Demonstrierende in Yangon, Myanmar, liefern sich Straßenschlachten mit der Polizei. | REUTERS

Nach Militärputsch Tote bei Protesten in Myanmar

Stand: 28.02.2021 14:48 Uhr

Bei gewaltsamen Ausschreitungen in Myanmar sind laut UN-Angaben mindestens 18 Demonstrierende getötet worden. Viele starben an Schussverletzungen. Augenzeugen berichteten von zunehmender Brutalität der Einsatzkräfte.

Knapp vier Wochen nach dem Militärputsch in Myanmar gehen die Sicherheitskräfte immer gewaltsamer gegen Demonstrierende vor. Landesweit sind nach Angaben des UN-Menschenrechtsbüros (OHCHR) mindestens 18 Menschen getötet worden. Es handelt sich damit um den blutigsten Tag seit dem Putsch vor vier Wochen.

Die Polizei ging in mehreren Städten gewaltsam gegen die Demonstranten vor und schoss unter anderem in Yangon, der größten Stadt des Landes, auf die Menge. Zunächst hatte die Polizei in Yangon versucht, die Menschen mit Blendgranaten, Tränengas und Schüssen in die Luft auseinanderzutreiben. Auch Soldaten waren im Einsatz. Mehrere Demonstranten starben nach Angaben von Augenzeugen an Schussverletzungen.

In der südlichen Küstenstadt Dawei wurden drei Männer erschossen, als neben Tränengas, Wasserwerfern und Gummigeschossen auch scharfe Munition eingesetzt wurde, wie ein Sanitäter mitteilte. Mindestens 20 weitere Menschen wurden nach seinen Angaben durch Gummigeschosse verletzt. Er glaube, dass es noch mehr Opfer geben könnte, "da immer mehr Verletzte eintreffen", fügte er hinzu. Das örtliche Medienportal "Dawei Watch" meldete ebenfalls drei Todesopfer. 

Brutalität der Einsatzkräfte nimmt zu

Auch in anderen Städten berichteten Augenzeugen von der zunehmenden Brutalität der Einsatzkräfte gegen friedliche Demonstranten. In der Stadt Bago wurden nach Angaben eines Rettungswagenfahrers zwei Jugendliche erschossen. Auch Lokalmedien meldeten den Tod der beiden 18-Jährigen. Weitere Personen wurden verletzt.

Gewalt auch gegen Journalisten

In der Stadt Myitkyina wurde mindestens ein Journalist von Polizisten geschlagen und festgenommen, als er die Übergriffe dokumentieren wollte, wie die Lokalzeitung "The 74 Media" berichtete. In Pyay im Zentrum des Landes wurde ein weiterer Reporter nach Angaben seines Arbeitgebers von einem Gummigeschoss getroffen, während er über die Proteste dort berichtete. In der zweitgrößten Stadt Mandalay war per Live-Übertragung zu sehen, wie Polizisten Wasserwerfer gegen die Demonstranten einsetzten.

Menschenrechtler kritisieren das Vorgehen des Militärregimes scharf: Die deutliche Eskalation bei der Anwendung tödlicher Gewalt durch Myanmars Sicherheitskräfte gegen zumeist friedliche Demonstranten sei empörend und inakzeptabel und müsse sofort gestoppt werden, erklärte der Vize-Asien-Chef von Human Rights Watch, Phil Robertson.

Am Freitag hatte der Botschafter des Landes bei den Vereinten Nationen, Kyaw Moe Tun, das Ausland um Hilfe gebeten - er wurde daraufhin abgezogen.

Am 1. Februar hatte in Myanmar das Militär durch einen Putsch die Macht übernommen. Die demokratisch gewählte Regierung von de-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi wurde abgesetzt, die Friedensnobelpreisträgerin selber festgenommen und etliche Führungskräfte ihrer Partei Nationale Liga für Demokratie (NLD) sind seither in Gewahrsam. Die NLD hatte die Parlamentswahl am 8. November haushoch gewonnen. Das Militär erkennt das Ergebnis nicht an und spricht von Wahlbetrug. Seitdem sind Hunderttausende Menschen gegen die Armee auf die Straßen gegangen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. Februar 2021 um 09:00 Uhr.