Teilnehmer einer Demonstration in Myanmar werden mit Tränengas beschossen. | AP

Massive Polizeigewalt Viele Tote bei Protesten in Myanmar

Stand: 03.03.2021 17:43 Uhr

In Myanmar gehen Sicherheitskräfte weiter brutal gegen die Teilnehmenden der Massenproteste vor. Es soll zahlreiche Tote geben. Auch Journalisten rücken immer stärker ins Visier des Militärs.

Die landesweiten Massenproteste gegen die Militärjunta in Myanmar gehen unvermindert weiter - trotz massiver Gewalt durch die Sicherheitskräfte. Laut Agenturberichten sollen mindestens 18 Menschen von Sicherheitskräften erschossen worden sein, unter anderem in der Stadt Mandalay und der früheren Hauptstadt Yangon.

In sozialen Netzwerken kursieren erschütternde Fotos von blutüberströmten Leichen. Es wird befürchtet, dass die Zahl der Opfer noch steigt. Dutzende Demonstranten sollen teils schwer verletzt worden sein.

Sechs Journalisten angeklagt

Auch Journalisten sind Ziel der Einschüchterungsversuche durch das Militär. Sechs Pressemitarbeiter wurden wegen ihrer Berichterstattung über die Proteste angeklagt. Unter ihnen ist auch ein Fotograf der US-Nachrichtenagentur AP, wie sein Anwalt mitteilte. Der Fotograf Thein Zaw sei am Samstag festgenommen worden, als er über eine Demonstration in Yangon berichtete.

Die Medienschaffenden wurden demnach unter einem Gesetz gegen "das Auslösen von Angst, das Verbreiten falscher Nachrichten sowie die Anstiftung von Regierungsangestellten" angeklagt. Die Militärjunta hatte das Gesetz im vergangenen Monat geändert und die Höchststrafe von zwei auf drei Jahre Haft erhöht. 

Nach Angaben der "Organisation Assistance Association for Political Prisoners" wurden seit dem Putsch mehr als 1200 Menschen festgenommen, darunter 34 Journalisten. Die tatsächliche Zahl der Festnahmen könnte jedoch weitaus höher liegen: Allein am Sonntag sollen laut staatlichen Medien mehr als 1300 Menschen in Gewahrsam genommen worden sein.

Journalisten werden in Yangon (Myanmar) verhaftet

Auch Journalisten sind nicht vor einer Verhaftung sicher, wie hier am Samstag in Yangon.

UN-Sicherheitsrat soll beraten

Angesichts der anhaltenden Gewalt soll der UN-Sicherheitsrat erneut über die Krise beraten. Wie mehrere Diplomaten übereinstimmend berichteten, beantragte Großbritannien für Freitag dazu eine Sitzung in New York. Auch am Mittwoch gab es in sozialen Netzwerken wieder Appelle an die Vereinten Nationen, dem Land zu helfen.

Das Militär hatte Anfang Februar gegen die faktische Regierungschefin Aung San Suu Kyi geputscht. Die 75-Jährige hatte die Parlamentswahl im November mit klarem Vorsprung gewonnen. Sie sitzt seither im Hausarrest und muss sich wegen verschiedener Vorwürfe vor Gericht verantworten. Die Demonstranten fordern die Wiedereinsetzung der früheren Freiheitsikone und eine Rückkehr zum Demokratisierungsprozess, den das Land vor zehn Jahren eingeleitet hatte.

Schäuble drückt Solidarität aus

In Deutschland bekundete Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble in einem veröffentlichten Brief Solidarität mit seinen Amtskollegen in Myanmar: "Im Namen des Deutschen Bundestages versichere ich Ihnen und allen unter Repression leidenden Parlamentariern in Myanmar mein aufrichtig empfundenes Mitgefühl und meine Solidarität, auch mit Blick auf die intensiven bilateralen Beziehungen unserer Parlamente in den letzten Jahren."

Den Militärputsch nannte Schäuble unrechtmäßig. Er hoffe sehr, "dass die Appelle der internationalen Gemeinschaft an die Militärführung in Myanmar, die unrechtmäßig dem demokratischen Wandel Ihres Landes ein jähes Ende gesetzt hat, auf fruchtbaren Boden fallen".

Papst Franziskus verurteilt Unterdrückung

Auch Papst Franziskus äußerte sich erneut besorgt über den Konflikt: "Ich möchte die Verantwortungsträger daran erinnern, dass Dialog besser ist als Unterdrückung", schrieb das katholische Kirchenoberhaupt auf Twitter.

Er appellierte an die internationale Gemeinschaft, die Anliegen des Volkes von Myanmar nicht zu ignorieren. Franziskus hatte schon im Februar unter anderem eine sofortige Freilassung festgenommener Politiker verlangt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. März 2021 um 11:00 Uhr.