Eine Simulation der Landung der "Chang'e 4"-Sonde ist auf einem Monitor des Beijing Aerospace Control Center zu sehen.  | dpa

Nach Mondlandung China greift nach den Sternen

Stand: 03.01.2019 13:37 Uhr

China feiert seine Premiere in der Raumfahrt. Mit der erstmaligen Landung einer Sonde auf der erdabgewandten Seite geht es China aber nicht nur darum, den Mond zu erkunden. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt hat hochfliegende Pläne.

Von Benjamin Eyssel, ARD-Studio Peking

Im Staatsfernsehen werden Animationen und Bilder von der Landung gezeigt. Um 03.26 Uhr mitteleuropäischer Zeit setzte die Sonde "Chang’e 4" auf der zur Erde dauerhaft abgewandten Seite des Mondes auf, heißt es dort. Es ist ein riesiger Erfolg für Chinas Raumfahrtprogramm. Dort zu landen, hat vor China noch kein anderes Land geschafft.

Sun Zezhou von der chinesischen Raumfahrtakademie CAST zeigt sich im Staatsfernsehen daher auch sehr zufrieden mit der Operation. "Alles lief nach Plan, die Landung war sehr präzise und stabil. Wir sind genau dort gelandet, wo wir landen wollten. Mit anderen Worten: Wir haben unser Ziel erreicht."

Die Landung war so schwierig, weil man zur anderen Seite des Mondes keine direkte Funkverbindung aufbauen kann. China hat deswegen im Mai extra einen Kommunikationssatelliten in die Umlaufbahn des Mondes geschossen. Auch ist das Gelände auf der Rückseite weniger flach, eine sanfte Landung ist daher komplizierter.

Die Mondgöttin ist Namensgeberin

Die rund 140 Kilogramm schwere Sonde war vor knapp einem Monat mit einer Rakete von der Erde gestartet. Danach gab es nur noch spärliche Informationen. Im Gegensatz zur US-Raumfahrtbehörde NASA, die ihre Missionen häufig live überträgt, gibt es von der chinesischen Raumfahrtbehörde nur wenige Details. Am Morgen verkündeten Staatsmedien die erfolgreiche Landung im Netz - löschten die Meldung anschließend aber wieder kommentarlos. Um dann kurz darauf noch einmal zu verkünden: Die Landung ist geglückt.

Die Sonde ist nach der chinesischen Mondgöttin Chang’e benannt. An Bord befindet sich ein kleines Roboterfahrzeug. Zur Mission gehören astronomische Beobachtungen. Außerdem sollen Struktur und mineralische Zusammensetzung des Geländes untersucht werden. An Bord ist auch ein Strahlenmessgerät, das von Wissenschaftlern der Uni Kiel entwickelt wurde. Zudem hat "Chang’e 4" Saatgut geladen, mit dem geprüft werden soll, ob man auf der Mondoberfläche Gemüse anbauen kann. 

China will für mehr stehen als nur Handys und Autos

Doch China geht es nicht nur darum, den Mond zu erkunden. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt will damit auch sagen: Wir können nicht nur Handys, Autos, Flugzeuge und Hochgeschwindigkeitszüge entwickeln und bauen - wir können auch im Weltall mithalten, ja sogar etwas schaffen, was bislang keiner geschafft hat.

"Wenn unsere Erkundungen des Mondes erfolgreich sind und wir noch mehr erreichen können", sagt Wu Weiren von der chinesischen Weltraumbehörde im Staatsfernsehen, "dann wird dieser Erfolg auch der Menschheit nutzen. Es ist auch ein großer Schritt nach vorn für unsere Weltraumerkundungen. Wir werden nicht aufhören, den Mond zu erforschen. Im Gegenteil, wir werden weitermachen, mit noch mehr Hingabe und längerfristigen Plänen."

Bis 2030 soll der erste Chinese zum Mond

China verfolgt ein ehrgeiziges Raumfahrtprogramm, mit dem das Land zu Russland und den USA aufschließen will. Beide Länder haben schon mehrere Sonden erfolgreich auf dem Mond abgesetzt - aber noch nie auf der erdabgewandten Seite. Außerdem waren schon zwölf US-Astronauten auf dem Mond.

Im Dezember 2013 ist zum ersten Mal eine chinesische Sonde auf dem Mond gelandet, allerdings auf der erdzugewandten Seite. Nach den Plänen soll bis 2030 erstmals ein Chinese auf dem Mond landen. Außerdem plant die Staats- und Parteiführung in Peking eine bemannte chinesische Raumstation und Flüge zum Mars. Darüber hinaus soll eine eigene Trägerrakete entwickelt werden, um der NASA und dem privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX Konkurrenz zu machen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Januar 2019 um 12:00 Uhr.