Ein Mann geht in Gaza-Stadt über die Trümmer eines Hauses. | AFP

Lage in Nahost Neue Angriffe und Bemühungen um Waffenruhe

Stand: 18.05.2021 16:15 Uhr

Trotz internationaler Bemühungen um eine Waffenruhe: Die Angriffe und Gegenangriffe zwischen Israel und der Hamas halten an. Einen vorübergehend geöffneten Grenzübergang zum Gazastreifen schloss Israel wieder, nachdem dort Schüsse gefallen waren.

Ungeachtet internationaler Forderungen nach einer Waffenruhe haben das israelische Militär und radikale Palästinenser ihre Angriffe fortgesetzt. Die israelische Luftwaffe attackierte erneut den Gazastreifen. Am Dienstagvormittag hatten militante Palästinenser ihren Beschuss Israels zunächst für mehrere Stunden unterbrochen, bevor sie ihn vor allem auf den Süden des Landes fortsetzten. Sie feuerten wieder Raketen aus dem Küstengebiet ab, die in Städten im Süden Israels Luftalarm auslösten.

Nach Angaben von Rettungskräften sind bei den jüngsten Angriffen auf israelische Ortschaften mindestens zwei Menschen getötet worden. Mehrere wurden schwer verletzt. Der Polizei zufolge handelte es sich bei den Toten um Thailänder. Bei einem Angriff im Grenzgebiet zum Gazastreifen sei ein Haus getroffen worden, in dem ausländische Arbeiter lebten.

Übergang zum Gazastreifen wieder geschlossen

Israel schloss derweil wieder einen Übergang in den Gazastreifen, der für humanitäre Lieferungen von internationalen Organisationen geöffnet worden war. Als Grund gaben die israelischen Behörden an, dass der Übergang Kerem Schalom beschossen worden sei, während Lastwagen mit humanitärer Hilfe dort unterwegs waren.

Beobachter befürchten eine humanitäre Katastrophe im Gazastreifen. Nach UN-Angaben verloren mehr als 52.000 Palästinenser durch die Luftangriffe ihr Zuhause. Etwa 450 Gebäude seien zerstört oder stark beschädigt worden, sagte der Sprecher des Büros der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA), Jens Laerke.

Die israelische Armee erklärte, die Angriffe fortzusetzen. "Wir sprechen nicht über eine Waffenruhe, wir konzentrieren uns auf den Beschuss", sagte Sprecher Hidai Zilberman im Armeeradio. "Die Kämpfe werden nicht enden, so lange es nicht vollständige und langfristige Ruhe bringt", erklärte Israels Verteidigungsminister Benny Gantz in einer Videobotschaft.

Biden-Telefonat mit Netanyahu

International gehen die Bemühungen um eine sofortige Waffenruhe weiter. US-Präsident Joe Biden telefonierte bereits das dritte Mal mit Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu seit dem Ausbruch der Kämpfe. Israel habe zwar das Recht, sich gegen Raketenangriffe zu wehren, teilte das US-Präsidialamt im Anschluss mit. Zivilisten müssten jedoch unter allen Umständen geschützt werden.

Eine gemeinsame Stellungnahme des UN-Sicherheitsrats zum Nahost-Konflikt scheiterte bislang am Widerstand Washingtons. Heute soll erneut eine Dringlichkeitssitzung zum Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern stattfinden.

Auch die EU-Außenminister wollen in einer Videokonferenz ausloten, "wie die EU am besten zu einem Ende der derzeitigen Gewalt beitragen kann", sagte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell.

Maas für größere Rolle der EU in Vermittlung

Auch Bundesaußenminister Heiko Maas setzte sich für ein Ende der Kämpfe ein. Er forderte eine größere Rolle der EU bei der Vermittlung und bei dem humanitären Engagement im Gazastreifen. Deutschland stelle dafür 40 Millionen Euro zur Verfügung.

In der Diskussion um eine mögliche Rolle der EU in den Vermittlungsbemühungen zur Beendigung des Konflikts sprach sich Maas für ein gemeinsames Engagement mit anderen Akteuren aus. "Ein Baustein, wie sich die EU einbringen kann, ist das Nahost-Quartett, welches nun wieder aktiv ist", sagte er mit Blick auf die Gruppe aus den USA, Russland, den Vereinten Nationen und der EU. Von der islamistischen Hamas forderte Maas erneut ein Ende der Gewalt.

Der Bundestag will sich am Mittwoch auf Antrag der Koalition in einer Debatte mit der Lage im Nahen Osten befassen.

Tausende Raketen auf Israel seit Ausbruch der Kämpfe

Von der im Gazastreifen herrschenden Hamas und anderen radikalen Palästinensergruppen sind israelischen Angaben zufolge seit Ausbruch der Kämpfe rund 3450 Raketen auf Israel abgefeuert worden. Das Militär habe mit Luftangriffen und Artilleriefeuer mindestens 140 Extremisten getötet. Die Behörden im Gazastreifen sprechen von 213 getöteten Palästinensern, darunter seien 61 Kinder und 36 Frauen. Verletzt worden seien 1442 Menschen. In Israel sind zwölf Menschen getötet worden, Hunderte weitere wurden verletzt.

Auch Raketen aus Libanon abgefeuert

Am Montagabend waren dem israelischen Militär zufolge auch aus dem Libanon Raketen auf Israel abgefeuert worden. Sie hätten aber israelisches Gebiet nicht erreicht und seien noch vor der Grenze niedergegangen. Die Armee habe mit Artillerie zurückgeschossen.

Die schwersten Kämpfe zwischen Israel und radikalen Palästinensern seit Jahren gingen aus Auseinandersetzungen an der Al-Aksa-Moschee in Ost-Jerusalem hervor. Verschärft wurden die Spannungen durch Pläne, dort Häuser palästinensischer Familien zu räumen. Das Land wird von jüdischen Siedlern beansprucht. Am Montag vergangener Woche stellte die Hamas eine Frist für den Abzug israelischer Sicherheitskräfte von der Moschee und begann nach dem Ablauf mit Raketenangriffen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Mai 2021 um 16:00 Uhr.