Unterstützer Aung San Suu Kyis jubeln in den Straßen von Yangon. | REUTERS

Parlamentswahl in Myanmar Suu Kyis Partei beansprucht Sieg

Stand: 09.11.2020 13:25 Uhr

Bei der Parlamentswahl in Myanmar zeichnet sich ein Sieg für die Partei von Aung San Suu Kyi ab. Die Wahlbeteiligung war hoch - trotz der Corona-Pandemie und den Abstimmungsverboten in einigen Bundesstaaten.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Blume im Haar, Maske im Gesicht: so hatte Myanmars faktische Regierungschefin Aung San Suu Kyi ihre Stimme abgegeben. Die Wahlen in Myanmar waren von der Pandemie geprägt und eingeschränkt. Die 75-jährige Friedensnobelpreisträgerin selbst hatte wie alle Senioren des Landes vorab wählen dürfen.

Lena Bodewein ARD-Studio Singapur

Am Wahlabend selbst jubelten Suu Kyis Unterstützer: Sie feierten auf den Straßen und trugen Gesichtsmasken mit ihrem Konterfei. "Die NLD von Aung San Suu Kyi muss erdrutschartig gewinnen, damit sie endlich die Verfassung ändern kann. Es wäre toll, wenn wir endlich eine richtig demokratische Verfassung bekämen", sagte eine Ärztin, die an den Feierlichkeiten teilnahm.

Myanmars faktische Regierungschefin gibt bei der Parlamentswahl ihre Stimme ab. | REUTERS

Myanmars faktische Regierungschefin gibt bei der Parlamentswahl ihre Stimme ab. Bild: REUTERS

Myanmars zweite demokratische Wahl

Nach der kolonialen Besetzung durch die Briten, nach Jahrzehnten der Militärdiktatur ist es erst Myanmars zweite demokratische Wahl. Wie schon bei der ersten Wahl 2015 wird Suu Kyis Partei NLD, der National League for Democracy, ein Sieg prognostiziert.

Aber damals wie heute sind laut Verfassung ein Viertel der Parlamentssitze für das Militär reserviert - etwas, das Suu Kyi gerne ändern möchte. Sie selbst ist bisher Staatsrätin, darf nicht Präsidentin des Landes werden wegen einer anderen Klausel, die die Militärs 2008 in die Verfassung schrieben.

Doch weder die Corona-Pandemie noch die Macht der früheren Junta treibt die meisten Menschen um: Bei einem hohen Sieg der NLD werde es der Wirtschaft des Landes bald bessergehen, glauben viele.

Wahlverbot in mehreren Bundesstaaten

In Myanmar gibt es 37 Millionen Wahlberechtigte, aber tatsächlich durften zwei Millionen Menschen nicht wählen: Die Regierung hat - vorgeblich aus Sicherheitsgründen - in Bundesstaaten wie Shan, Kachin und Rhakine die Wahlen untersagt. Hier gibt es seit Langem blutige Konflikte.

Suu Kyi hatte schon bei der Wahl 2015 versprochen, diese lösen zu wollen. Aber international wird sie heftig angegriffen, die einstige Ikone der Demokratiebewegung hat ihr Ansehen in der Welt verloren: Denn sie hat sich kaum nennenswert geäußert, als die muslimische Minderheit der Rohingya des Landes vertrieben und ermordet wurde.

Die Vereinten Nationen sprechen von Völkermord - etwas, wogegen Suu Kyi ihr Land vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag verteidigt hat. Seit Jahren lebt eine Million Rohingya in Flüchtlingslagern im benachbarten Bangladesch. Die in Myanmar verbliebenen Rohingya durften nicht wählen, nicht bei dieser und keiner anderen Wahl. Denn Myanmar erkennt sie nicht als Staatsbürger an.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 09. November 2020 um 09:11 Uhr.