Das Flüchtlingslager Moria in Flammen | Photo by Manolis LAGOUTARIS / AFP

Umstrittener Prozess Migranten nach Moria-Feuer verurteilt

Stand: 12.06.2021 17:29 Uhr

Knapp 13.000 Flüchtlinge lebten im Flüchtlingslager Moria - bis es 2020 in Flammen aufging. Nun wurden vier junge Migranten wegen Brandstiftung verurteilt. Die Verteidigung spricht von einem unfairen Prozess.

Neun Monate nach dem verheerenden Brand im griechischen Flüchtlingslager Moria hat ein Gericht vier junge Migranten zu jeweils zehn Jahren Haft verurteilt. Nach Angaben der Verteidigung wurden die Afghanen für schuldig befunden, das Lager auf der Insel Lesbos vorsätzlich in Brand gesetzt zu haben.

Medien oder andere Beobachter waren bei dem zweitägigen Prozess nicht zugelassen, das Gericht auf der Insel Chios begründete dies mit Sicherheitsvorschriften wegen der Corona-Pandemie.

Blick auf Flüchtlingslager Moria auf Lesbos nach Brand | Reuters / Alkis Konstantinidis

Blick auf das ausgebrannte Flüchtlingslager Moria auf Lesbos Bild: Reuters / Alkis Konstantinidis

Verteidiger: Kein fairer Prozess

Die Verteidiger der Angeklagten kritisierten, dass diese keinen fairen Prozess erhalten hätten. Drei der Männer seien zum Zeitpunkt des Brandes minderjährig gewesen, das Gericht habe dies trotz entsprechender Dokumente jedoch nicht anerkannt. Die Anklage habe sich vor allem auf die Aussage eines anderen Afghanen gestützt, der insgesamt sechs Männer der Brandstiftung beschuldigt hatte. Weitere Zeugen vor Gericht waren Polizeibeamte und Feuerwehrleute, die im September 2020 zum Einsatzort gerufen worden waren, sowie Flüchtlingshelfer der EU und von Hilfsorganisationen, die im Lager arbeiteten.

Bereits im März waren zwei afghanische Jugendliche zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Sowohl bei dem damaligen Prozess als auch jetzt war der Hauptbelastungszeuge nicht anwesend, Agenturberichten zufolge soll er nicht mehr auffindbar sein.

Im Vorfeld der Prozesse hatten mehrere Hilfsorganisationen bemängelt, dass die Männer von Beginn an vorverurteilt worden seien, so habe etwa der griechische Migrationsminister bei ihrer Festnahme bereits von vollendeten Tatsachen gesprochen.

Lager vollständig zerstört

Bei dem Feuer im Camp Moria wurde das größte Flüchtlingslager in der Ägäis fast völlig zerstört. Die etwa 13.000 Bewohner wurden später in ein anderes Camp gebracht. Die Behörden haben mittlerweile ein provisorisches Lager auf Lesbos errichtet, in dem rund 6000 Menschen untergebracht sind. Die Europäische Union hat 276 Millionen Euro für den Bau eines neuen permanenten Lagers auf Lesbos und für weitere Einrichtungen auf den Inseln Chíos , Samos, Kos und Leros bereitgestellt.

Mit Informationen von Elisabeth Pongratz, ARD-Studio Rom

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Juni 2021 um 18:29 Uhr.