Jüdisches Museum in Brüssel öffnet wieder Schussfestes Glas und Polizeischutz

Stand: 07.03.2019 21:23 Uhr

Er kam aus Syrien, wo er offenbar für den IS Gefangene gefoltert hatte: Am 24. Mai betrat ein 29-jähriger Terrorist das Jüdische Museum in Brüssel. Ohne zu zögern erschoss er vier Menschen. Nun hat das Ausstellungshaus wieder seine Tore geöffnet - unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen.

Von Karin Bensch, ARD-Hörfunkstudio Brüssel

Ein bewaffneter Polizist vor dem Jüdischen Museum in Brüssel
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Das Jüdische Museum in Brüssel öffnet wieder - wird aber scharf bewacht.

Der Terroranschlag hat das Jüdische Museum in Brüssel verändert. Im Unterschied zu anderen jüdischen Einrichtungen in Belgien war es zuvor offen zugänglich gewesen. "Wir hatten bislang keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen. Nun aber haben wir das Gebäude umgerüstet", sagt Direktor Philippe Blondin.

Das Museum ist jetzt gesichert wie ein Flughafen: Besucher müssen eine Sicherheitskontrolle durchlaufen. Am Eingang gibt es  einen Metalldetektor und schussfestes Glas. Das Gebäude steht unter Polizeischutz.

"Die Realität ist grässlich"

Das sei Sicherheit auf Kosten der Freiheit, meint der Museumsdirektor. "Dieses humanistische Ideal, diese Vision der Offenheit wurde von der Realität zerstört. Es bricht mir das Herz, dass ich unsere Philosophie ändern muss. Aber wir müssen uns der Realität anpassen. Und diese Realität ist grässlich", bedauert Blondin.

Kamerabild des Täters mit Kalaschnikow und dunkler Mütze bei der Schießerei im Jüdischen Museum
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Eine Überwachungskamera zeichnete den Anschlag auf.

Die grässliche Realität wird sichtbar durch die Bilder einer Überwachungskamera. Noch heute stehen sie im Internet. Am 24. Mai 2014, einem Samstagnachmittag, betrat ein Mann das Jüdische Museum in der Brüsseler Innenstadt, zog eine Kalaschnikow aus einer schwarzen Tasche und schoss um sich. Danach packte er die Waffe ein und flüchtete. Der Mann tötete vier Menschen: ein israelisches Touristenpaar, eine Französin und einen Belgier. Sechs Tage später wurde er in Südfrankreich festgenommen - durch Zufall bei einer Drogenkontrolle des Fernbusses aus Amsterdam. In seinem Gepäck fanden die Fahnder unter anderem eine Kalaschnikow und ein Bekennervideo.

Der Täter folterte offenbar für IS in Syrien

Später wurde der 29-Jährige nach Belgien ausgeliefert und sitzt nun im Gefängnis. Er ist Franzose mit algerischen Wurzeln. Maurice Sosnowski, der Vorsitzendes des Verbands jüdischer Gemeinden in Belgien, sagt, er verspüre ein zunehmend antisemitisches Klima in Europa. "Dieser Hass im Internet, in den Zeitungen, in den Blogs, man kann sich nicht vorstellen, dass es da keine direkte Verbindung zu den Gewalttaten gibt", sagt Sosnowski.

Der mutmaßliche Attentäter war mehr als ein Jahr im syrischen Bürgerkrieg. Angeblich soll er als Gefängniswärter für die Terrormiliz "Islamischer Staat" Gefangene gefoltert haben. Das berichtet ein französischer Journalist, der als Geisel des "IS" in Syrien festgehalten wurde.

Rund 2000 Europäer in den Reihen der Terrorgruppe

Der 29-Jährige ist der erste Europäer, der aus dem Syrienkrieg heimgekehrt ist und hierzulande einen Anschlag verübt hat. Er wird wahrscheinlich nicht der letzte gewesen sein, befürchten Sicherheitsexperten. Derzeit sollen sich - nach vagen Schätzungen - etwa 2000 aus westlichen Ländern eingereiste Kämpfer am Dschihad beteiligen. Das Chaos in Syrien bringt eine neue Generation europäischer Islamisten hervor.

Das Jüdische Museum in Brüssel wolle sich durch Terrorismus nicht zum Schweigen bringen lassen, sagt Direktor Blondin. Deshalb sei es ihm wichtig, nun wieder die Türen zu öffnen: "Wir denken, dass der 14. September, der Tag der jüdischen Frau, ein guter Tag ist, um wieder im Museumsleben von Brüssel Fuß zu fassen."

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