Aus einem Wasserhahn läuft Trinkwasser in ein Wasserglas. | Bildquelle: dpa

Mikroplastik WHO will Wassertrinker beruhigen

Stand: 22.08.2019 11:31 Uhr

Im Trinkwasser gefundenes Mikroplastik sei momentan keine große Gesundheitsgefahr - sagt die WHO. Allerdings seien abschließende Aussagen noch nicht möglich.

Von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

Kleinste Kunststoffteilchen lassen sich überall in der Umwelt nachweisen. Das zeigt der nun vorgestellte Report der Weltgesundheitsorganisation WHO. Das Plastik ist also auch in Flüssen, in Seen und im vermeintlich so sauberen Trinkwasser. Verbraucher sind dadurch in Sorge. Doch das müssten sie nicht sein, sagt Bruce Gordon von der WHO. "Nach unserer Analyse gehen wir nicht davon aus, dass ein erhebliches Gesundheitsrisiko durch Mikroplastik im Trinkwasser besteht", sagte er.

Plastik ist nach WHO-Einschätzung keineswegs das schlimmste Risiko, das mit Wasser in Verbindung gebracht werde. "Ich denke, dass die Verbraucher, die Wasser trinken, beruhigt sein sollten, egal ob sie nun Wasser aus der Flasche oder Leitungswasser trinken", sagte Gordon.

Größeres Plastik bleibt nicht im Körper

Zugleich schränkt der Experte seine Entwarnung aber in Teilen ein: Seine Aussage basiere auf den momentan verfügbaren Informationen und beziehe sich auf die derzeitige Konzentration von Mikroplastik im Trinkwasser.

Die nun vorgestellte Analyse ist der erste Bericht der WHO über Mikrokunststoffe im Wasser. Sie fasst die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu diesem Thema zusammen. Demnach werden nach Angaben von WHO-Experte Gordon die Plastikteilchen vom Körper nicht aufgenommen. "Die überwiegende Mehrheit der Partikel wandert durch den Körper ohne aufgenommen zu werden", sagt er. Alles, was größer ist als 150 Mikrometer sei, werde ausgeschieden.

Folgen von Nanopartikeln unbekannt

Nach Aussage von Gordon werden auch die sehr kleinen Partikel "in der Regel" ausgeschieden. Aber: "Was mit den kleinsten Nanopartikeln geschieht, dafür gibt es nicht genügend Beweise, um eine Aussage zu treffen." Aber die machten nur einen kleinen Anteil aus. Gerade bei den kleinsten Kunststoffteilchen fehlten wissenschaftliche Erkenntnisse, es gebe nicht genügend Daten.

"Aber selbst bei Nanopartikeln gibt es biologische Mechanismen, um sie im Wesentlichen aus dem Körper zu entfernen", sagte Gordon. Denn es gebe ja nicht nur Mikrokunststoffe, die die Menschen aufnähmen, sondern auch viele Sand- und sonstige Körnchen, die sie trinken oder sogar einatmen. "Diese Plastikpartikel sind also nur ein Teil von ihnen und wir können sie irgendwie durch den menschlichen Körper loswerden", sagt Gordon.

Nicht genügend Studien

Generell gebe es jedoch nicht genügend Forschungsergebnisse über die Vorkommen von Mikroplastik im Trinkwasser und die möglichen gesundheitlichen Auswirkungen: "Nun, es ist schwierig, denn erstens gibt es nur wenige Studien und zweitens sind viele von ihnen schwach, offen gesagt". Die WHO habe eine Bewertung der Studien vorgenommen. Sie verwende nicht unbedingt Methoden, die reproduzierbar und vergleichbar seien, sagte Gordon. Es brauche mehr Forschung auf diesem Gebiet.

Zudem raten die Experten der Weltgesundheitsorganisation zu einer fachgerechten Reinigung von Abwässern in Kläranlagen. Neunzig Prozent des Mikroplastiks könne so herausgefiltert werden. Grundsätzlich empfiehlt die WHO, die Verschmutzung der Umwelt mit Kunststoffen zu verringern, um so der Umwelt zu helfen und eine mögliche Belastung der Menschen zu minimieren.

Mikroplastik im Trinkwasser? WHO sieht kaum Gefahr
Dietrich Karl Mäurer
22.08.2019 09:42 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 22. August 2019 MDR aktuell um 10:05 Uhr und tagesschau24 um 11:15 Uhr.

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