Ein Mann hält das Bild eines Opfers der Proteste und streckt den Arm zum Zeichen der Protestierenden in Myanmar | REUTERS

Trauer und Wut in Myanmar Neue Proteste, neue Gewalt

Stand: 05.03.2021 10:52 Uhr

Während viele Menschen in Myanmar um ihre ermordeten Angehörigen trauern, gehen die Sicherheitsbehörden erneut brutal gegen die Demonstrierenden vor. Die USA verhängten weitere Sanktionen gegen das Militär.

Die Sicherheitskräfte in Myanmar haben erneut zahlreiche Proteste gegen den Militärputsch mit Gewalt niedergeschlagen. Unter anderem setzten sie dabei wieder Tränengas und Gummigeschosse ein, wie lokale Medien und Augenzeugen in verschiedenen Landesteilen berichteten. Auch scharfe Munition kam demnach wieder zum Einsatz.

Mindestens eine Person wurde erschossen, wie mehrere Nachrichtenagenturen übereinstimmend. Der Vorfall habe sich in der Stadt Mandalay ereignet, hieß es. Der junge Mann sei am Hals getroffen worden und verstorben.

Eine Karte von Myanmar mit den Städten Yangon, Mandalay und Naypidaw

Erneut viele Festnahmen

Besonders viele Demonstrationen gab es erneut in der größten Stadt Yangon im Süden. Demonstranten bauten dort teilweise Barrikaden auf, um die Polizei fernzuhalten. Jedoch habe dies nichts geholfen. "Wir haben alles getan, was wir konnten, um sie fernzuhalten", sagte der 27-jährige Lwin Ko Aung. Dennoch seien viele Teilnehmer festgenommen worden.

"Sie haben unsere Protestaktion zerschlagen und wir mussten wegrennen. Aber wir werden bald wieder da sein", erklärte die 34-jährige Myo Myo.

Am Mittwoch hatten Einsatzkräfte nach UN-Angaben mindestens 38 Menschen getötet. Es war der bisher blutigste Tag der Proteste seit dem Putsch am 1. Februar. Das brutale Vorgehen der Militärjunta hatte weltweit Entsetzen ausgelöst.

Menschen stehen um ein weinendes Mädchen. | EPA

Ein kleines Mädchen in Yangon beweint den Tod ihre Vaters Zwee Htet Soe Bild: EPA

USA verhängen Sanktionen

Die USA verhängten inzwischen weitere Handelssanktionen gegen die Verantwortlichen. Betroffen seien zwei für den Putsch verantwortliche Ministerien sowie zwei mit den Streitkräften verbundene Firmen, teilte das US-Handelsministerium mit. Man werde nicht zulassen, dass das Militär "weiterhin vom Zugang zu Gütern profitiert, die den Exportvorschriften unterliegen", hieß es.

Die beiden Firmen, die auf der schwarzen Liste stehen - Myanmar Economic Corporation und Myanmar Economic Holdings Limited - gehören zu den Top-Konglomeraten des Militärs, das durch die Holdingfirmen und ihre Tochtergesellschaften große Teile der Wirtschaft Myanmars kontrolliert.

Die Sanktionen gelten auch für das Verteidigungs- und das Innenministerium des Landes, zusätzlich soll Myanmar Exportkontrollbeschränkungen für "militärische Endverwendung" auferlegt bekommen. Das US-Ministerium will außerdem weitere Maßnahmen prüfen.

Die US-Regierung hatte bereits zehn führende Militärangehörige und drei mit den Streitkräften verbundene Unternehmen mit Sanktionen belegt.

Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats

In New York will sich heute der UN-Sicherheitsrat mit der Lage in Myanmar befassen. Auf Vorschlag Londons treffen sich die Mitglieder hinter verschlossenen Türen. Bereits am Tag nach dem Militärputsch in Myanmar am 1. Februar war der Sicherheitsrat zu einer vertraulichen Sitzung zusammengekommen.

Auch die UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet hatte ein Ende der Niederschlagung friedlicher Proteste gefordert. Die Europäische Union, die die Schüsse auf unbewaffnete Zivilisten und Sanitäter als klare Verstöße gegen das Völkerrecht verurteilt hatte, sperrte bis auf weiteres ihre Entwicklungshilfe.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. März 2021 um 12:00 Uhr.