Rauchwolken über Gaza-Stadt

Gewalt im Nahen Osten Mehrere Länder wollen vermitteln

Stand: 14.05.2021 04:28 Uhr

Im Nahost-Konflikt wollen mehrere Länder vermitteln - Ägypten führt bereits Gespräche vor Ort, mit beiden Seiten. Auch Russland und Frankreich wollen schlichten. Der UN-Sicherheitsrat will am Sonntag erneut zusammentreten.

Eine ägyptische Delegation ist zu Gesprächen mit israelischen Regierungsvertretern über eine Waffenruhe nach Tel Aviv gereist. Das verlautete aus Regierungskreisen in Kairo. Dieselbe Delegation sei bereits in Gaza mit Vertretern der dort herrschenden radikalislamischen Hamas zusammengetroffen. Ägypten hat bereits bei früheren Konflikten zwischen Hamas und Israel vermittelt.

Russland will sich mit Ägypten abstimmen

Auch Russland bemüht sich um Vermittlung in dem Konflikt und will sich dazu auch mit Kairo abstimmen. Kremlchef Wladimir Putin forderte bei einem Gespräch mit UN-Generalsekretär António Guterres ein Ende der Gewalt. Die Sicherheit der Bevölkerung müsse gewährleistet werden, teilte der Kreml nach der Unterredung im Online-Format mit.

Ähnlich äußerte sich Außenminister Sergej Lawrow. Nach seinem Telefonat mit dem ägyptischen Kollegen Samih Schukri teilte das russische Außenministerium mit, Moskau und Kairo wollten sich eng abstimmen bei ihren Bemühungen um einen Neustart der Verhandlungen zwischen der palästinensischen und der israelischen Seite.

Lawrow will etwa die Vermittlergruppe aus den USA, Russland, den Vereinten Nationen und der EU einberufen.

Macron will ebenfalls vermitteln

Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will zur Beruhigung des Konflikts beitragen. In einem Telefonat mit dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas habe Macron die Raketenangriffe der islamistischen Hamas und "anderer terroristischer Gruppen" auf Israel verurteilt, teilte der Élyséepalast mit. Macron habe auch sein Beileid für die zahlreichen Opfer in der palästinensischen Zivilbevölkerung bekundet.

Macron wolle auch mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanyahu telefonieren. Geplant seien weitere Kontakte mit Partnern in der Region, unter anderem mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi.

Maas wirft Hamas im Gazastreifen "Raketenterror" vor

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat der radikalislamischen Hamas eine bewusste Eskalation des Nahost-Konflikts mit "Raketenterror" gegen Israel vorgeworfen. "Wenn über 1000 Raketen auf israelische Städte abgeschossen werden, dann ist das schon eine besondere Dimension", sagte Maas der "Saarbrücker Zeitung". "In einer solchen Lage muss sich Israel verteidigen können." Die Hamas habe "in einer ohnehin schon angespannten Situation die Lage mit dem Raketenterror bewusst und massiv eskaliert – mit entsetzlichen Folgen für Israelis und Palästinenser" sagte Maas.

Nun müsse verhindert werden, "dass sich nun, nach Ende des Ramadans, die Situation noch einmal verschlechtert". "Wir blicken kritischen Tagen entgegen", warnte der Außenminister. Maas forderte zugleich Israel und die Palästinenser auf, sich nach Jahren wieder an einen Tisch zu setzen, um direkt zu verhandeln.

Warnung vor Reisen in den Gazastreifen

Das deutsche Vertretungsbüro in Ramallah rief angesichts der Gewalt zu erhöhter Aufmerksamkeit bei Besuchen in der Jerusalemer Altstadt sowie in Ostjerusalemer Stadtvierteln auf. "Im gesamten Westjordanland, in Ost-Jerusalem und in Israel muss mit weiteren Protesten und Ausschreitungen gerechnet werden", heißt es in einer Sicherheitswarnung. Das gelte auch für die kommenden Tage.

Vor Reisen in den Gazastreifen oder das Grenzgebiet wird gewarnt. Eine weitere Einschränkung des bereits begrenzten Flugverkehrs vom Flughafen Ben Gurion nach Deutschland könne nicht ausgeschlossen werden.

Auch das US-Außenministerium hob die Warnstufe für Israel-Reisen auf die dritte der insgesamt vier Stufen an. Das State Department begründete den Schritt mit dem "bewaffneten Konflikt" und "Unruhen" im Nahen Osten. Die US-Bürger sollten eventuelle Pläne für Reisen nach Israel überdenken.

UN-Sicherheitsratssitzung am Sonntag

Der UN-Sicherheitsrat soll sich am Sonntag mit dem eskalierenden Nahost-Konflikt befassen. Die virtuelle Sitzung sei auf Antrag von China, Norwegen und Tunesien auf Sonntag um 16.00 Uhr MESZ angesetzt worden, teilten Diplomaten bei den Vereinten Nationen in New York mit. Es ist bereits die dritte Dringlichkeitssitzung binnen einer Woche. Auch die USA, die die Absage einer für Freitag geplanten Sicherheitsratssitzung bewirkt hatten, seien einverstanden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Mai 2021 um 23:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Shorty74 13.05.2021 • 23:56 Uhr

es scheint immer so leicht, den Schuldigen zu finden...

... aber ist es wirklich so leicht? Muslime werden aus ihren Häusern vertrieben, warum? Damit dort jüdische Israelis einziehen können. Mehr Diskriminierung geht wohl kaum. Dass sich in dieser ohnehin nicht friedlichen Region das dann als Zündung für ein Pulverfass entwickelt, ist doch klar. Natürlich ist Gewalt keine Lösung und die Hamas sind terroristisch, aber ist es legitim von Israel die Menschen, die dort in Ostjerusalem seit Jahrzehnten lebten, aus ihren Häusern zu vertreiben, weil sie anderen Glaubens sind? Wer verurteilt das? Ich habe niemanden dazu gehört. Israel verstößt immer wieder gegen das Völkerrecht und baut Siedlungen und dann wundern sich alle, wenn junge Muslime sich wehren. Anscheinend kann man sich dort nur mit Gewalt wehren, um Gehör zu finden. Und was geschieht jetzt? Jetzt setzen sich radikale Hamas auf den Zug und nutzen das Ganze für ihre Zwecke und verurteilt wird aber nicht Israel, sondern nur die Hamas. Wieso ist das so?