Ungeachtet der Polizeigewalt gehen in Myanmar Hunderttausende auf die Straße | EPA

Lage in Myanmar Proteste, Gewalt - und Desertionen

Stand: 06.03.2021 12:11 Uhr

Trotz massiver Polizeigewalt gehen wieder hunderttausende Menschen in Myanmar gegen die Militärjunta auf die Straße. Offenbar desertieren erste Polizisten und fliehen ins Ausland.

Landesweit haben wieder hunderttausende Menschen gegen den Putsch und die Militärherrschaft protestiert. Demonstranten blockierten in zahlreichen Städten die Straßen, wie Augenzeugen und örtliche Medien berichteten.

Mit Barrikaden aus Ziegelsteinen und Sandsäcken schützten sich die Demonstrierenden unter anderem in der größten Stadt Yangon vor dem gewaltsamen Durchgreifen der Sicherheitskräfte.

Die Militärs feuerten Tränengas, Gummigeschosse und Blendgranaten ab. Angaben zu Opfern liegen nicht vor.

Auch in der Stadt Dawei im Süden kam es zu Demonstrationen, bei denen die Freilassung und Wiedereinsetzung der De-Facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi gefordert wurde.

Demonstrierende in Mandalay trotzen der Polizeigewalt | AP

Auch Demonstrierende in Mandalay trotzen der Polizeigewalt Bild: AP

UN-Sicherheitsrat weiter untätig

Die UN-Sondergesandte für Myanmar, Christine Schraner Burgener, rief die Mitglieder des UN-Sicherheitsrats auf, die "verzweifelten Appelle" der Menschen in Myanmar zu erhören und rasche Maßnahmen zur Wiedereinführung der Demokratie zu ergreifen.

Sie warnte davor, die Militärjunta in Myanmar für rechtmäßig zu erklären. Die Hoffnung, welche die Menschen in die Vereinten Nationen und ihre Mitglieder hätten, schwinde. "Ich habe die verzweifelten Appelle gehört - von Müttern, Studenten und den Älteren", sagte die UN-Sondergesandte. Die Einigkeit des Sicherheitsrats sei in diesem Punkt "notwendiger denn je".

Das Gesicht hinter dem Putsch: Armeechef Min Aung Hlaing  | AP

Das Gesicht hinter Putsch und Gewalt gegen Demonstrierende: Armeechef Min Aung Hlaing Bild: AP

Die Sitzung des Sicherheitsrats endete ohne eine Einigung auf eine gemeinsame Erklärung. Diplomaten erklärten, es sei unwahrscheinlich, dass das Gremium internationalen Maßnahmen gegen die Junta zustimme.

China, eine der fünf Veto-Mächte im Sicherheitsrat, gilt jedoch als Haupthindernis für einen Konsens. Chinas UN-Botschafter Zhang Jun sagte vor Journalisten, sein Land wünsche in Myanmar keine Instabilität. Die "Botschaften und Maßnahmen der internationalen Gemeinschaft sollten dazu beitragen, dass die Parteien in Myanmar Differenzen überwinden und Probleme lösen", sagte er.

Die Beratungen über eine gemeinsame Erklärung sollen nach Diplomatenangaben kommende Woche fortgesetzt werden. 

Offenbar Desertionen von Polizisten

Myanmar forderte unterdessen Indien auf, acht Polizisten auszuliefern, die sich in das Nachbarland abgesetzt hätten. Die Polizisten hatten nach indischen Angaben Zuflucht gesucht, weil sie Anweisungen der Militärregierung nicht befolgen wollten. Die Behörden in Myanmar verlangten nun in einem Schreiben deren Festnahme und Auslieferung, "um die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten aufrechtzuerhalten".

Seit dem Militärputsch am 1. Februar ist Myanmar in Aufruhr, die Sicherheitskräfte gehen zunehmend härter gegen die anhaltenden Massenproteste vor. Insgesamt wurden den UN zufolge bislang mehr als 50 Demonstranten getötet und rund 1700 Menschen festgenommen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. März 2021 um 12:00 Uhr.