Moria | Bildquelle: REUTERS

Moria auf Lesbos Flüchtlingslagerchef gibt auf

Stand: 12.09.2019 02:06 Uhr

Die Zustände im griechischen Flüchtlingslager Moria auf Lesbos sind chaotisch: 10.000 statt der vorgesehenen 3000 Menschen leben dort. Nun hat der Chef des Lagers seinen Rücktritt eingereicht - er sei müde.

Das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos ist massiv überfüllt. 10.000 Migranten leben dort auf engstem Raum. Eigentlich sollten es nur 3000 sein. Der Leiter des Lagers, Giannis Balbakakis, ist nun zurückgetreten. "Ich gehe mit erhobenem Kopf... Ich bin müde", sagte er zur Begründung. Er habe "unter schwierigen Umständen getan, was getan werden musste". Balbakakis war seit 2016 Chef des Lagers und konnte seitdem beobachten, wie die Zustände auf der griechischen Insel immer chaotischer wurden.

Hilfsorganisationen kritisieren seit Jahren die Zustände in diesem und anderen Lagern auf den Inseln im Osten der Ägäis. In den für 6338 Menschen ausgelegten Registrierlagern auf den Inseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos harren zurzeit nach Angaben des griechischen Ministeriums für Bürgerschutz 20.594 Migranten aus.

"Dies ist eine politikgemachte Krise", sagte Tommaso Santo, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Griechenland. Die griechischen und europäischen Behörden sperrten Asylsuchende - darunter zahlreiche Minderjährige - seit mehr als drei Jahren unter unerträglichen Bedingungen auf den griechischen Inseln ein, hieß es. Einige Kinder hätten versucht, sich das Leben zu nehmen.

Gerald Knaus, Migrationsforscher und Politikberater, über den Streit um das Flüchtlingsabkommen
tagesschau24 15:00 Uhr, 11.09.2019

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"Gleichgültigkeit überwinden"

Der Migrationsforscher Gerald Knaus, der an der Ausarbeitung des EU-Türkei-Pakts beteiligt war, nannte die Umstände auf Lesbos "beschämend". Es fehle jedes Konzept, sagte er im tagesschau24-Interview. Noch nie habe es so wenige Rückführungen aus Griechenland in die Türkei gegeben wie in diesem Jahr. Er warb für Unterstützung für Griechenland durch anderer EU-Staaten. Viele Verantwortliche in den EU-Staaten hätten sich zurückgelehnt. "Diese Gleichgültigkeit müssen wir überwinden", forderte er.

Trotz des EU-Türkei-Pakts, der eine Begrenzung des Flüchtlingsstroms zum Ziel hat, kommen jüngst wieder mehr Flüchtlinge nach Griechenland. Im August setzten nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR 8103 Menschen aus der Türkei zu den griechischen Ägäis-Inseln über. Im August 2018 waren knapp 3200 gekommen.

Moria | Bildquelle: REUTERS
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Ein Kind sitzt vor einem Zelt im Lager Moria.

Der im März 2016 geschlossene Flüchtlingspakt zwischen der EU und der Türkei sieht vor, dass in Griechenland anlandende Bootsflüchtlinge wieder in die Türkei zurückgeschickt werden.

Für jeden syrischen Flüchtling, der darunter ist, soll die EU einen anderen Bürgerkriegsflüchtling aus der Türkei aufnehmen. Die Überfahrten über die Ägäis sind nach dem Abkommen stark zurückgegangen, jüngst aber wieder gestiegen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. September 2019 um 15:00 Uhr und B5 aktuell am 11.09.2019 um 21:37 Uhr.

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