Container von der "MSC Zoe" in der Nordsee | Bildquelle: NLCG-PHCGN/COAST GUARD NETHERLAN

Nach "MSC Zoe"-Havarie Die meisten Container sind geortet

Stand: 07.01.2019 17:19 Uhr

Nach der Havarie des Frachters "MSC Zoe" in der Nordsee ist der größte Teil der über Bord gegangenen Container auf dem Meeresboden geortet worden. 220 der 281 Behälter wurden mit Sonartechnik lokalisiert.

Von Ralf Lachmann, ARD-Studio Kleve

Um die Container aufzuspüren, scannen spezielle Schiffe mit Sonar, also einem Echolot, den Meeresgrund ab. Das zurückgeworfene Klangbild verrät der Mannschaft, wo genau Container in der Nordsee versunken sind. 222 wurden so inzwischen schon geortet. Sie liegen verteilt über ein größeres Gebiet: Es erstreckt sich von der niederländischen Nordseeinsel Terschelling bis zur deutschen Insel Borkum.

Viele Container auf dem Meeresboden

Die tonnenschweren Metallgehäuse haben sich teils schon in den Meeresboden eingegraben. Die See ist noch immer aufgewühlt. Wie man die Container bergen kann, ist noch unklar. Und das für Dienstag angekündigte Sturmtief macht die Situation noch schwieriger, warnt Arjen Mintjes, Direktor der Maritimakademie in Harlingen: "Wir wissen, dass es dort starke Strömungen und Riesenwellen gibt. Das wird heftig. Man kann nur hoffen, dass die Container verschlossen bleiben. Aber die Chance, dass sie durchgerüttelt werden, auftreiben, einige aufbrechen und die Ladung rauskommt, ist groß."

Beschädigte Container und ein Räumfahrzeug am Strand von Vlieland | Bildquelle: AP
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Einige der aufgeplatzten Container wurden angeschwemmt.

Im Sucheinsatz sind insgesamt drei Schiffe der niederländischen Wasserbaubehörde Rijkswaterstaat und der verantwortlichen Reederei Mediterranean Shipping Company, kurz MSC. Rund 40 Container haben sie noch nicht orten können. Das macht auch diesem freiwilligen Helfer große Sorgen: "Wir wissen ja nicht mal, mit was genau die meisten Container beladen sind. Schwimmt das Zeug oben oder sinkt es auf den Meeresgrund ab?"

Container mit Lithiumbatterien weiter vermisst

Insgesamt 281 Container waren über Bord gegangen, als der gut 400 Meter lange Frachter "MSC Zoe" vergangene Woche in schwere See geriet. Drei davon enthielten Gefahrgut. In einem befinden sich beispielsweise 1400 Kilogramm Lithiumbatterien. Auch er ist noch nicht gefunden worden.

18 Container dagegen waren an die Küsten gespült worden. Mintje glaubt, dass die Umweltkatastrophe noch längst nicht im Griff ist: "Gehen Sie mal davon aus, wenn so 40 Container aufbrechen, dann fängt das ganze Drama von vorne an. Dann sieht es an den Küsten genauso aus wie vorige Woche."

Weitere Verschmutzungen befürchtet

Gebrauchsgegenstände wie Schuhe, Stühle und Kuscheltiere sowie Verpackungen aus Plastik und Styropor waren aus aufgeplatzen Containern tonnenweise an die Küsten der niederländischen Wattenmeer-Inseln getrieben worden. Auch auf Borkum wurde massenweise Treibgut aus den Containern eingesammelt. Als Konsequenz aus dem Frachterunglück fordert inzwischen auch die deutsche Bundesregierung, dass Container mit Peilsendern ausgestattet werden sollten.

Großteil der Container in der Nordsee geortet
Ralf Lachmann, ARD Den Haag
07.01.2019 16:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. Januar 2019 um 17:06 Uhr.

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