Der mexikanische Präsident Enrique Pena Nieto bei einer Fernsehansprache zur Reform des Sicherheitsapparates

Verschwundene Studenten in Mexiko Staatschef verspricht "Nie wieder Iguala"

Stand: 27.11.2014 21:31 Uhr

Die mexikanische Regierung zieht Konsequenzen aus dem mutmaßlichen Massaker an 43 Studenten und den daraus resultierenden Massenprotesten. Präsident Enrique Peña Nieto kündigte eine Reihe von Reformen an, um die Sicherheitsbehörden umzustrukturieren und die sozialen Ursachen der Gewalt zu bekämpfen.

Städtische Polizeibehörden werden aufgelöst

So sollen die häufig als korrupt geltenden städtischen Polizeibehörden abgeschafft und von besser bezahlten Einheiten auf bundesstaatlicher Ebene ersetzt werden. Außerdem soll die Zentralregierung die Möglichkeit erhalten, direkt in Entscheidungen der Lokalverwaltung einzugreifen oder sie sogar aufzulösen, wenn diese vom organisierten Verbrechen unterwandert sind. "Nach Iguala muss sich Mexiko ändern", sagte der Staatschef in einer Grundsatzrede zu seiner neuen Sicherheitsstrategie.

Wirtschaftliche Unterstützung ärmerer Bundesstaaten

Zusätzlich will Peña Nieto die sozialen Ursachen der Gewalt bekämpfen. In den besonders betroffenen Bundesstaaten Guerrero, Oaxaca und Chiapas sollen Sonderwirtschaftszonen eingerichtet und der Ausbau der Landwirtschaft unterstützt werden. Kommende Woche wird die Gesetzesinitiative für die Reformen in den Kongress eingebracht.

Proteste in Mexiko
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Das mutmaßliche Massaker an den 43 Studenten hatte immer wieder für gewalttätige Proteste in Mexiko gesorgt.

Der mutmaßliche Mord an den Studenten in der Stadt Iguala im Bundesstaat Guerrero Ende September hatte deutlich gemacht, wie eng Politiker, Polizisten und Mitglieder mexikanischer Drogenkartelle miteinander verflochten sind. Der Fall hatte landesweite, teils gewalttätige Proteste ausgelöst.

Mutmaßliches Massaker an 43 Studenten

Die 43 Lehramtsstudenten waren von der Polizei verschleppt und der Bande "Guerreros Unidos" übergeben worden. Anschließend wurden die jungen Leute wohl getötet und ihre Überreste verbrannt. Bandenmitglieder räumten den Mord inzwischen ein. Zwar wurden Leichenteile gefunden, eine endgültige Identifizierung der Opfer steht aber noch aus. Der Bürgermeister der Stadt Iguala und seine Frau sollen für die Tat verantwortlich sein. Sie waren untergetaucht, konnten aber inzwischen festgenommen werden.

Auf dieser Müllkippe sollen die Leichen der verschleppten Studenten verbrannt worden sein.
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Auf dieser Müllkippe sollen die Leichen der verschleppten Studenten verbrannt worden sein.

Wieder Tote in Guerrero gefunden

Im Bundesstaat Guerrero hält derweil die Gewalt der Drogenkartelle an. Am Rande einer Straße in der Nähe der Stadt Chilapa seien elf verkohlte Leichen gefunden worden, teilten Behörden mit. Zuvor hatte es Berichte über eine Schießerei in der Gegend gegeben. Neben den Leichen wurde eine Mitteilung an die Gang "Los Ardillos" gefunden. Die Botschaft lautete: "Hier ist Euer Müll". In Guerrero kämpfen mehrere rivalisierende Drogenbanden um die Kontrolle der Rauschgiftmärkte und Schmuggelrouten.

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