Deutsche Regierungsmaschine mit Entwicklungshilfeminister Müller in Malawi (Foto: Martin Polansky)

Müllers Pannenreise "Da sind wir Entwicklungsland"

Stand: 10.01.2019 14:51 Uhr

Der Ausfall des deutschen Regierungsjets hat laut Entwicklungsminister Müller das Image von "Made in Germany" in Afrika erheblich beschädigt. Der Defekt brachte das Besuchsprogramm des Ressortchefs durcheinander.

Von Martin Polansky, ARD-Hauptstadtstudio, zzt. Kitwe, Sambia

Entwicklungsminister Gerd Müller zu Besuch in der Schimpansen-Schutzstation Chimfunshi  im Nordwesten von Sambia. Die Schimpansen sind zwar sehr putzig - aber eigentlich interessiert sich die deutsche Delegation nur begrenzt für sie. Es ist eine Art Notprogramm, das die deutschen Botschaftsmitarbeiter vor Ort mit viel Engagement organisieren, denn alle warten nur darauf, dass die defekte Regierungsmaschine endlich wieder startklar ist.

Müller wählt in der Schimpansen-Station deutliche Worte: "Made in Germany hat einen erheblichen Schaden genommen in Afrika." Denn das werde natürlich überall berichtet. Wer verstehe schon, dass die Delegation wegen einem Ventil praktisch drei Tage festgehalten sei. "Das passiert in Sambia oder in einem afrikanischen Land einem Regierungsmitglied so nicht. An der Stelle sind wir eben Entwicklungsland", so  Müller.

Gerd Müller in der Schimpansen Schutzstation Chimfunshi | Bildquelle: Martin Polansky
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Minister Müller besuchte als Alternativprogramm eine Schimpansen-Schutzstation.

Deutsche Regierungsmaschine mit Entwicklungshilfeminister Müller in Malawi (Foto: Martin Polansky)
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Techniker ist informiert - noch immer kann die Regierungsmaschine in Malawi nicht starten.

Regierungsjet seit Montag defekt

Der Defekt am Ventil hatte am Montag den Start der Regierungsmaschine in Lilongwe in Malawi verhindert - der ersten Station der Reise durch das südliche Afrika. Müllers Delegation flog per Linie weiter nach Sambia, die "Global 5000" der Flugbereitschaft steht immer noch in Lilongwe.

In Müllers Delegation heißt es, dass inzwischen sowohl Mechaniker als auch ein Ersatzventil aus Deutschland in Lilongwe eingetroffen seien. Jetzt soll die Maschine repariert werden. Wenn alles gut geht, kann sie Müllers Delegation morgen früh im Nordwesten Sambias abholen, um dann nach Deutschland zu fliegen.

Namibia-Besuch soll nach nachgeholt werden

Die Reise wäre damit einen Tag länger als geplant - und die wichtigste Station ist komplett ausgefallen: der Besuch in Namibia. Müller wollte in hochrangigen Treffen über die deutsche Kolonialzeit und die damaligen Massaker an Herero und Nama sprechen.

Gerd Müller und Edgar Lungu | Bildquelle: Martin Polansky
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Ein Treffen der Delegation mit Sambias Präsident Edgar Lungu konnte stattfinden.

Vertreter derer Nachfahren klagen auf Milliardenentschädigung, die Bundesregierung versucht seit 2015 in Verhandlungen eine anderweitige Lösung mit der namibischen Regierung zu erreichen. Müllers Besuch wäre ein wichtiger Baustein gewesen - die Namibia-Reise soll aber nachgeholt werden, wie Müller betont.

Heute macht der Minister noch mal aus der Not eine Tugend, kommentiert unweit der Grenze zu Kongo die Entwicklungen dort nach der Präsidentschaftswahl, bei der der Oppositionskandidat Tshisekedi gewonnen haben soll. Gewalt und Aufruf dazu müssten nach dem Wahlergebnis unbedingt verhindert werden, sagte Müller. Die politischen Kräfte im Kongo sollten sich um einen friedlichen Übergang bemühen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 10. Januar 2019 um 14:45 Uhr.

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