Noch immer versuchen Menschen täglich über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Hier werden Schiffbrüchige vor der libyschen Küste geborgen. | Bildquelle: dpa

Flucht über das Mittelmeer Mehr als 1500 Menschen ertrunken

Stand: 04.08.2018 03:14 Uhr

Bei der Mittelmeer-Überquerung sind in diesem Jahr bereits mehr als 1500 Menschen ertrunken - davon 850 im Juni und Juli. Dabei traten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur noch halb so viele Menschen die Flucht über das Meer an.

Mehr als 1500 Flüchtlinge sind nach UN-Angaben in den ersten sieben Monaten des Jahres im Mittelmeer ertrunken. Allein im Juni und Juli seien 850 Menschen gestorben, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mit. Demnach stieg die Zahl der Todesfälle, obwohl die Gesamtzahl der über das Mittelmeer nach Europa gekommenen Menschen zuletzt deutlich sank. Die Todesrate sei "dramatisch und außergewöhnlich", hatte UNHCR-Sprecherin Carlotta Sami bereits im Juli erklärt.

Laut UNHCR gelangten seit Januar ungefähr 60.000 Flüchtlinge nach Europa. In den ersten sieben Monaten des Vorjahres waren es etwa doppelt so viele.

Italien sperrt Häfen für private Rettungsschiffe

Spanien löste demnach inzwischen Italien als wichtigstes Ankunftsland ab. Dort kamen von Januar bis Juli 23.500 Menschen an - so viele wie im gesamten Jahr 2017. Italien verzeichnete 18.500 Ankünfte, in Griechenland waren es 16.000.

Italiens neue rechtspopulistische Regierung sperrte im Juni die Häfen ihres Landes für die Schiffe privater Hilfsorganisationen, die Flüchtlinge aus Seenot retten. Sie will nach eigenen Angaben erreichen, dass in Italien keine neuen Flüchtlinge mehr ankommen.

Seenotrettungs-Prinzip in Gefahr

Das UNHCR rief die Staaten entlang der Hauptrouten dazu auf, die Netzwerke der Schlepperbanden zu zerschlagen. Menschenschmuggler nutzten immer seeuntüchtigere Boote. Zugleich forderte die Sprecherin die Anrainerstaaten dazu auf, den Kapitänen von Rettungsschiffen die Möglichkeit zur Anlandung von geretteten Migranten zu garantieren. Das seit langem geltende universelle Prinzip, Menschen aus Seenot zu retten, müsse verteidigt werden. Viele Leben seien in Gefahr.

Rettungsschiff "Aquarius" | Bildquelle: AFP
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Rettungsschiff "Aquarius": Das Schiff der Hilfsorganisationen SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen ist neben der "Open Arms" das einzige, das noch vor Libyen unterwegs ist.

Erneut kann ein Rettungsschiff nicht anlegen

Derzeit sucht ein Rettungsschiff mit 87 Flüchtlingen an Bord erneut einen Hafen. Italien hatte dem Schiff das Anlegen verweigert. Das Schiff von Proactiva Open Arms hatte die Flüchtlinge am 2. August vor der libyschen Küste gerettet, wie die spanische Organisation auf Twitter mitteilte.

Flüchtlingszahlen und UNHCR-Forderungen
Kathrin Schirwagen, NDR
04.08.2018 17:42 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. August 2018 um 04:55 Uhr.

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