Präsident Djukanovic | Bildquelle: BORIS PEJOVIC/EPA-EFE/Shuttersto

Montenegro Kopf-an-Kopf-Rennen bei Parlamentswahl

Stand: 31.08.2020 03:53 Uhr

Bei der Parlamentswahl in Montenegro zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab. Die Sozialisten von Präsident Djukanovic liegen ersten Prognosen zufolge nur knapp vor dem pro-russischen Oppositionsbündnis.

Bei der Parlamentswahl in Montenegro muss die regierende Demokratische Partei der Sozialisten des Langzeit-Präsidenten Milo Djukanovic offenbar herbe Verluste hinnehmen. Nach ersten Prognosen des Wahlforschungsinstituts Cemi bleibt die pro-westliche Partei mit knapp 35 Prozent der Stimmen und 29 Mandaten zwar relativ stärkste Kraft. Das Oppositionsbündnis um die pro-russische Demokratische Front ist ihr allerdings mit rund 33 Prozent der Stimmen und 28 Mandaten dicht auf den Fersen. Die Prognose stützt sich auf einen Auszählungsstand von 82 Prozent der Stimmen.

Angesichts der Prognosen erklärte sich die Opposition zum Sieger der Abstimmung. Djukanovic betonte, zunächst das endgültige Wahlergebnis abwarten zu wollen. Dies werde seine Partei jedoch respektieren.

Djukanovic-Partei auf Bündnispartner angewiesen?

Djukanovic herrscht seit fast 30 Jahren in unterschiedlichen Funktionen über die ehemalige jugoslawische Teilrepublik an der Adria. Kritiker werfen ihm Korruption, die Verfolgung von unabhängigen Medien und Wahlmanipulationen vor. In seiner Ära gab es bei keiner Parlaments- oder Präsidentenwahl einen demokratischen Machtwechsel. Bei der letzten Wahl vor vier Jahren war die DPS noch auf 41 Prozent der Stimmen und 36 von 81 Parlamentsmandaten gekommen.

Nach der Prognose von Cemi würde sie diesmal zusammen mit kleineren Koalitionspartnern und Minderheitenvertretern keine absolute Mehrheit mehr haben. Auf eine solche würde hingegen das Bündnis um die DF zusammen mit zwei anderen, pro-westlichen Oppositionsallianzen kommen. Es ist aber fraglich, ob sich die drei Parteienblöcke auf eine gemeinsame Regierung einigen können.

Die Kirche mischt mit

Der Wahlkampf in dem in die EU strebenden Land wurde von einem Streit mit der Serbisch-Orthodoxen Kirche dominiert. Konkret ging es um ein Ende vergangenen Jahres verabschiedetes Gesetz, das zur Verstaatlichung hunderter serbisch-orthodoxer Klöster in Montenegro führen könnte. Große Proteste des serbischen Teils der Bevölkerung waren die Folge. Diese machen rund ein Drittel der 620.000 Bewohner Montenegros aus - und wurden von der pro-serbischen Opposition im Wahlkampf bewusst angesprochen.

Wegen der Coronavirus-Pandemie mussten die Wähler am Sonntag Masken tragen, Sicherheitsabstände einhalten und sich vor dem Ausfüllen der Wahlzettel die Hände desinfizieren. Die Pandemie hat das vom Tourismus abhängige Land auch wirtschaftlich schwer getroffen. Es droht die schlimmste Krise in über einem Jahrzehnt.

Darstellung: