Mitarbeiter der National Gallery in London stehen am Eingang des Museums | Bildquelle: AFP

Corona-Lockerungen in England Museen öffnen wieder - auf besondere Art

Stand: 08.07.2020 11:26 Uhr

Die National Gallery geht voran - nach 111 Tagen Zwangspause sind Besucher wieder willkommen. Doch vieles ist anders: So muss man im Museum festen Routen folgen, dafür hat man selbst vor den "Highlights" viel Platz.

Von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Genau 111 Tage war die National Gallery geschlossen. Gut, dass es jetzt endlich wieder losgehe, sagt der Chef des berühmten Museums am Trafalgar Square, Gabriele Finaldi.

"Das hat auch etwas Symbolisches, dass wir als erste wieder aufmachen. Wir sitzen im Herzen von London, wir waren schon das Leuchtfeuer, das im Zweiten Weltkrieg für das kulturelle Leben stand. Wir haben jetzt wieder diese Verantwortung verspürt voranzugehen, sobald das möglich ist."

Mitarbeiterin mit Mundschutz in der National Gallery in London | Bildquelle: AFP
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Warten auf die ersten Besucherinnen und Besucher: eine Mitarbeiterin in der National Galery.

Mit ihrer großzügigen Architektur habe es die National Gallery allerdings auch etwas einfacher als andere Museen, gibt Finaldi zu. Tickets gibt es zukünftig nur noch vorab und online, die Besucher werden um eine das Tragen einer Maske und das Einhalten eines Zwei-Meter-Abstands voneinander gebeten.

Drei Routen ohne Gegenverkehr

Auch sonst wird sich das Museumserlebnis ändern, erklärt Caroline Campbell, zuständig für mehrere Sammlungen in der National Gallery.

"Wir haben das Einbahnstraßen-Prinzip eingerichtet. Die Besucher können drei verschiedenen Themenrouten folgen. Man kann aber auch alle nacheinander gehen, sodass man am Ende in jedem Raum war."

Auch in der Sortierung der Ausstellungen hat sich einiges geändert. Sehr beliebte Bilder seien von kleinen Räumen in größere umgehängt worden, damit mehr Leute sie sehen könnten, erklärt Campbell. Außerdem seien in paar Räume und Bilder "aufgefrischt" worden, die mehr als zwei Jahre lang nicht zu sehen waren. Aber natürlich seien auch "unsere ganzen alten Bekannten" wieder da, von Leonardo über Raffael bis zu Caravaggio und van Gogh.

Einheimische unter sich

Das Besucherprofil wird bis auf weiteres ein anderes sein, das ist jetzt schon sicher: mehr Einheimische, denn ausländische Touristen sind zurzeit keine in der Stadt. Und insgesamt wird es weniger Publikum sein, auch das ist klar.

Das wird auf Dauer ein Problem für viele Museen, sagt Jenny Waldman von der Kulturstiftung Art Fund. Für manche koste es schon jetzt mehr, wieder aufzumachen, als wenn sie geschlossen blieben. Weniger Publikum, sagt Waldman, das habe nur einen einzigen Vorteil: Man müsse sich nicht mehr immerzu strecken, um etwas zu sehen, nur weil jemand vor einem steht.

Tate zieht nach - Tizian bleibt

Die National Gallery geht heute voran, die anderen Museen ziehen in den nächsten Tagen und Wochen nach. Die vier Tate-Galerien zum Beispiel am 27. Juli.

Die große Tizian-Ausstellung in der National Gallery übrigens, die im März erst drei Tage vor der Corona-Schließung eröffnet worden war, wird bis Mitte Januar verlängert.

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Thomas Spickhofen, ARD London
08.07.2020 10:23 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 akteull am 08. Juli 2020 um 09:24 Uhr.

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