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NGO-Mitarbeiter auf Lesbos "Das Lager muss final evakuiert werden"

Stand: 09.09.2020 11:07 Uhr

Mehr als 12.000 Menschen leben im Flüchtlingslager Moria. Der Corona-Lockdown habe die gereizte Stimmung zum Überkochen gebracht, sagt Niklas Fischer von Mission Lifeline. Er fordert die endgültige Evakuierung des Lagers.

Nach einem Corona-Ausbruch verhängte Quarantäne im Lager habe die Menschen dort noch enger zusammengetrieben und deren sehr gereizte Stimmung zum Überkochen gebracht, sagt Niklas Fischer von der Hilfsorganisation Mission Lifeline auf tagesschau24. Fischer ist derzeit auf Lesbos.

"Keine Frage, ob das Virus kommt"

In den letzten Wochen und Monaten hätten sich Leute aus dem Lager selbst organisiert und etwa Handwaschstationen gebaut, um gewisse Präventivmaßnahmen zu haben. Die Handwaschstationen seien behördlich entfernt worden. "Es war keine Frage, ob das Virus im Lager ankommt, sondern wann", so Fischer. "Die Leute haben gemerkt, dass ihnen nicht geholfen wird. Die letzten Monate nicht, die letzten Jahre nicht wirklich und jetzt mit Corona noch weniger."

Er habe keine Bestätigung dafür, dass Bewohner die Feuer selbst gelegt hätten, so Fischer. Die Feuer der letzten Nacht seien aber etwas anderes als die Feuer, die es im Lager häufiger gegeben habe.

Zum Verbleib der Flüchtlinge sagte Fischer, viele seien in nahe Gebirge und Olivenhaine geflohen, aber auch auf den Straßen unterwegs. Einige seien im Flüchtlingslager Kara Tepe in der Nähe aufgenommen worden.

Helfer angegriffen

Fischer berichtete auch, dass Flüchtlinge und Helfer einer NGO und deren Fahrzeug mit Steinen attackiert worden seien. "Es gibt viele Menschen hier, die helfen, aber auch viele, die das Ganze sehr kritisch sehen."

Das Lager müsse nun final aufgelöst werden, so Fischer. Dies hätte schon lange passieren müssen. "Jetzt ist es soweit."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. September 2020 um 10:00 Uhr.