Bildschirm eine Laptops während einer Rede zu Nahost | EPA

Gewalt in Nahost UN warnen vor einem Flächenbrand

Stand: 17.05.2021 01:41 Uhr

In einem herrschte Einigkeit im Weltsicherheitsrat: Die Gewalt in Nahost muss enden. Eine gemeinsame Erklärung gab es aber nicht. Der UN-Generalsekretär warnte, der Konflikt könne Extremismus in der gesamten Region fördern.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Eindringlich warnte UN-Generalsekretär António Guterres vor einer gefährlichen Ausweitung des Konflikts - weit über Israel und die Palästinensergebiete hinaus. Und wenn es auch keine offizielle Erklärung gab, hierüber herrschte weitgehend Einigkeit: "Der sinnlose Kreislauf von Blutvergießen, Terror und Zerstörung muss sofort enden", so Guterres. Der Konflikt habe das Potenzial, eine unaufhaltsame humanitäre und Sicherheitskrise auszulösen und den Extremismus in der ganzen Region weiter zu fördern. Die steigende Zahl getöteter Zivilisten sei nicht hinzunehmen.

Antje Passenheim ARD-Studio New York

US-Botschafterin: Abreißen von Häusern unterlassen

Die Raketen von beiden Seiten müssten gestoppt werden, forderte auch US-Botschafterin Linda Thomas-Greenfield. Beide Konfliktparteien müssten alles unterlassen, was einen Frieden gefährde. "Dies beinhaltet die Vermeidung von Provokationen, gewalttätige Angriffe und Terroranschläge sowie Vertreibungen, einschließlich in Ost-Jerusalem, das Abreißen von Häusern sowie den Siedlungsbau östlich der Grenzen von 1967."

Die erste öffentliche Dringlichkeitssitzung des Weltsicherheitsrats zu dem Thema nutzten die Vertreter der am Konflikt beteiligten Parteien für einen Schlagabtausch. Israels UN-Botschafter Gilad Erdan rief die Mitglieder auf, sie sollten das Recht seines Landes auf Selbstverteidigung unterstützen. Dazu hielt er das Bild einer 16-jährigen Schülerin hoch. Ihr Traum von einem vom Studium sei "durch einen Raketenangriff aus Gaza begraben" worden.

Israels Botschafter Erdan zeigt während der Sitzung das Foto einer Schülerin | EPA

Israels Botschafter Erdan zeigt während der Sitzung das Foto einer Schülerin - mit mahnenden Worten. Bild: EPA

Palästinenser-Minister: "Das ist Apartheidspolitik"

Der palästinensische Außenminister Rijad al-Malki warf Israel Kriegsverbrechen vor. Das Land töte Palästinenser in Gaza und wolle sie in Jerusalem entwurzeln. Das sei "Apartheidspolitik".

Diplomaten zufolge sind es die USA, an denen eine gemeinsame Erklärung des Sicherheitsrats bislang scheitert. Präsident Joe Biden stehe unter Druck, sagt Richard Gowan von der Denkfabrik Crisis Group. "Washington will zeigen, dass die Biden-Regierung wie alle anderen Vorgänger, Israels Interessen bei den UN schützt. Und es gab die Hoffnung, dass stille Diplomatie in der Region zu einem schnelleren Ende des Konflikts führt", so Gowan.

Mehrere Staaten wollen Erklärung vorantreiben

Die US-Regierung stehe vor einem Dilemma. Sie habe noch keine Zeit gehabt, um einige Zusagen von Ex-Präsident Donald Trump an Israel zurückzudrehen. Andererseits wolle das Biden-Team nichts tun, von dem ihre politischen Gegner sagten, das schade Israel. "Was auch eine Rolle spielt, ist, dass die USA gerade versuchen, den Atomvertrag mit dem Iran neu zu gestalten", so Gowan weiter. "Das hat viele Erschütterungen im Verhältnis erzeugt. Die Biden-Regierung will nicht noch mehr davon erzeugen."

Nach dem Treffen des Sicherheitsrats versicherten China, Norwegen und Tunesien jedoch: Sie würden die gemeinsame Erklärung des mächtigsten Gremiums der Vereinten Nationen weiter vorantreiben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Mai 2021 um 20:00 Uhr.