Ein Mantarochen schwimmt unter Plastikmüll hindurch | dpa

Studie zu Meeresverschmutzung Millionen Tonnen Mikroplastik im Atlantik

Stand: 19.08.2020 10:18 Uhr

Dass Mikroplastik unsere Weltmeere verschmutzt, ist bekannt. Nun haben Forscher erstmals gemessen, wieviel davon allein im Atlantik schwimmt - die Zahlen sind erschreckend hoch.

Im Atlantik befinden sich einer neuen Studie zufolge Millionen Tonnen Mikroplastik. Allein in den oberen Wasserschichten der ersten 200 Meter seien es schätzungsweise zwölf bis 21 Millionen Tonnen des Abfalls. Zu dem Schluss kommen Messungen von Forschern des "National Oceanography Centre" (NOC) in Großbritannien, die in der Fachzeitschrift "Nature Communications" veröffentlicht wurde.

Bisher habe es wegen fehlender Messungen keine Möglichkeit gegeben, die geschätzte Menge von Kunststoff mit der tatsächlich im Wasser gefundenen abzugleichen, sagte Studienleiterin Katsiaryna Pabortsava. "Unsere Forschung ist die erste, die dies über den gesamten Atlantik von Großbritannien bis zu den Falklandinseln durchgeführt hat."

Proben an zwölf Orten genommen

Die NOC-Foscher berechneten dabei die Häufigkeit von drei verschiedenen Plastiksorten, die zusammen mehr als die Hälfte des weltweiten Kunststoffabfalls ausmachten (Polyethylen, Polypropylen und Polystyrol). Dafür nahmen sie an insgesamt zwölf Orten Proben aus drei unterschiedlichen Tiefen innerhalb der ersten 200 Meter unterhalb der Wasseroberfläche. Sie fanden bis zu 7000 Mikroplastik-Partikel pro Kubikmeter Meerwasser. Diese hatten eine Größe von mindestens 0,0032 Zentimeter.

Die Wissenschaftler wollen mit ihren Erkenntnissen die Grundlage für eine bessere Bewertung der ökologischen Schäden durch Mikroplastik legen. Bislang fehlten solide Schätzungen zur Menge der Kunststoffe vor allem in abgelegenen Orten wie zum Beispiel mitten auf dem Ozean.

In Lebensmittel und Trinkwasser enthalten

Welche Folgen Mikroplastik auf Lebewesen und ihre Gesundheit hat, beschäftigt die Forschung. Einige Wissenschaftler vermuten, dass die darin enthaltenen Weichmacher unser Hormonsystem beeinflussen könnten. Fest steht, dass die winzigen Partikel in vielen Lebensmitteln, im Trinkwasser und sogar im Schnee der Antarktis stecken. Im Meer werden sie etwa von Fischen aufgenommen - und landen so auch auf unseren Tellern.

Alleine in den USA verursache jeder der rund 330 Millionen Einwohner jeden Tag rund 340 Gramm Plastikmüll, wie eine jüngere Studie schätzt. Dieser landet teilweise in der Natur und zerfällt dort langsam in immer kleinere Bestandteile. Die Mikroplastik-Partikel gelangen dann in Flüsse und Seen, ins Meer, in die Böden und auch in die Atmosphäre. Ein Teil der Partikel sei über die Atmosphäre etwa bei Regen eingetragen worden - sie seien so klein, dass sie selbst über Kontinente hinweg transportiert würden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Juli 2020 um 16:36 Uhr.