Demonstranten in der Slowakei mit Bildern des ermordeten Journalisten | Bildquelle: AFP

Mord an Jan Kuciak Ein Fall, der die Slowakei erschütterte

Stand: 19.12.2019 09:11 Uhr

In der Slowakei hat das Verfahren um den Mord an dem Journalisten Kuciak und seiner Verlobten Kusnirova begonnen. Das Verbrechen an dem jungen Paar hat Politik und Gesellschaft nachhaltig erschüttert.

Von Peter Lange, ARD-Studio Prag

Der Mord an Jan Kuciak und seiner Verlobten Martina Kusnirova gehört zu jener Art von Ereignissen, bei denen sich die Zeitgenossen immer genau erinnern, wie sie davon erfahren haben. Es war nach einem schönen Wochenende, weiß Michal Vasecka noch, ein Soziologieprofessor in Bratislava. Gegen 9 Uhr gab es eine Breaking News in mehreren Fernsehsendern.

Das junge Paar ist - wie die Ermittler später rekonstruieren - fünf Tage zuvor in seinem Haus in Velka Maca erschossen worden, am 21. Februar 2018. Eine Hinrichtung nach Art der Mafia. Deshalb ist der erste Gedanke, dass das Verbrechen mit den Recherchen des jungen Journalisten zu tun hat.

Rücktritt des Ministerpräsidenten

Von  nun an gehen Freitag für Freitag im ganzen Land mehr als 100.000 Menschen auf die Straße: Sie verlangen Aufklärung. Sie demonstrieren für eine anständige Slowakei. Sie fordern politische Konsequenzen: Die Regierung soll zurücktreten.  

Der öffentliche Druck bringt die Drei-Parteien-Koalition von Ministerpräsident Robert Fico ins Wanken. Am 12. März tritt Robert Kalinak zurück, der skandalerprobte Innenminister und enge Vertraute des Regierungschefs. Aber das reicht nicht mehr. Drei Tage später erklärt auch Fico seinen Rücktritt, um die Koalition zu retten. 

Es bestehe die begründete Befürchtung, dass Neuwahlen in der derzeitigen emotionsgeladenen Stimmung so gut wie sicher von Chaos und Unruhen begleitet würden, erklärte Fico. "Deshalb habe ich heute zusammen mit den Koalitionspartnern dem Präsidenten zur Lösung der politischen Krise meinen Rücktritt als Ministerpräsident angeboten." 

Prozessbeginn nach Mord an Enthüllungsjournalist und seiner Verlobten
tagesschau 20:00 Uhr, 19.12.2019, Danko Handrick, ARD Prag

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Wahl einer politisch unbelasteten Kandidatin

Sein Nachfolger wird Peter Pellegrini, eine etwas smartere Version von Fico. Der bleibt aber Chef der größten Regierungspartei, der sozialdemokratischen Smer. Die politische Schockwelle ebbt danach ab.

Aber die Spätfolgen zeigen sich bei der Präsidentschaftswahl Ende März dieses Jahres. Im zweiten Wahlgang setzt sich Zuzana Caputova durch, eine politisch unbelastete und bis vor kurzem weitgehend unbekannte Rechtsanwältin.

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 "Optimismus unangebracht"

Weil Kuciak zuletzt über Aktivitäten der italienischen Mafia in der Ostslowakei geschrieben hatte sowie ihre Verbindungen bis in die Nähe von Fico, zielen die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft zuerst in diese Richtung. Das erweist sich aber als Sackgasse.

Den ganzen Sommer über ist von den Ermittlungen nichts mehr zu hören. Dann aber werden am 27. September bei einer großangelegten Polizeiaktion vier Personen festgenommen. Gegen sie wird vier Tage später Haftbefehl erlassen: "Nach meiner Meinung sind die Beweise, die wir haben, sehr stark", sagt Generalstaatsanwalt Jaromir Cisnar. "Aber wir sind  noch in der Phase der Beschuldigung. Deshalb wäre übertriebener Optimismus unangebracht."

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Verdächtiger Geschäftsmann

Tatverdächtig sind ein ehemaliger Polizist und sein Cousin, ein früherer Soldat. Eine Frau soll die beiden bezahlt haben, ein anderer Mann soll sich als Vermittler betätigt haben. Was den Auftraggeber angeht, deutet immer mehr auf den Geschäftsmann Marian Kocner hin, der bereits wegen eines Wirtschaftsdelikts mehrere Monate in U-Haft sitzt. Im Oktober dieses Jahres ist offiziell Anklage gegen ihn und drei Mitbeschuldigte erhoben worden.

Der mutmaßliche "Vermittler" hat sich als Kronzeuge zur Verfügung gestellt. Sein Verfahren wurde abgetrennt. An diesem Donnerstag nun wird über den Mordfall Jan Kuciak/Martina Kusnirova erstmals öffentlich vor einem Gericht verhandelt.

Kuciak-Prozess in der Slowakei beginnt
Peter Lange, ARD Prag
19.12.2019 09:59 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Dezember 2019 um 04:55 Uhr.

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