Der Mond | Bildquelle: dpa

NASA Neue Hinweise auf Wasser auf dem Mond

Stand: 27.10.2020 10:56 Uhr

Auf dem Mond scheint es größere Wasservorkommen zu geben als bislang angenommen. Diese könnten Raumforschern zufolge künftige Missionen zum Erdtrabanten und zum Mars vereinfachen.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Große Seen sind es wohl nicht, die Astronauten auf dem Mond finden könnten. Aber immerhin, es gibt auf dem Erdtrabanten mehr Wasser als man bisher gedacht hat. So zumindest das Ergebnis von Untersuchungen der Mondoberfläche mit einem Infrarot-Teleskop, das mit einem umgebauten Jumbo in zwölf Kilometern Höhe um die Erde fliegt - dort, wo kaum noch Feuchtigkeit den Blick ins All stört. "Entdeckt wurde der typische Fingerabdruck von Wassermolekülen", sagt Paul Hertz, Direktor für Astrophysik bei der NASA. Das Teleskop mit dem Namen SOFIA ist ein Gemeinschaftsprojekt der NASA mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Wasser am Südpol des Mondes, dort wo es kalt und dunkel ist, darüber wusste man lange Bescheid. Aber für die warme, sonnenbeschienene Seite galt bisher: knochentrocken. "Ohne eine dichte Atmosphäre sollte Wasser an den heißen Oberflächen des Mondes einfach im All verschwinden", erklärt Casey Honniball vom Hawaii Institut für Geophysik.

Herkunft noch ungeklärt

Wie kommt es also dahin? Wie kann es sich halten? Deshalb suchen die Forscher nach sogenannten Kältefallen - zum Beispiel nach sehr tiefen Kratern mit ewigem Schatten. "Wir glauben, dass das Wasser in kleinen Glasperlen im Boden gefangen ist, die von Meteoritenschlägen stammen", so Honniball.

Aber ob das Wasser sich selbst auf dem Mond bilden konnte oder aber von den einschlagenden Gesteinsbrocken mitgebracht wurde, das bleibt unklar. Es ist auch nicht wirklich viel: Etwa ein Drittelliter auf einen Kubikmeter Boden. Die Sahara hat 100 Mal so viel Feuchtigkeit. Und: "Was wir noch nicht wissen ist, ob man das jetzt entdeckte Wasser wirklich nutzen kann", sagt Jacob Bleacher, Chefwissenschaftler der NASA für bemannte Raumflüge.

Idee: Nutzung der Vorkommen für Raketenantrieb

Hier kommen die praktischen Fragen ins Spiel. Die NASA will wieder Menschen auf den Mond bringen - plant eine eigene Mondstation, von der aus eines Tages zum Mars gestartet werden könnte. "Wasser ist sehr schwer. Es kostet viel, es von der Erde aus ins All zu bringen", erläutert Bleacher. Das Ziel ist, das Wasser auf dem Mond nicht nur als Trinkwasser zu gewinnen, sondern daraus Wasserstoff für den Antrieb von Raketen herzustellen. Das schaffe Platz für andere wichtige Dinge, die man mitnehmen will.

Expeditionen zu den wasserreicheren Gegenden des Mondes gehören jedenfalls zum Programm der zukünftigen Mondmissionen. Das Wasser nutzen zu können wäre auch eine wichtige Voraussetzung dafür, eines Tages den Mond kommerziell zu nutzen, Industrie dort anzusiedeln.

NASA glaubt an viel mehr Wasser auf dem Mond
Arthur Landwehr, ARD Washington
27.10.2020 09:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Oktober 2020 um 16:35 Uhr.

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