Björn Höcke | Bildquelle: WDR monitor

"Trauermarsch" in Chemnitz AfD-Schulterschluss mit Rechtsextremen

Stand: 06.09.2018 13:02 Uhr

Im Parlament gibt sich die AfD bürgerlich, auf der Straße verbrüdert sie sich mit Rechtsextremisten und gewaltbereiten Nazis. Monitor-Recherchen zeigen: Der Schulterschluss in Chemnitz war von Anfang an geplant.

Von Andreas Maus, Andrea Röpke, Lisa Seemann, WDR          

Die Anweisungen waren klar: gedeckte Kleidung, stiller Protest, weiße Rosen und vor allem: keine Extremisten und Gewalttäter. So schrieb es Björn Höcke, AfD-Landesvorsitzender von Thüringen, in seinem Aufruf zum sogenannten Trauermarsch von Chemnitz auf Facebook.

Doch es kam anders. Neben Chemnitzer Bürgern, Anhängern der AfD und der fremdenfeindlichen "Pegida" versammelte sich am vergangenen Samstag der harte Kerne der rechtsextremen Szene Deutschlands: Kameradschaften, Neonazis, Hooligans.

Who's Who der neonazistischen Szene

Maik Arnold zum Beispiel, früher Anführer der verfassungsfeindlichen Kameradschaft "Nationale Sozialisten Chemnitz", die 2014 verboten wurde. Er soll Kontakte zum Umfeld des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) gehabt haben.

Maik Arnold
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Maik Arnold (Mann mit Fahne). Früher Anführer der verfassungsfeindlichen Kameradschaft „Nationale Sozialisten Chemnitz“, die 2014 verboten wurde. Er soll Kontakte zum Umfeld des Nationalsozialistischen Untergrunds gehabt haben.

Oder Yves Rahmel, ehemaliger Betreiber des rechtsextremen Labels PC Records, das 2010 den sogenannten "Döner-Killer-Song" über die rassistisch-motivierte Mordserie des NSU veröffentlichte, als noch niemand an einen neonazistischen Hintergrund dachte.

Yves Rahmel
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Yves Rahmel (graue Jacke, Glatze): Yves Rahmel, langjähriger Betreiber des rechtsextremen Labels PC Records, das 2010 den sogenannten "Döner-Killer"-Song veröffentlichte, in dem die dem NSU zugerechneten Morde verherrlicht werden.

Christian Fischer, früher einer der Köpfe der 2009 verbotenen "Heimattreuen Deutschen Jugend", HDJ. Die völkische Jugendorganisation nahm sich die Hitlerjugend zum Vorbild und drillte Jugendliche militärisch. Die Liste ließe sich lange fortsetzen.

Christian Fischer vor Imbiss | Bildquelle: WDR/monitor
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Christian Fischer (rote Haare): Ehemaliger Angehöriger der 2009 verbotenen "Heimattreuen Deutschen Jugend", HDJ, einer völkisch-militanten Jugendorganisation, die die Hitlerjugend zum Vorbild hatte.

"Das war das Who's Who der neonazistischen Szene, nicht nur aus Sachsen, sondern darüber hinaus", erklärt Michael Nattke vom Kulturbüro Sachsen im Interview mit dem ARD-Magazin Monitor. Es sei ein Schulterschluss gewesen von bürgerlichen Gruppen, über die AfD bis hin zu Rechtsextremen.

Pro Chemnitz schloss sich dem AfD-Zug an

Ein Schulterschluss, der offensichtlich genau so gewollt war: Eine Stunde vor dem angemeldeten Trauermarsch der AfD hatte die rechtspopulistische und asylfeindliche Partei Pro Chemnitz eine weitere Demonstration angemeldet.

Laut Martin Kohlmann, Veranstalter der Demonstration, war ein Zusammenschluss mit dem AfD-Marsch geplant, erklärte er am Rande der Demonstration dem ARD-Magazin Monitor: "Der Plan war und es war so angemeldet, dass wir dann hier langkommen und uns dann quasi vereinigen mit den beiden Demonstrationszügen."

Für die AfD-Insiderin Franziska Schreiber steckt dahinter eine klare Strategie des völkisch-nationalen Flügels der AfD um Björn Höcke. Schreiber war bis voriges Jahr Mitglied im Vorstand der Jungen Alternative Sachsen, einer Jugendorganisation der AfD.

Sie ist ausgestiegen, weil die AfD aus ihrer Sicht immer weiter nach rechts rückte: "Ich habe das schon seit zwei Jahren beobachtet, dass Höcke mit Neonazis gezielt zusammenarbeiten möchte, dass er eine Symbiose vom identitären, bürgerschaftlichen Flügel mit den Neonazis in Bomberjacke und Springerstiefel schaffen möchte."

Monitor-Recherche zu rechten Demonstranten
Morgenmagazin, 06.09.2018, Andreas Maus, WDR

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Höcke-Flügel wird radikaler

Björn Höcke äußerte sich jüngst so, dass es das Ziel seiner Partei sei, "die 'rohen' Formen der Bürgerproteste geistig zu veredeln". Mit dem Schulterschluss zwischen AfD und Rechtsextremisten in Chemnitz habe sich nun für Höcke ein Traum erfüllt, ist Jürgen Kasek überzeugt.

Der Rechtsanwalt und Grünen-Politiker hatte zu Gegendemonstrationen in Chemnitz aufgerufen. "Es gab mal Abgrenzungsbeschlüsse der AfD zu Pegida. Es gab Abgrenzungsbeschlüsse zur Identitären Bewegung, es gab Abgrenzungsbeschlüsse dahin, dass man keine Neonazis, also Personen, die früher bei der NPD etwa waren, mit aufnimmt", sagt er. Das sei nun alles Makulatur.

Auf Anfrage zu der gemeinsamen Demonstration von AfD und Rechtsextremen in Chemnitz hieß es aus der Parteizentrale gegenüber Monitor nur: "Kein Kommentar."

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 06. September 2018 um 05:39 Uhr. Weitere Informationen dazu gibt es im Ersten um 21:45 Uhr in der Sendung "Monitor".

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