Htin Kyaw | Bildquelle: REUTERS

Südostasien Myanmars Präsident tritt zurück

Stand: 21.03.2018 07:26 Uhr

Er war der erste Zivilist an der Spitze Myanmars nach langer Militärherrschaft und gilt als enger Vertrauter der Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi. Nun ist Präsident Kyaw überraschend zurückgetreten.

Der Präsident von Myanmar, Htin Kyaw, ist mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Er habe darum gebeten, aus seinem Amt ausscheiden zu können, hieß es in einer kurzen Mitteilung auf seiner offiziellen Facebook-Seite. Der 71-Jährige war seit März 2016 Staatsoberhaupt des südostasiatischen Landes, als erster Zivilist nach mehr als einem halben Jahrhundert Militärherrschaft.

Nachfolger in sieben Tagen

Kyaw ist ein enger Vertrauter von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, die wegen einer Verfassungsklausel selbst nicht Präsidentin werden kann. Die 72-Jährige führt seit zwei Jahren als "Staatsrätin" die Regierung des Landes.

Nach der Verfassung muss nun innerhalb von sieben Tagen vom Parlament ein Nachfolger ernannt werden. Suu Kyi selbst kann nicht Präsidentin werden, weil ihre beiden Söhne die britische Staatsbürgerschaft haben.

Armeechef gewann zuletzt an Einfluss

Die Machtverhältnisse in Myanmar sind nach dem Ende der Militärdiktatur noch nicht gefestigt. Die ehemalige Oppositionsführerin Suu Kyi steht nach dem Wahlsieg ihrer Nationalen Liga für Demokratie (NLD) an der Spitze der Regierung. In ihrem Kabinett besetzt das Militär aber mehrere Schlüsselposten wie das Innen- und das Verteidigungsressort. Zudem gewann Armeechef Min Aung Hlaing in den vergangenen Monaten erheblich an Einfluss.

Das südostasiatische Land steht international wegen der Verfolgung von Muslimen seit Monaten massiv in der Kritik. Aus Furcht vor Gewalttaten der Armee sind etwa 700.000 Angehörige der muslimischen Minderheit der Rohingya ins Nachbarland Bangladesch geflohen. Die Vereinten Nationen sprechen von "ethnischer Säuberung".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. März 2018 um 08:00 Uhr.

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