Ein angeblich illegaler Einwanderer wird von einem Polizisten in Handschellen von seinem Arbeitsplatz abgeführt. | Bildquelle: AP

Razzia in den USA 680 Migranten bei der Arbeit festgenommen

Stand: 09.08.2019 08:31 Uhr

Während ihrer Arbeit sind im US-Bundesstaat Mississippi 680 Migranten von der Einwanderungspolizei festgenommen worden. Von den Demokraten kommt Kritik - vor allem mit Blick auf die Kinder der Migranten.

Bei Razzien gegen illegale Einwanderung haben die US-Behörden im Südstaat Mississippi 680 Migranten ohne gültige Papiere festgenommen. Laut Staatsanwaltschaft wurden sie am Mittwoch in lebensmittelverarbeitenden Betrieben von der Einwanderungspolizei ICE in Gewahrsam genommen. Ein örtlicher Fernsehsender zeigte, wie die Kinder der festgenommenen Migranten weinten und nach ihren Eltern riefen.

"Sie müssen sich an unsere Gesetze und Regeln halten", sagte Staatsanwalt Mike Hurst über die überwiegend aus Lateinamerika stammenden Migranten. "Sie müssen auf legalem Wege hierher kommen, oder sie sollten gar nicht kommen." Der Staatsanwalt richtete auch eine Warnung an die Betriebe, die die Migranten eingestellt hatten: Wer illegale Einwanderer beschäftige, um Wettbewerbsvorteile zu erzielen, und damit gegen US-Recht verstoße, werde zur Rechenschaft gezogen.

Das Foto der Einwanderungspolizei ICE zeigt eine Polizistin, die vor zahlreichen Einwanderern steht, die in einem Raum festgehalten werden. | Bildquelle: US HOMELAND SECURITY/HANDOUT/EPA
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Razzia in Mississippi: Die Einwanderungspolizei hat 680 Migranten in Gewahrsam genommen.

Mexiko verspricht Betroffenen Hilfe

Die Razzien waren den Angaben zufolge monatelang geplant worden. Mexikos Außenminister Marceló Ebrard sagte bei einer Pressekonferenz in Mexiko-Stadt, unter den Festgenommenen seien auch 107 mexikanische Staatsbürger. Seine Regierung werde sie konsularisch betreuen und "die angemessene rechtliche Verteidigung aller mexikanischen Staatsbürger garantieren". Abgeschobene Mexikaner bekämen in ihrem Heimatland Zugang zu Arbeit, Bildung und Gesundheitsversorgung.

Ebrard vermied es, das Vorgehen der USA gegen mexikanische Einwanderer zu kritisierten. Er kündigte aber an, die Interamerikanische Menschenrechtskommission zu bitten, die Haftzentren zu inspizieren, in denen die Migranten in den USA festgehalten werden.

Kinder plötzlich ohne ihre Eltern

Der Sender WJTV berichtete, viele Kinder von festgenommenen Migranten hätten nach der Schule gemerkt, dass ihre Eltern weg seien - weil sie laut Bericht nicht abgeholt wurden oder die Eltern einfach nicht mehr im Haus waren.

Der Reporter des Senders WJTV berichtete heute Morgen auf Twitter, dass viele Kinder inzwischen zurück zu ihren Eltern gebracht worden seien.

Vorwurf: "Familien auseinanderzureißen"

Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Kamala Harris verurteilte die Razzien gegen die Migranten scharf. Sie warf den Behörden vor, damit "Familien auseinanderzureißen, Angst zu verbreiten und Gemeinden zu terrorisieren". Die Kinder der festgenommenen Einwanderer stünden jetzt ohne ihre Eltern da, "weil Trump mit ihren Leben Politik spielen will".

US-Präsident Donald Trump hat den Kampf gegen die illegale Einwanderung zu einem seiner politischen Hauptanliegen gemacht. Im Juni kündigte er an, die Einwanderungspolizei werde damit beginnen, "Millionen" illegaler Einwanderer aus den USA auszuweisen.

Menschen am Grenzübergang Tijuana. | Bildquelle: AFP
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Menschen am Grenzübergang Tijuana: Die illegalen Grenzübertritte sind nach Angaben des US-Heimatschutzministeriums im Juli deutlich zurückgegangen.

Heimatschutzministerium veröffentlicht neue Zahlen

Das US-Heimatschutzministerium teilte mit, dass im Juli 82.000 Migranten nach einem illegalen Grenzübertritt von Mexiko in die USA festgenommen worden seien und ihre Zahl damit im Vergleich zum Vormonat um 21 Prozent zurückgegangen sei. Im Juni war die Zahl bereits um 28 Prozent gefallen. Das Heimatschutzministerium führte den Rückgang darauf zurück, dass die USA im Juni mit Mexiko ein Abkommen zur Eindämmung der illegalen Migration geschlossen hatten.

Insbesondere die Zahl von Migranten aus Guatemala sei zuletzt sehr geschrumpft. Von Mai bis Juli sei auch die Zahl der aufgegriffenen Familien und unbegleiteten Kinder um mehr als 50 Prozent zurückgegangen. Die Entwicklung sei vor allem auf die Migrationsvereinbarung mit Mexiko zurückzuführen, hieß es.

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