Angehörige der 43 verschwundenen mexikanischen Studenten

Verschwundene Studenten in Mexiko "Nicht an der Wahrheit interessiert"

Stand: 25.04.2016 15:29 Uhr

Sie habe "wenig Interesse" gezeigt, den Fall aufzukären: Eine internationale Expertengruppe wirft der mexikanischen Regierung vor, das Verschwinden von 43 Studenten im Jahr 2014 vertuschen zu wollen. Die Experten seien massiv bei ihren Ermittlungen behindert worden.

Internationale Experten werfen der mexikanischen Regierung vor, die Aufklärungsarbeit nach dem mutmaßlichen Massenmord an 43 Studenten vor mehr als eineinhalb Jahren zu behindern.

Die Ermittler aus Kolumbien, Chile, Guatemala und Spanien untersuchten seit März 2015 das Verschwinden der Studenten. In ihrem Abchlussbericht erheben sie schwere Vorwürfe gegen den Staat: Die Regierung von Präsident Enrique Peña Nieto habe "wenig Interesse" gezeigt, neue Ermittlungsansätze zu verfolgen. Den Ermittlern sei es "unmöglich" gemacht worden, 17 in Haft sitzende Verdächtige zu befragen.

Zugang zu Beweismaterial verweigert

All dies zeige, dass "einige Bereiche (der mexikanischen Behörden) nicht an der Wahrheit interessiert sind", so die Experten. Zugang zu Beweismaterial sei verweigert worden. Die Regierung in Mexiko-Stadt hatte dagegen stets betont, sie arbeite mit der Ermittlergruppe zusammen.

Angehörige der 43 mexikanischen verschwundenen Studenten
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Angehörige der verschwundenen und vermutlich ermordeten Studenten fordern Aufklärung. "Nos faltan 43", "Uns fehlen 43" mahnen sie.

Die jungen Männer waren in der Nacht vom 26. auf den 27. September 2014 in der Stadt Iguala im Bundestaat Guerrero verschwunden. Ende 2014 hatte der damalige Generalstaatsanwalt erklärt, die Polizei von Iguala habe die 43 Lehramtsstudenten am 26. September 2014 mit Beamten aus dem benachbarten Cocula nach einer Demonstration entführt und an eine Drogenbande ausgeliefert. Mehrere Mitglieder der Drogenmafia gaben an, die Studenten getötet und ihre Leichen auf einer Müllhalde verbrannt zu haben.

Offizielle Version widerlegt

An dieser offiziellen Darstellung des Tathergangs gibt es aber erhebliche Zweifel. In einem Zwischenbericht im September hatte die Expertengruppe die Erklärung für das Verschwinden der Männer bereits widerlegt. Dass die Studenten auf einer Müllhalde verbrannt wurden sei technisch unmöglich. Es habe weder genügend Brennstoff zur Verfügung gestanden, noch habe es einen ausreichend langen Brand gegeben.

Mandat der Experten läuft aus

Die unabhängigen Experten der Interamerikanischen Menschenrechtskommission hatten ihre Arbeit auf Bitten der Angehörigen der Studenten im März 2015 begonnen, etwa ein halbes Jahr nach deren Verschwinden. Mexikos Regierung hat das Mandat der Gruppe, das Ende April ausläuft, nicht verlängert. Die Experten forderten die mexikanischen Behörden auf, die Ermittlungen fortzuführen, "damit es Gerechtigkeit gibt". Das Ende ihrer Arbeit macht unwahrscheinlich, dass der Fall jemals aufgeklärt wird.

Mit Informationen von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko Stadt

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