Eine Migrantenmutter mit ihren zwei Kindern auf dem Weg in die USA. | Bildquelle: AP

US-Haftzentren "Sie behandeln uns wie Tiere"

Stand: 26.06.2019 03:42 Uhr

Mexiko nimmt Mittelamerikaner auf, die in den USA Asyl suchen, aber zunächst zurückgeschickt wurden. Frauen aus Nicaragua und Honduras berichten von menschenunwürdigen Zuständen in den Haftzentren auf der US-Seite.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko Stadt

Die Frauen verstehen die Welt nicht mehr: Soeben ist eine Gruppe in der kirchlichen Migrantenherberge der Grenzstadt Ciudad Juárez angekommen - rübergeschickt von den US-Behörden. Da wollten sie Asyl beantragen und mussten deshalb in einem Haftzentrum ausharren. Die Honduranerin Lisdi, 21 Jahre alt, steht noch unter Schock:

"Die US-Beamten in dem Haftzentrum sagten uns, dass wir zwei Monate warten müssten und einen Anwalt bekämen. Aber so war es nicht. Sie haben uns im Morgengrauen geweckt, denn wir würden in ein anderes Zentrum verlegt, stattdessen kamen wir nach Mexiko."

Keine Information und keinen Kontakt nach außen habe es in dem Haftzentrum im texanischen El Paso gegeben, beklagen die Frauen. So wussten sie auch nicht, dass sich Mexiko Anfang Juni unter dem Druck der Strafzolldrohungen von US-Präsident Trump bereit erklärt hatte, in den USA Asylsuchende aufzunehmen. Sie stammen vor allem aus den mittelamerikanischen Ländern Guatemala, El Salvador und Honduras. Jetzt sollen sie in Mexiko auf den Termin mit den US-Behörden warten.

Ständiger Hunger

Die alleinerziehende Mutter Dilcia Garcia, die mit ihren zwei Töchtern geflüchtet ist, hat ihren Termin aber erst im Januar und weiß nicht, wie sie bis dahin überleben soll. Immerhin müsse sie nicht mehr in dem Haftzentrum sein.

"Das war wie ein Käfig. Für alles mussten wir um Erlaubnis bitten - sogar um auf die Toilette zu gehen. Immerzu mussten wir uns anstellen, um etwas Essen zu bekommen. Die Hauptmahlzeit war ein Becher Fertigsuppe. Zum Frühstück gab es einen Keks, zum Abendessen einen Maisfladen mit Bohnen. Wir hatten immer Hunger. Für die Kinder war das besonders schlimm."

Unabhängig voneinander erzählen alle Frauen von Hunger und schlechtem Essen, von Anschreien und Beleidigungen durch die Wärter, wenn sich eine über die Bedingungen beschwerte. Eine Gruppe Nicaraguanerinnen, die sich im US-Haftzentrum kennengelernt hat, berichtet von Untersuchungen der Vagina. Einer Frau hätten die Wärter den Tampon entfernt, weil sie einen verdächtigen Gegenstand vermuteten. Nur ein Mal pro Woche hätte man sie duschen lassen.

"Die Wärter haben immer zum Ausdruck gebracht, dass sie sich vor uns ekeln. Wenn wir mit ihnen sprechen wollten, haben sie sich angeekelt abgewandt. Wir durften nicht in ihre Nähe kommen. Eine Wärterin hat uns wie Tiere behandelt, sie ließ uns nicht einen Moment ins Freie. Die Hitze, mitten in der Wüste, war unerträglich. Wir haben sehr gelitten."

Es bleibt nur das Warten

Gekleidet in schlabbrigen T-Shirts aus Spenden stehen sie im Hof der Migrantenherberge, die Turnschuhe offen, weil ihnen die US-Behörden nach Angaben der Frauen sogar die Schnürsenkel weggenommen haben.

"Sie haben uns alles weggenommen, auch meine Ohrringe und meine Kette. Alles, was wir hätten, sei Müll, sagten sie. Nur ein bisschen Kleidung zum Wechseln durften wir behalten. Wenn wir krank wurden, bekamen wir keine Medizin. Der Arzt sagte nur, wir sollten viel Wasser trinken."

Keine der Frauen kann sich vorstellen, wie ihr Leben weitergehen soll. Nicht einmal ausweisen können sie sich, ihre Papiere haben die US-Beamten einbehalten. Zurückzugehen in die Armut, die Gewalt und sogar eine Diktatur, wie im Falle Nicaraguas, finden sie unvorstellbar. Im Moment bleibt nur monatelanges Warten in Mexiko auf einen Termin auf der anderen Seite.

Sie behandeln uns wie Tiere - Migrantinnen über US-Haftzentren
Anne-Katrin Mellmann, ARD Mexiko City
26.06.2019 05:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Juni 2019 um 05:5400 Uhr.

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