Myanmars De-Facto-Regierungschefin Suu Kyi vor Gericht | AFP

Nach Putsch in Myanmar Aung San Suu Kyi wegen Korruption angeklagt

Stand: 10.06.2021 09:27 Uhr

Verletzung von Staatsgeheimnissen, Verstöße gegen die Corona-Auflagen - Myanmars De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi werden mehrere angebliche Vergehen vorgeworfen. Nun ist eine weitere Anklage hinzugekommen.

Myanmars entmachtete De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi ist wegen Korruption angeklagt worden. Das berichtet die regimetreue Zeitung "Global New Light of Myanmar". Demnach habe die Anti-Korruptionskommission Beweise dafür gefunden, dass die 75-Jährige ihr Amt ausgenutzt und unter anderem 600.000 US-Dollar und mehrere Kilo Gold illegal angenommen sowie Landmissbrauch betrieben habe.

Aung San Suu Kyis Anwalt bezeichnete die Vorwürfe als absurd. "Ich habe noch nie eine ehrlichere und unbestechlichere Politikerin getroffen als sie", sagte Khin Maung Zaw, der Chef ihres Verteidigungsteams, der Nachrichtenagentur dpa. "Sie mag Fehler haben, aber persönliche Gier und Korruption gehören nicht dazu." Auf Korruption stehen in Myanmar bis zu 15 Jahre Haft.

Die Friedensnobelpreisträgerin sitzt seit dem Putsch der Generäle vom 1. Februar im Hausarrest - wie zu Zeiten der früheren Militärdiktatur.

Montag beginnt der offizielle Prozess

Die Justiz wirft Aung San Suu Kyi bereits ein halbes Dutzend Vergehen vor, darunter Verstöße gegen Außenhandelsgesetze, Verletzung von Corona-Maßnahmen sowie Verletzung von Staatsgeheimnissen. Juristisch am schwersten ist der Vorwurf der "Anstiftung zum Aufruhr". Am Montag soll offiziell der Prozess beginnen. Die Urteile könnten im August ergehen.

Aung San Suu Kyis Anhänger halten die gegen sie erhobenen Vorwürfe für politisch motiviert. Sollte sie verurteilt werden, könnte ihr eine Kandidatur bei einer Wahl verweigert werden, deren Abhaltung innerhalb von ein oder zwei Jahren die Militärjunta versprochen hat.

Seit dem Putsch gegen Aung San Suu Kyi und ihre Regierung versinkt Myanmar in Chaos und Gewalt. Fast täglich kommt es zu Demonstrationen, gegen die das Militärregime brutal vorgeht. Nach Schätzungen der Gefangenenhilfsorganisation AAPP wurden mindestens 858 Menschen getötet. Fast 6000 wurden festgenommen, die meisten sitzen bis heute hinter Gittern. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind 100.000 Menschen auf der Flucht.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Juni 2021 um 09:00 Uhr.