Die aus Trümmern wieder zusammen gesetzte Boeing 777 der Malaysia Airlines, die als Flug MH17 über der Ukraine abgeschossen wurde. | Bildquelle: dpa

Abschuss über der Ukraine Prozess gegen MH17-Verdächtige

Stand: 19.06.2019 16:28 Uhr

298 Insassen des Flugs MH17 starben 2014. Ihr Flugzeug war über der Ukraine abgeschossen worden. Nun sind vier Rebellen angeklagt worden. Für die Hinterbliebenen ist es ein Stück Gerechtigkeit.

Von Ludger Kazmierczak, ARD-Studio Den Haag

Fünf Jahre nach dem Abschuss der Boeing 777 stellen die Ermittler die ersten Haftbefehle aus. Der Tat verdächtigt werden drei russische und ein ukrainischer Staatsbürger. Oberstaatsanwalt Fred Westerbeke gab in der Nähe von Utrecht die Namen der vier Männer bekannt: "Igor G., Sergej D., Oleg P. und Leonid K."

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Passagierflugzeug der Malaysia Airlines über der Ukraine abgestürzt (17.07.2014)

Verkohlte und qualmende Wrackteile der Boeing 777 der Malaysia Airlines in der Ukraine

Im Osten der Ukraine ist am 17. Juli 2014 eine Passagiermaschine der Malaysia Airlines abgestürzt. Keiner der 298 Menschen an Bord überlebte das Unglück. | Bildquelle: REUTERS

"Selbst nicht auf den Knopf gedrückt"

Die Angeklagten sollen sich vom März 2020 an in den Niederlanden vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen die Beteiligung am Abschuss der Passagiermaschine und Mord in 298 Fällen vor. Alle Passagiere und Crewmitglieder von Flug MH17 waren im Juli 2014 ums Leben gekommen. Die vier Männer hätten zwar nicht selbst die BUK-Rakete abgefeuert, erklärte Polizeichef Wilbert Paulissen, dennoch trügen sie Verantwortung:

"Auch wenn sie selbst nicht auf den Knopf gedrückt haben, besteht der Verdacht, dass sie eng zusammengearbeitet haben, um das BUK-Raketensystem zu bekommen und in Stellung zu bringen - mit dem Ziel, ein Flugzeug abzuschießen."

Angeklagte sind Separatisten

Die Namen der vier Angeklagten stehen auch auf der Liste mit acht Verdächtigen, die das Journalistenkollektiv Bellingcat am Vormittag publik gemacht hatte. Igor G. war damals sogenannter Verteidigungsminister der von den Separatisten ausgerufenen Volksrepublik Donezk. Sergej D. galt als Geheimdienstchef der Rebellen, unterstützt von Oleg P. Und Leonid K. habe als Bataillonschef die Einheit in der Nähe des Abschussortes befehligt.

Zwei der beschuldigten Rebellen äußerten sich gegenüber Medien und bestritten die Vorwürfe: Die Separatisten hätten das Flugzeug "nicht heruntergeschossen".

Mithilfe von Zeugenaussagen und dank unzähliger Abhörprotokolle sei man den Männern auf die Spur gekommen, so Polizeichef Westerbeke.

"Neben Zeugen und Telekom-Daten sind auch die sozialen Medien ein wichtiger Hinweisgeber. Die Ermittler bekommen bis heute täglich enorm viele Daten, die wir mit speziellen Analysewerkzeugen und Computerprogrammen auswerten. Damit sind wir täglich beschäftigt."

Prozess notfalls in Abwesenheit

Die Haftbefehle sollen den russischen und ukrainischen Behörden in den kommenden Tagen zugestellt werden. Die Chance, dass die Angeklagten tatsächlich im kommenden Jahr vor Gericht erscheinen, hält die Staatsanwaltschaft für eher gering. Der Prozess soll dennoch stattfinden - notfalls in Abwesenheit der Verdächtigen.

Für Hans de Borst, der bei dem MH17-Absturz seine 17-jährige Tochter verloren hat, und die anderen Hinterbliebenen der Opfer ist das eine gute Nachricht. "Das verschafft mir fast Erleichterung", sagt de Borst. "Ich betrachte es als ersten Schritt auf dem Weg zur Gerechtigkeit."

Mordanklagen nach MH-17-Abschuss
tagesthemen 22:15 Uhr, 19.06.2019, Gudrun Engel, ARD Brüssel

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Über dieses Thema berichtete am 19. Juni 2019 die tagesschau um 15:00 Uhr und B5 aktuell um 16:07 Uhr.

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