Maia Sandu nach ihrem Wahlsieg | Bildquelle: STRINGER/EPA-EFE/Shutterstock

Republik Moldau Neue Präsidentin, alte Probleme

Stand: 16.11.2020 12:55 Uhr

Klarer als prognostiziert hat die pro-europäische Kandidatin Maia Sandu die Wahl in Moldau gewonnen. Die Hoffnungen ihrer Wähler sind groß - doch der Spielraum der neuen Präsidentin ist begrenzt.

Von Christine Auerbach, ARD-Studio Moskau

Mit einem großen Strauß gelber Blumen und weißem Mund-Nasen-Schutz trat Maia Sandu noch in der Nacht vor ihre Anhänger und Vertreter der Presse. Ein Großteil der Stimmen war da schon ausgezählt und es wurde immer klarer, dass sie die neue Präsidentin des Landes sein würde.

"Danke an alle, die gewählt haben und an die Macht ihrer Stimme glaubten. Wir müssen jetzt zusammenstehen, das ist das Wichtigste. Wir müssen unsere Gesellschaft um die Ziele vereinen, die wir uns alle wünschen: Wir alle wollen ein gutes Leben hier führen können, einen Staat, der uns beschützt und für die Menschen da ist. Wir brauchen eine entwickelte Wirtschaft, die hier Möglichkeiten erschafft, damit die jungen Leute nicht mehr dieses Land verlassen müssen."

In diesem Statement Sandus sind ein Großteil der Herausforderungen benannt, vor denen die Republik Moldau steht. Schon seit seiner Unabhängigkeit nach dem Zerfall der Sowjetunion kämpft das Land mit andauernden Krisen. Es ist eines der ärmsten Länder Europas, viele Moldauer leben aus mangelnder wirtschaftlicher Perspektive im Ausland. Korruption bestimmt die Politik des Landes. Außerdem befindet sich Moldau im andauernden Spannungsfeld zwischen der EU und Russland.

Bevölkerung gespalten

Auch wenn Sandu nun verspricht, das Land an die EU anzunähern - die Verbindungen nach Russland kann und wird sie nicht kappen. Denn auch Moldaus Bevölkerung ist gespalten. Viele sprechen Russisch, ein Teil des Landes hat sich mit Russlands Hilfe als Transnistrien abgespalten. Russland ist außerdem ein wichtiger Abnehmer für Obst und Wein aus Moldau.

Sandus Gegner, der bisherige Präsident Igor Dodon, hatte sie und ihr Team als "Marionetten des Auslands" bezeichnet. Nach der Niederlage gratulierte er der neuen Präsidentin aber und rief seine Unterstützer auf, ruhig zu bleiben. Auch der russische Präsident Wladimir Putin gratulierte Sandu inzwischen zum Sieg. Sein Pressesprecher Dmitri Peskow sagte:

"Wir respektieren die Wahl des moldauischen Volkes. Die Beziehungen zum neuen Präsidenten der Republik Moldau müssen aber erst aufgebaut werden. Die Beziehung muss auf einer für beide Seiten vorteilhaften Grundlage beruhen. Wir wissen, dass Frau Sandu davon sprach, dass sie im Interesse des moldauischen Volkes arbeiten wird. Wir sind zuversichtlich, dass es im Interesse des moldauischen Volkes liegt, eine enge Zusammenarbeit mit Russland aufzubauen."

Begrenzter Spielraum

Viel Spielraum, ihre Pläne umzusetzen, hat die neue Präsidentin erst einmal nicht. Das Amt ist in Moldau nur mit wenig Macht ausgestattet, für wirkliche Änderungen braucht Sandu das Parlament. Dort haben im Moment noch die Unterstützer ihres Gegners die Macht.

Trotzdem hoffen Sandus Anhänger, dass mit ihr ein Typ Politiker an die Spitze des Landes kommt - jung, weiblich und mit ökonomischen Background -, der das Land langfristig modernisieren und verbessern wird.

Republik Moldau: Neue Präsidentin, alte Probleme
Christine Auerbach, BR
16.11.2020 12:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. November 2020 um 08:00 Uhr.

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Christine Auerbach, BR

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