Buddhistische Mönche und Zivilisten demonstrieren in Mandalay, Myanmar. | imago images/Penta Press

Militärputsch in Myanmar Junta nimmt Mönche ins Visier

Stand: 22.06.2021 10:23 Uhr

Auch im fünften Monat nach dem Militärputsch protestiert fast ein ganzes Volk gegen die Junta in Myanmar. Wichtige Stütze des Widerstands sind die Mönche. Noch zögern die Generäle, auf Geistliche schießen zu lassen.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Mönche in ochsenblutroten Roben haben sich einem Protestmarsch gegen die Militärjunta in Myanmar angeschlossen. Anders als bei der sogenannten Safranrevolution gegen die Diktatur im Jahr 2007 stehen die buddhistischen Geistlichen diesmal nicht an der Spitze des Widerstandes. Aber sie haben sich der Bewegung des zivilen Ungehorsams in großer Zahl angeschlossen.

Holger Senzel ARD-Studio Singapur

"Wir wollen als Mönche nicht nur zuschauen, während die Menschen in Not sind", sagt einer, während die Demonstranten "Kabar Ma Kyee Bu" singen. Es ist die Hymne des Widerstandes - auf deutsch: Wir werden nicht vergeben. Der Song zur Melodie von "Dust in the Wind" entstand bei den Protesten im Jahr 1988. Tausende starben damals bei der brutalen Niederschlagung der Demokratiebewegung durch die Armee.

"Wir haben nur eine Chance, gegen die Militärdiktatur in Myanmar zu kämpfen. Den Militärs geht es nur darum, sich selbst zu bereichern. Sie beuten die reichen Bodenschätze des Landes aus, während das Volk hungert", sagt der Mönch auf der Demonstration. Die Armee schieße auf ihre Landsleute, die Menschen kümmerten sie nicht. "Das war schon vor beinah 60 Jahren so - und das ist jetzt wieder so."

Klöster als Untergrundkliniken

Soldaten mit dem Finger am Abzug ihrer Sturmgewehre beobachten die Demonstration. Das Militär, das bedenkenlos unbewaffnete Männer, Frauen und Kinder erschießt, zögert noch, auf die frommen Männer zu feuern. Gleichwohl erhöhe die Junta den Druck auf die buddhistischen Klöster, erzählt ein Mönch dem unabhängigen Nachrichtenportal "Myanmar Now".

"Sie haben uns angewiesen, Gästelisten zu führen. Sie wollen wissen, wer da übernachtet, weil sie sehen, dass immer mehr Mönche sich dem Widerstand anschließen. Das wollen sie nicht hinnehmen", erzählt er.

Zumal Klöster und Gebetsräume zunehmend als Untergrundkliniken dienen, in denen die Opfer der Sicherheitskräfte behandelt werden. Die Soldaten würden verletzte Demonstranten sofort in Militärkrankenhäuser überstellen und ihnen anschließend den Prozess machen, wenn diese versuchen würden, Zuflucht in offiziellen Kliniken suchen.

"Folgt der Anordnung nicht"

Daher weigern sich die meisten Klöster, Gästelisten zu führen und dem Militär vorzulegen. Viele Mönche trauten sich aber auch nicht mehr, in ihren Klöstern zu übernachten, sondern seien ständig auf der Flucht, erzählt ein Mönch in einem Radiointerview.

Er fordert seine Glaubensbrüder auf, ihrer Angst zu trotzen. "Wir sollten und wir werden dieser Anordnung nicht folgen, sondern dagegen kämpfen. Wenn wir ihre Anordnungen befolgen, werden sie den Druck erhöhen und die Daumenschrauben Stück für Stück immer fester ziehen." Wenn das ganze Land sich den Anordnungen des Militärs widersetze, könnte die Junta gestoppt werden. Der Mönch warnte seine Glaubensbrüder, dass die Soldaten nicht zögern werden, mit ihren Stiefeln auf die Köpfe von Mönchen zu treten, wenn diese die Regeln des Regimes nicht befolgen sollten.

Auch im fünften Monat nach dem Militärputsch protestiert nahezu ein ganzes Volk geschlossen gegen die Junta. 860 Menschen wurden von den Sicherheitskräften bislang getötet. Die ehemalige De-Facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi , die in der Haft  ihren 76. Geburtstag beging, muss sich wegen absurder Anklagen vor Gericht verantworten. Ihre Partei, die bei den Wahlen vergangenes Jahr die absolute Mehrheit erzielte, wurde aufgelöst.  

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 22. Juni 2021 um 09:21 Uhr.