Wahl in Mexiko: PRI-Kandidat Enrique Pena Nieto

Präsidentenwahl in Mexiko Eine bessere Zukunft mit den alten Machthabern?

Stand: 01.07.2012 16:49 Uhr

In Mexiko bestimmen rund 79 Millionen Wähler einen neuen Präsidenten und ein neues Parlament. Als aussichtsreichster Bewerber um die Nachfolge von Präsident Calderón gilt Enrique Peña Nieto von der jahrzehntelang regierenden PRI. Der Gewinner der Wahl muss sich dem anhaltenden Drogenkrieg stellen.

Von Martin Polansky, ARD-Hörfunkstudio Mexiko

Der Kandidat lässt sich von seinen Anhängern feiern, als sei er schon der kommende Präsident Mexikos. Enrique Peña Nieto, das neue Gesicht der PRI, der Partei der Institutionalisierten Revolution. Die hatte das Land bis zum Jahr 2000 sieben Jahrzehnte lang regiert und nach den etwas sarkastischen Worten des Schriftstellers Mario Vargas Llosa eine "perfekte Diktatur" geschaffen: ein korruptes Klientelsystem, in dem es für Loyalität einen sicheren Job oder einen Stromanschluss gab.

Jetzt hat die PRI nach den Umfragen die besten Aussichten, nach zwölf Jahren Auszeit wieder den Präsidenten zu stellen. Eben mit Enrique Peña Nieto - 45, gutaussehend, verheiratet mit einem früheren Telenovela-Sternchen. Der glamouröse Kandidat verspricht eine bessere Zukunft: "Ich will, dass jeder Mexikaner mehr verdient. Und das schaffen wir durch eine stärkere Wirtschaft, die soll zukünftig drei Mal so stark wachsen wie bisher. Damit jeder mehr Geld in der Tasche hat."

Gummimasken der Kandidaten

Horror oder Hoffnung? Die Kandidaten gibt es auch als Gummimasken zu kaufen.

Das Programm: die Schwäche der Gegner

Wie Peña dies erreichen möchte, bleibt eher vage - aber viele Leute hören es gerne. Denn die bisher regierende konservative Partei PAN hat es nicht geschafft, die extreme soziale Ungleichheit im Land ernsthaft anzugehen.Und: Viele Wähler trauen den Konservativen nicht mehr zu, die Drogengewalt in den Griff zu bekommen. 50.000 Menschen sind umgekommen, seit Präsident Calderón den Kartellen vor gut fünf Jahren den Krieg erklärt hat.

Laut Verfassung darf Calderón nicht erneut antreten. Die Kandidatin der Konservativen, Josefina Vazquez, kann wohl nur noch darauf hoffen, dass sie als mögliche erste Präsidentin punktet - vor allem bei den mexikanischen Frauen. Die Umfragen sehen Vazquez aber auf Platz drei.

Josefina Vazquez Mota von Mexikos Regierungspartei PAN

In Umfragen weit abgeschlagen: Josefina Vazquez Mota von der Regierungspartei PAN des scheidenden konservativen Präsidenten Calderon.

Linker Kandidat spaltet die Wähler

Dann bleibt noch Andres Manuel Lopez Obrador, der Kandidat der Linken. Dessen Kampagnenfeuerwerk begann praktisch nach der letzten Wahl vor sechs Jahren. Damals verlor er nur äußert knapp gegen den Konservativen Calderón. Lopez Obrador sprach von Wahlbetrug und erklärte sich zum legitimen Präsidenten. Das half ihm die Reihen zu schließen und nun erneut für die Linke antreten zu können.

Für viele Mexikaner ist er aber ein rotes Tuch. Auch Wirtschaftskreise warnen vor ihm. Lopez Obrador setzt vor allem auf Sozialprogramme, ohne allerdings sagen zu können, wie er die finanzieren möchte. Aber der linke Kandidat ist überzeugt: Nur durch mehr Geld für die Armen lässt sich auch die Drogengewalt eindämmen. "Kein Mensch ist von Natur aus schlecht. Wegen der Umstände werden Leute kriminell. Das löst man nicht durch Polizisten und Soldaten. Das löst man nur durch Arbeit, Wohlstand und Bildung."

Andres Manuel Lopez Obrador

Andres Manuel Lopez Obradorgeht für die Linken ins Rennen.

Studenten wollen Rückkehr zu alten Verhältnissen verhindern

Lopez Obrador hat noch Außenseiter-Chancen gegen den PRI-Kandidaten Peña. Unterstützt wird der linke Politiker von vielen Anhängern einer neu formierten Studentenbewegung. Mit dem Ruf "Fuera Peña - raus mit Peña" ziehen sie seit Wochen zu Zehntausenden immer wieder durch die mexikanischen Städte. Die Studenten warnen vor einem Zurück in die Vergangenheit: Denn die frühere Staatspartei PRI stehe immer noch vor allem für Korruption und Vetternwirtschaft. Der neue Strahlemann Enrique Peña Nieto könne dies nicht kaschieren.

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KOMMENTARE

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Der Steinbeisser 02.07.2012 • 00:51 Uhr

Tote im Drogenkrieg

Ich lebe selber seit 2 Jahren in Mexiko, erlebe es also jeden Tag live, was hier so läuft. Das Problem hier kann nicht von der Politik gelöst werden, da es kein politisches ist, sondern ein gesellschaftliches. Das Bildungsnivaue hier ist einfach grotten schlecht. Es gibt kein Sozialverhalten der Menschen, sie suchen immer nur ihre Vorteile bei allem, da sie es einfach nicht anders lernen. Was die Drogenkrieg Toten anbelangt, stimmen die Zahlen sicherlich.Was leider nicht gesagt wird, ist, dass es hier sicherlich 1000? Tote wegen irgend welcher Kapitalverbrechen gibt. Letzte Woche wurde ein Bekannter ermordet, der einfach nur in der Nacht Taxi gefahren ist. Beute: Eine Rückbank des Taxis, eine Tür und eine Batterie! Das macht etwa 300 000 ermordete im Jahr und Sie erzählen hier was von 50 000 Toten im Drogenkrieg, die meist noch Schwerverbrecher sind?