Im Gegenlicht und vor wolkenverhangenem Himmel ist eine Kirchturmspitze mit Kreuz zu sehen | Bildquelle: dpa

Missbrauch in der Kirche Nur ein schwacher Trost

Stand: 15.08.2018 10:51 Uhr

In den USA haben mehr als 300 katholische Priester mindestens 1000 Kinder missbraucht. Kirchliche Würdenträger versuchten dies zu vertuschen. Die Untersuchungen helfen den Opfern nur wenig.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Es ist die umfassendste Aufarbeitung von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche, die es in den USA bisher gegeben hat: Die Grand Jury hat die Diözesen im Bundesstaat Pennsylvania untersucht. Sie fand über 300 katholische Priester, die seit den 1940er-Jahren mehr als 1000 Kinder missbrauchten. Generalstaatsanwalt Josh Shapiro sagte dem Fernsehsender PBS: "Katholische Priester nutzten ihren Glauben als Waffe, als Mittel für Missbrauch - während Bischöfe, Monsignores, Kardinäle das vertuschten."

Kindesmissbrauchsvorwürfe gegen katholische Priester in Pennsylvania
tagesthemen 22:15 Uhr, 15.08.2018, Verena Bünten, ARD Washington

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Die Grand Jury stellte fest, dass Bischöfe und kirchliche Würdenträger über Jahrzehnte versuchten, die Probleme zu vertuschen. Sie wollten schlechte Schlagzeilen und Schadensersatzansprüche vermeiden. Darum wurden beschuldigte Priester unter anderem in so genannte Behandlungszentren gebracht und anschließend wieder einer Gemeinde zugeteilt.

Die Ermittler kamen vielen Fällen auf die Spur, weil sie auf Dokumente der Kirche zurückgreifen konnten. So gab es Dokumente, die nicht nur den Missbrauch genau beschrieben, sondern auch die Vertuschung, sagt Shapiro: "Die Arbeit der Bischöfe, diese Priester von Ort zu Ort weiterzureichen, von einer Kirche, in der sie jemanden missbrauchten, in eine andere - das alles ist in diesen Geheimarchiven dokumentiert."

Generalstaatsanwalt Josh Shapiro | Bildquelle: AP
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Generalstaatsanwalt Josh Shapiro sagte, dass katholische Priester ihren Glauben als Waffe nutzen würden.

Viele Fälle bereits verjährt

Viele Fälle liegen schon lange zurück. Von den mehr als 300 beschuldigen Priestern sind mehr als 100 schon gestorben, andere Fälle sind verjährt. Die Kritik richtet sich darum besonders gegen den heutigen Erzbischof von Washington, Kardinal Donald Wuerl. Er war vorher Bischof in einer der untersuchten Diözesen, in Pittsburgh. Wuerl sagte dem Fernsehsender CBS, sie seien sehr betrübt, dass das passiert sei. Darum hätten sie die Schritte unternommen, damit das nicht weitergehe.

Der Jesuit Thomas Reese verwies darauf, dass die Grand Jury nur zwei Priester gefunden habe, die in den vergangenen zehn Jahren Kinder missbraucht hätten. Das seien zwei zu viel, aber nicht mehr die Zahlen, die es vor Jahrzehnten gegeben habe.

Die Regeln der Kirche hätten sich geändert, sagte Reese: "Jeder, Laien und Priester, der in der Kirche mit Kindern zu tun hat, muss von der Polizei geprüft werden. Zweitens muss jeder Missbrauchsvorwurf der Polizei gemeldet werden und drittens muss jeder Priester, gegen den es glaubhafte Missbrauchsvorwürfe gibt, aus dem Gemeindedienst entfernt werden, und es muss eine volle Untersuchung geben."

Erleichterung bei den Opfern

Für die Opfer ist das nur ein schwacher Trost. Sie fordern, dass die Verjährung für Missbrauch aufgehoben wird, um auch ältere Fälle strafrechtlich verfolgen zu können. Manche, so wie Shaun Daughtery, zeigten sich erleichtert, dass ihre Peiniger jetzt klar benannt wurden. Er sei jetzt frei, absolut frei, so Daughtery.

Pennsylvania: Untersuchungsbericht enthüllt Kindesmissbrauch durch über 300 Priester
Jan Bösche, ARD Washington
15.08.2018 06:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. August 2018 um 04:57 Uhr.

Korrespondent

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