Ein Demonstrant läuft an einer brennenden Barrikade vorbei. | REUTERS

Militärgewalt in Myanmar "Sie setzen Artillerie gegen uns ein"

Stand: 15.05.2021 16:28 Uhr

Myanmars Armee kämpft um die Kontrolle im Westen des Landes und geht mit schweren Waffen gegen die Aufständischen vor. Einwohner der Stadt Mindat sprechen von Kriegszuständen. Auch Kinder sollen verletzt worden sein.

In Myanmar ringt das Militärregime mit Waffengewalt um die Kontrolle über eine Region im Westen des Landes. In dem von ethnischen Minderheiten dominierten Teilstaat Chin an der Grenze zu Indien ging die Armee nach Angaben von Einwohnern weiter mit schwerem Gerät gegen bewaffnete Rebellen vor.

Kriegsrecht verhängt

Nachdem es in den vergangenen Tagen in der Stadt Mindat in dieser Region zu Unruhen gekommen war, hatte das Militär dort das Kriegsrecht verhängt. Zur Begründung hieß es, in Chin trieben "bewaffnete Terroristen" ihr Unwesen.

Einwohner von Mindat sprachen von Kriegszuständen. "Sie setzen schwere Artillerie, Mörsergranaten gegen uns ein", sagte ein 32 Jahre alter Mann der Nachrichtenagentur Reuters. Die Aufständischen, zu denen er sich selbst zähle, hätten jedoch mit ihren leichten Waffen auf Dauer nur geringe Chancen gegen die Armee.

"Rennen um unser Leben"

"Wir rennen um unser Leben", sagte ein Einwohner von Mindat. "In der Stadt sind rund 20.000 Menschen gefangen, die meisten von ihnen sind Kinder, alte Menschen. Die drei Nichten meines Freundes wurden von Splittern getroffen. Sie sind noch nicht einmal Teenager."

Im Vielvölkerstaat Myanmar gibt es rund zwei Dutzend ethnische Milizengruppen, die bereits seit Jahrzehnten gegen die Armee kämpfen. Die Armee wird von Angehörigen der größten Ethnie des Landes, den Bamar, dominiert. Im Teilstaat Chin hatte sich nach dem Putsch vom 1. Februar eine selbsternannte Verteidigungseinheit gebildet.

Proteste gegen Junta reißen nicht ab

Seit das Militär die demokratisch gewählte Regierung des asiatischen Landes abgesetzt hat, reißen die Proteste gegen die Junta nicht ab. Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen beiden Seiten starben laut Menschenrechtsgruppen mindestens 788 Personen. Das Militär bezeichnet diese Zahl als unzutreffend.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Mai 2021 um 05:05 Uhr.