Eine Nonne auf dem Weg zum Beichtstuhl | Bildquelle: AP

Papst zu Missbrauch von Nonnen Frauen als "Sklaven" von Klerikern

Stand: 06.02.2019 09:10 Uhr

Papst Franziskus hat erstmals sexuelle Gewalt gegen Nonnen eingeräumt. Auch sein Vorgänger Benedikt wusste davon. Dies sei jedoch keine Sache der Vergangenheit. Er glaube, "dass es noch immer gemacht wird".

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Wieder einmal eine Pressekonferenz im Flugzeug nach einer Auslandsreise, wieder einmal eine Aussage von Franziskus, die ein Beben auslöst. Ja, räumte der Papst auf die Frage einer Journalistin ein, in der katholischen Kirche wurden und werden Nonnen sexuell missbraucht. Es habe Priester und auch Bischöfe gegeben, "die das gemacht haben".

Und das noch bemerkenswertere Eingeständnis des Oberhaupts der katholischen Kirche folgte wenige Augenblicke später: "Ich glaube, dass es noch immer gemacht wird. Das ist keine Sache, die einfach so aufhört, die Sache geht so weiter." In der Vergangenheit habe es laut Franziskus sogar Fälle von "sexueller Sklaverei" durch Kleriker gegeben.

Franziskus besteigt in Abu Dhabi sein Flugzeug nach Rom. | Bildquelle: VATICAN MEDIA HANDOUT/EPA-EFE/RE
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Franziskus besteigt in Abu Dhabi sein Flugzeug nach Rom - während des Fluges räumte er sexuellen Missbrauch von Nonnen durch Geistliche ein.

Ein Geständnis in einer brisanten Zeit

Dieses spektakuläre Bekenntnis des Papstes hoch über den Wolken, auf dem Rückflug von seiner Reise nach Abu Dhabi, kommt zu einem für die katholische Kirche brisanten Zeitpunkt. Ende des Monats findet im Vatikan die von Franziskus angestoßene Missbrauchskonferenz statt. Dann will der Papst mit den Spitzen aller Bischofskonferenzen weltweit beraten, wie die katholische Kirche Missbrauch in ihren Reihen künftig verhindern kann.

Ursprünglich war das Treffen als Reaktion vor allem auf Fälle geplant, in denen unter anderem Priester Kinder und Jugendliche missbraucht hatten.

Durch das jetzt erstmals öffentliche Eingeständnis des Papstes, in der katholischen Kirche sei auch der Missbrauch von Nonnen ein erhebliches Problem, wird der Druck für den Vatikan noch größer, durchgreifende Lösungen zu finden.

Franziskus machte in der fliegenden Pressekonferenz deutlich, dass er bei diesem Thema Gesicht zeigen will: "Beten Sie dafür, dass wir hier weitermachen können. Ich will weitermachen."

"Mach das ins Archiv, die andere Seite hat gewonnen"

Franziskus ließ durchblicken, dass es innerhalb der katholischen Kirche bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen immer noch Widerstände gibt. Er lobte seinen Vorgänger Benedikt für sein Bemühen, Verantwortliche zu Rechenschaft zu ziehen.

Papst Franziskus und sein Vorgänger Papst Benedikt. | Bildquelle: REUTERS
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Franziskus Vorgänger Benedikt, wusste von den Vorgängen, scheiterte aber an der Aufklärung.

Franziskus schilderte aber auch den Fall einer nicht namentlich benannten Glaubensgemeinschaft, gegen die es erhebliche Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs von Nonnen gegeben habe. Bei einem Treffen konnte Benedikt die Auflösung dieser Organisation aber nicht durchsetzen, so Franziskus:

"Josef Ratzinger ist da mit seiner Akte hingegangen, mit allen Unterlagen. Und als er zurückgekommen ist, hat er zu seinem Sekretär gesagt: 'Mach das ins Archiv, die andere Seite hat gewonnen.'"

Signal des Papstes an die eigenen Reihen

Gleichzeitig betonte Franziskus die Verdienste Benedikts in der Aufarbeitung des Missbrauchsproblems und bat die anwesenden Journalisten, diese Anekdote nicht als Nachweis von Schwäche seines Vorgängers auszulegen. "Wir dürfen uns nicht darüber empören. Das sind Schritte eines Prozesses", so Franziskus. "Als ich Papst geworden bin, war eine meiner der ersten Maßnahmen, dass ich gesagt habe: Bringt mir diese Akte aus dem Archiv - und ich habe damit angefangen."

Das jetzige Eingeständnis, dass Nonnen von Priestern und Bischöfen missbraucht wurden, ist mehr als eine Art öffentliche Selbstanzeige im Namen der katholischen Kirche. In Sichtweite zur Missbrauchskonferenz ist es auch ein Signal des Papstes in die eigenen Reihen: Das Signal, dass es Franziskus mit diesem Thema ernst ist - ein Thema, bei dem er offensichtlich spürt, dass es für den Erfolg oder Misserfolg seines Pontifikats entscheidend sein wird.  

 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Februar 2019 um 03:19 Uhr.

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