Firmenlogo von Monsanto | Bildquelle: dpa

Urteil in den USA Monsanto soll Schmerzensgeld zahlen

Stand: 11.08.2018 13:29 Uhr

Ein US-Gericht hat den Agrarkonzern Monsanto zur Zahlung von fast 290 Millionen Dollar Schmerzensgeld verurteilt, weil seine glyphosathaltigen Unkrautvernichtungsmittel Krebs verursacht haben sollen.

Von Nicole Markwald, ARD-Studio Los Angeles

Als das Urteil fällt, sitzt Dewayne Johnson ruhig zwischen seinem Anwaltsteam. Während die Richterin die einzelnen Punkte durchgeht, richtet er seinen Blick nach unten, einer seiner Anwälte klopft ihm ermunternd leicht auf die Schulter.

2014 ist der Familienvater schwer an Lymphdrüsenkrebs erkrankt - dafür macht er die Herbizide von Monsanto verantwortlich. Als Hausmeister eines Schulbezirks hatte er regelmäßig mit glyphosathaltigen Unkrautvernichtern des Konzerns wie Roundup Pro oder Ranger Pro zu tun. Er klagte gegen die Bayer-Tochter Monsanto - ein Geschworenengericht gab dem 46-Jährigen nun recht.

"Hat das Design von Roundup Pro oder Ranger Pro dazu beigetragen, dass Mr. Johnson Schaden genommen hat?," liest die Richterin aus der Urteilsbegründung. "Die Antwort: Ja."

Die nächste Frage, die die Jury beantworten musste: Hat Monsanto es versäumt, ausreichend auf Risiken hinzuweisen? Antwort: Ja.

Kläger Dewayne Johnson bei der Urteilsverkündung | Bildquelle: AP
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Kläger Dewayne Johnson bei der Urteilsverkündung

 250 Millionen Euro Schmerzensgeld

Am Ende gewinnt Johnson auf ganzer Linie: Die Jury spricht ihm umgerechnet knapp 250 Millionen Euro Schmerzensgeld zu. Die Mittel hätten "wesentlich" zur Krebserkrankung des Klägers beigetragen, befand das Geschworenengericht. Durch den fehlenden Hinweis von Monsanto, dass die Herbizide Krebs auslösen können, habe sich das Unternehmen der Heimtücke schuldig gemacht. Monsanto kündigte an, das Urteil anzufechten.

Wissenschaftler uneins

In der Stellungnahme des Konzerns heißt es, man habe "Mitgefühl mit Herrn Johnson und seiner Familie". Die heutige Entscheidung ändere jedoch nichts an der Tatsache, dass mehr als 800 wissenschaftliche Studien und Bewertungen - einschließlich derjenigen der US-Umweltbehörde EPA, der Nationalen Gesundheitsinstitute und anderer Behörden weltweit - den Befund unterstützten, dass Glyphosat nicht krebserregend sei. Man werde das Produkt, welches "seit 40 Jahren sicher in Gebrauch" sei, auch in Zukunft nachdrücklich verteidigen.

Ähnlich äußerte sich ein Sprecher des Bayer-Konzerns: Das Urteil des Gerichts stehe im Widerspruch zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen, wonach kein Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Glyphosat und dem Non-Hodgkin-Lymphom besteht.

Stichwort: Glyphosat

Glyphosat ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Phosphonate. Es ist Hauptbestandteil verschiedener am Markt erhältlicher Unkrautvernichtungsmittel. Pflanzenschutzmittel, die Glyphosat enthalten, gehören zu den weltweit am häufigsten verwendeten Herbiziden. Pflanzen nehmen Glyphosat durch ihre Blätter und andere grüne Pflanzenteile auf. Glyphosat blockiert die Produktion bestimmter Aminosäuren, die wichtig für das Wachstum der Pflanzen sind. Während die Internationale Behörde für Krebsforschung (IARC), eine Unterorganisation der WHO, in einer neuen Bewertung zum Schluss kommt, dass Glyphosat für den Menschen wahrscheinlich krebserzeugend ist, haben zuvor andere Studien keine Hinweise darauf gegeben.

 Wegweisendes Urteil?

Das Urteil könnte wegweisend für weitere sein. Johnson war der erste, der gegen Monsanto vor Gericht gezogen ist. Wegen der Schwere seiner Erkrankung zog das Gericht seinen Prozess vor. Mehr als 5000 ähnliche Klagen wurden inzwischen in den USA eingereicht.

Urteil gegen Monsanto: 250 Millionen Schadensersatz für Kläger
tagesthemen 23:15 Uhr, 11.08.2018, Jan Philipp Burgard, ARD Washington

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Experten sind uneinig, ob Glyphosat tatsächlich Krebs verursachen kann. Die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung schrieb vor drei Jahren, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend bei Menschen" sei. Die US-Umweltbehörde EPA und auch die Aufsichtsbehörden in der EU und Deutschland gelangten zu dem Schluss, dass keine Krebsgefahr von dem Herbizid ausgeht.

Studien, die besagen, dass Menschen, die im Alltag Glyphosat stark ausgesetzt sind, ein höheres Risiko haben, an bestimmten Krebsarten wie etwa am Non-Hodgkin-Lymphom zu erkranken, erkennt auch das Bundesinstitut für Risikobewertung an. Das Institut verweist aber darauf, dass andere Studien zu einem gegenteiligen Ergebnis kommen.

Nach Krebserkrankung: Monsanto zu Millionenentschädigung verurteilt
Nicole Markwald, ARD Los Angeles
11.08.2018 07:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 11. August 2018 die tagesschau um 03:03 Uhr und Deutschlandfunk um 06:46 Uhr.

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