Polizisten in Yangon, Myanmar | AFP

Proteste gegen Putsch Offenbar Tote bei Kämpfen in Myanmar

Stand: 16.05.2021 12:56 Uhr

Nach friedlichen Protesten gibt es jetzt auch bewaffneten Widerstand gegen die Militärjunta in Myanmar. Dabei soll es im Westen des Landes zu Toten gekommen sein. Großbritannien und die USA zeigten sich alarmiert.

Bei Kämpfen zwischen der myanmarischen Armee und Rebellengruppen sind in den vergangenen Tagen offenbar mindestens fünf Angehörige einer Miliz getötet worden. "Mindestens fünf unserer Mitglieder wurden getötet und mehr als zehn weitere verletzt", teilte ein Sprecher der Verteidigungskräfte von Chinland (CDF) mit. Der westliche Bundesstaat Chin in Myanmar, in dem die CDF aktiv ist, hat sich zuletzt zu einem Brennpunkt im innermyanmarischen Konflikt entwickelt.

Dem CDF-Sprecher zufolge wurden die Milizenmitglieder in der Stadt Mindat getötet. Das Militär habe dort zudem fünf Bewohner festgenommen. Der Nachrichtenagentur AFP sagte der Sprecher, dass CDF-Kämpfer mehrere Armeefahrzeuge in Brand gesteckt und zerstört hätten. Zudem seien Soldaten in einen Hinterhalt gelockt worden.

Das Militär griff Mindat den Angaben zufolge seinerseits mit Artillerie an. Auch Hubschrauber seien eingesetzt worden. Die Junta hatte zuvor das Kriegsrecht über die Stadt verhängt.

Eine von gewählten Abgeordneten gebildete Schattenregierung der Nationalen Einheit erklärte, Mindat könne in den nächsten 48 Stunden zum Schlachtfeld werden. Dabei könnten Tausende Menschen vertrieben werden. Der staatliche Fernsehsender MRTV berichtete von diversen Angriffen auf Regierungseinrichtungen und Militär, bei denen Fahrzeuge zerstört und eine unbekannte Zahl von Soldaten getötet oder verletzt worden sei.

Eine Karte von Myanmar mit Mindat.

USA und Großbritannien kritisieren Kriegswaffeneinsatz

Großbritannien und die USA zeigten sich alarmiert über die Lage in Mindat und forderten die myanmarischen Streitkräfte zur Einstellung der Gewalt auf. Der Einsatz von Kriegswaffen gegen Zivilisten zeige einmal mehr, wie tief die Militärjunta sinke, um an der Macht zu bleiben, twitterte die britische Botschaft in Myanmar. Ähnliches schrieb auch die US-Botschaft. Man wisse von Berichten über Schüsse des Militärs auf Zivilisten.

Die Staatszeitung "New Light of Myanmar" berichtete unterdessen von der Einberufung eines Militärgerichts, vor dem Verantwortlichen für "Terroranschläge" in Mindat der Prozess gemacht werden soll. Demonstranten gegen die Militärjunta solidarisierten sich mit den Menschen in Mindat. In Hpakhant im Norden des Landes hielten Protest-Teilnehmer Plakate in die Höhe mit der Aufschrift: "Bleib stark, Mindat!" Auch in anderen Landesteilen gab es erneut Proteste gegen die Militärmachthaber.

Myanmar befindet sich seit einem Militärputsch am 1. Februar in Aufruhr. Das Militär hatte das neu gewählte Parlament daran gehindert, sich zu konstituieren. Bei anhaltenden Protesten hat es nach Angaben verschiedener Beobachtergruppen mehr als 750 Tote gegeben. In zahlreichen Fällen ging das Militär mit tödlicher Gewalt gegen friedliche Proteste vor. Die Junta spricht von weniger als 300 Toten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Mai 2021 um 17:00 Uhr.