Mexikos Präsident López Obrador | Bildquelle: REUTERS

Ein Jahr López Obrador Ein bisschen Wandel in Mexiko

Stand: 02.07.2019 14:12 Uhr

Vor einem Jahr wurde der linksgerichtete López Obrador in Mexiko zum Präsidenten gewählt. Seine Versprechen: Kampf gegen Armut, gegen Korruption und Gewalt. Was ist daraus geworden?

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko-Stadt

Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador hat für seine Rede an die Nation den symbolträchtigsten Ort des Landes ausgesucht: den Zócalo, den zentralen Platz von Mexiko-Stadt, auf dem er bereits seinen Triumph vor einem Jahr feierte. Damals waren seine Anhänger euphorisch. Heute sind sie zurückhaltend, wenn sie über die ersten sichtbaren Erfolge der Regierung sprechen.

Minerva Caballero lebt davon, Plastikflaschen aus dem Müll zu sammeln. "Es gibt jetzt mehr Suppenküchen, in denen ich gratis Essen bekomme", sagt sie. "Ja, doch, man merkt den Wandel schon. Es geht uns ein bisschen besser. Ich spüre den Wandel."

Tausende Menschen haben sich für eine Kundgebung auf dem Zócalo eingefunden | Bildquelle: AFP
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Zahlreiche Menschen hatten sich für die Kundgebung auf dem Zócalo eingefunden.

Stipendien und höhere Renten

Der Armut hatte Präsident Amlo, wie ihn seine Anhänger nennen, den Kampf angesagt: "Eine reiche Regierung, aber ein armes Volk" - das dürfe es nicht mehr geben. Nur verhalten ist der Jubel auf seinen Leitsatz. 90 Minuten lang spricht López Obrador über die Umgestaltung des Landes, die er versprochen hat.

Die Rentnerin Marieluz Estrada hat den 65-Jährigen gewählt und ist bislang sehr zufrieden mit ihrer Entscheidung. "Ich bin gekommen, um ihn zu unterstützen, und weil er den jungen Leuten mit Stipendien hilft und uns Alten mit höheren Renten." Alle zwei Monate bekomme sie nun 2500 Pesos (113 Euro). "Früher war es nur die Hälfte."

Maria Elena Ramírez Vaca | Bildquelle: Anne-Katrin Mellmann
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Maria Elena Ramírez Vaca ist zufrieden mit der Entwicklung: Dank der neuen Regierung habe sie wieder einen Job.

Maria Elena Ramírez Vaca, eine Mittvierzigerin im Rollstuhl, erzählt, wie sich ihr Leben zum Positiven verändert hat. "Heute wird das Geld besser verteilt und erreicht auch Menschen mit Behinderung", sagt sie. Seit einem Unfall könne sie nicht mehr laufen, niemand habe ihr Arbeit geben wollen. "Die neue Regierung lässt mich in einer Behörde arbeiten. Sie schiebt mich nicht aufs Abstellgleis."

"Es ist ein Anfang"

Großen Applaus erhält der Präsident für sein erneuertes Versprechen, die Korruption auszurotten. Bis Dezember habe seine Regierung die Korruption beseitigt, so López Obrador. Dann breche in Mexiko eine neue Zeit an.

Der Lehrer Jorge Martínez, der eine mehrstündige Anfahrt auf sich genommen hat, um seinen Präsidenten zu sehen, berichtet von ersten Erfolgen bei der Korruptionsbekämpfung. "Das Ausmaß hat man in den Behörden gesehen. Weil das Geld einfach nicht zu den Menschen kam, für die es bestimmt war." Immer sei etwas abgezweigt worden. "Das ist nicht mehr so. Die Bundesmittel schaffen es jetzt bis in die Gemeinden. Es ist ein Anfang." Die Regierung sei ja erst wenige Monate im Amt, sagt er. "Eine Umgestaltung kommt nicht über Nacht."

Schülerin Carolina | Bildquelle: Anne-Katrin Mellmann
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Beim Thema Gewalt hat sich nach Ansicht der Schülerin Carolina bislang wenig geändert.

Die Schülerin Carolina Ramos geht in die 7. Klasse und wünscht sich weniger Gewalt und Unsicherheit in Mexiko. Zu sehen sei von einem Wandel bislang aber nichts. "Es geht alles genau so weiter wie bisher. Die Regierung kann die Umgestaltung schaffen, wenn wir mithelfen. Ich liebe mein Land sehr."

Für López Obrador ist der Auftritt ein Heimspiel. Er sagt den Menschen, was sie hören wollen: Alles laufe genau nach Plan.

Mexiko – Ein Jahr nach dem Wahlsieg von López Obrador
Anne-Katrin Mellmann, ARD Mexiko-City
02.07.2019 12:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Juli 2019 um 06:20 Uhr.

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