Bergungsarbeiter nach dem Teileinsturz eines Hochhauses in Miami | EPA

Nach Teileinsturz von Wohnturm Zahl der Toten nahe Miami steigt auf neun

Stand: 27.06.2021 22:03 Uhr

Nach dem teilweisen Einsturz eines Hochhauses in Florida haben die Einsatzkräfte ein weiteres Todesopfer geborgen. Damit steigt die Zahl der Toten auf neun. Der Grund für den Einsturz ist nach wie vor unklar.

Nach dem Teileinsturz eines zwölfstöckigen Wohnhauses im US-Bundesstaat Florida sind in den Trümmern weitere Todesopfer gefunden worden. Die Zahl der Toten sei damit auf neun gestiegen, sagte die Bürgermeisterin des Bezirks Miami-Dade, Daniella Levine Cava, an der Unglücksstelle in Surfside nahe Miami. Die Polizei hatte am Wochenende die Namen von vier Todesopfern veröffentlicht, die bereits am Donnerstag und Freitag gefunden worden waren.

Experten fürchten, dass die Zahl noch deutlich steigen dürfte. Nach Angaben von Levine Cava galten zuletzt 156 Menschen als vermisst. Das strandnahe Gebäude mit rund 130 Wohneinheiten war in der Nacht zu Donnerstag teilweise eingestürzt. Die Menschen wurden im Schlaf von dem Unglück überrascht. Seitdem läuft eine verzweifelte Suche nach möglichen Überlebenden.

Rund um die Uhr im Einsatz

Rettungsteams sind rund um die Uhr im Einsatz - mit Spürhunden, Spezialkameras, Horchinstrumenten und schwerem Gerät. Die Behörden hatten aber zuvor bereits betont, dass die Vermissten nicht unbedingt auch alle in dem Gebäude gewesen sein müssen. Es handelt sich um eine Liste an Personen, die sich potenziell zum Zeitpunkt des Unglücks in dem Haus aufgehalten haben könnten. Viele Familien bangen um ihre Angehörigen.

Unterstützt werden die Rettungskräfte von Experten aus Mexiko und auch aus Israel. Unter den Betroffenen des Unglücks sind auch viele Mitglieder der großen jüdischen Gemeinde von Surfside - Israel hatte daher rasch Hilfe versprochen. Nach Angaben des für die Diaspora zuständigen israelischen Ministers Nachman Schai wurde eines der erfahrensten Rettungsteams nach Florida geschickt, das ähnliche Einsätze bereits in der ganzen Welt absolviert habe.

Vermisste aus Lateinamerika und Kanada

Bei den vier identifizierten Opfern handelt es sich um ein 79 und 83 Jahre altes Ehepaar, die 54-jährige Mutter eines 15-jährigen Jungen und einen ebenfalls 54 Jahre alten Mann. Mindestens 18 der Vermissten kommen aus Lateinamerika, darunter aus Paraguay, Argentinien und Uruguay. Kanada sprach von mindestens vier "betroffenen" Kanadiern, ohne dies näher zu erklären.

An einer behelfsmäßigen Gedenkstätte in einer nahegelegenen Straße legten Menschen Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Angehörige hängten Bilder der Vermissten an einem Zaun auf.

"Große strukturelle Schäden"

Medienberichten zufolge war das Gebäude in der Nähe des Strands von Surfside 1981 gebaut worden. Laut den Behörden ist unklar, warum das Gebäude teilweise einstürzte. Ein von der Stadt Surfside veröffentlichtes Gutachten aus dem Jahr 2018 stellte aber schon damals "große strukturelle Schäden" sowie Risse und Abbröckelungen im Keller des Gebäudes fest. Demnach forderte der Experte Frank Morabito, die Schäden zeitnah zu beheben. Der größte Teil der Schäden wurde "wahrscheinlich durch die jahrelange Einwirkung der korrosiven Salzluft an der Küste Südfloridas verursacht", hieß es damals in dem Bericht. Ohne Nachbesserungen "wird sich das Ausmaß des Betonverfalls exponentiell ausweiten".

US-Medien zufolge hat ein Bewohner bereits eine Sammelklage gegen die Eigentümer des Gebäudes eingereicht, um Entschädigung für die Opfer zu erhalten. Floridas Gouverneur Ron DeSantis sagte, die Evakuierung eines nahe gelegen ähnlichen Gebäudes werde geprüft. Es gebe aber keine Hinweise auf unmittelbare Gefahr.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 27. Juni 2021 um 21:50 Uhr.