Demonstration in Montenegro | Bildquelle: BORIS PEJOVIC/EPA-EFE/Shuttersto

Montenegro Zehntausende demonstrieren für Unabhängigkeit

Stand: 07.09.2020 00:30 Uhr

Eine Woche nach dem Wahlsieg der pro-serbischen Opposition haben in Podgorica Anhänger des montenegrinischen Präsidenten
den Erhalt der Selbstständigkeit des Balkanstaats gefordert.

Am Sonntagabend haben Zehntausende Menschen in Podgorica und anderen Städten für ein unabhängiges Montenegro demonstriert. "Wir haben die "Tschetnik-Freiheit" satt", rief einer der Redner auf der Kundgebung in Podgorica. Die Tschetniks waren serbische Freischärler, die im Zweiten Weltkrieg und in den jugoslawischen Zerfallskriegen der 1990er-Jahre Gräueltaten an der Zivilbevölkerung verübt hatten.

Bei der Parlamentswahl vor einer Woche hatten drei überwiegend pro-serbische Oppositionsallianzen zusammen 41 der 81 Mandate errungen. Sie wollen eine Expertenregierung bilden, um die Macht des seit fast 30 Jahren über Montenegro herrschenden Präsidenten Milo Djukanovic zu brechen. Sie werfen ihm Korruption, Verbindungen zur Mafia und Anschläge auf Regierungskritiker vor. Djukanovic hatte das kleine Balkanland 2006 in die Unabhängigkeit von Serbien geführt und als Partner des Westens etabliert.

Sorge um Unabhängigkeit

Stärkste Kraft der Oppositionsallianz ist die pro-serbische und pro-russische Demokratische Front (DF) mit 27 Mandaten. Ihre beiden Bündnispartner sind pro-westlich orientiert. Aufgrund dieser Kräfteverhältnisse befürchten Anhänger der Unabhängigkeit Montenegros, dass das Land unter der DF-Dominanz wieder in serbisches und russisches Fahrwasser geraten könnte.

Es war nicht klar, wer die Kundgebungen am Sonntag organisierte. Die meisten Redner präsentierten sich als "Patrioten", die nur eine einzige Partei, nämlich den Staat Montenegro, kennen würden. Die unabhängige Zeitung "Vijesti" machte aber unter den Teilnehmern zahlreiche prominente Politiker der Djukanovic-Partei DPS aus.   

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. September 2020 um 02:49 Uhr.

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