Ein Grenzabschnitt der mexikanisch-amerikanischen Grenze, an der der Grenzzaun endet. | Bildquelle: AFP

Mauer zu Mexiko Ausgrenzung - auf beiden Seiten

Stand: 29.03.2019 20:11 Uhr

Den Demokraten im Kongress ist es nicht gelungen, Trumps Notstands-Veto aufzuheben. Wie geht es nun weiter an der Grenze zu Mexiko?

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Nahe dem Ufer des Rio Grande, in der Stadt Mission in Texas, steht eine weiße Kapelle. Genau zwischen dem Wasser und einem Damm liegt La Lomita - an der Grenze zu Mexiko.

Er frage sich, ob die Kirche beim nächsten Besuch noch erreichbar sei, sagt Jerry. Der Kanadier fährt jeden Winter mit seinem Camper ins warme Texas. Doch jetzt reden dort alle über die Mauer.

Der Sperrwall in diesem Abschnitt des Rio Grande war schon vor Präsident Trump beschlossene Sache: Der Hochwasserdamm wird dazu geteilt und auf einer Seite mit einer etwa fünf Meter hohen Betonmauer aufgefüllt. Da mache es keinen Sinn, das Gebiet der Kirche und einen Naturpark auszusparen, erklärt der junge Republikaner Joacim Hernandez: 

"Ob die Mauer das zerstört oder illegale Einwanderung - das Gebiet wird betroffen sein. Wenn überall sonst in Mission eine Mauer steht, nur dort nicht, wo kommen die Flüchtlinge dann durch? Durchs Naturschutzgebiet und bei der Kapelle."

Im Februar hatte US-Präsident Trump in Washington einen nationalen Notstand erklärt, um weitere Teile einer Sperranlage zu Mexiko zu bauen. Eine Mehrheit der Abgeordneten im US-Kongress sprach sich gegen einen Notstand aus. Der Präsident legte Einspruch ein.

Die US-Demokraten sind nun gescheitert mit dem Versuch, das Veto des Präsidenten zu überstimmen. Unabhängig vom Notstand hat das US-Verteidigungsministerium eine Milliarde US-Dollar freigegeben, um in El Paso, Texas, und in Yuma im Bundesstaat Arizona neue Grenzzäune zu errichten.

Gefühl der Ausgrenzung allenthalben

Beim Besuch im Südwesten von Texas fällt auf, dass sich einige Amerikaner von der Debatte um einen Zaun, eine Mauer, eine "Invasion" von illegalen Einwanderern, ausgegrenzt fühlen.

"Die mexikanisch-amerikanische Gemeinde ist im Moment der Jobmotor der USA", sagt David Bowles - viele Jobs entstünden durch kleine Geschäfte von Amerikanern mit mexikanischen Wurzeln. Bowles ist Literaturprofessor an der Universität von McAllen. Der einzigen echten zweisprachigen Uni der USA, wie er sagt.

"Wenn man diese Gemeinschaft ausgrenzt, in dem man über illegale Einwanderung spricht, aber tatsächlich die gesamte Gruppe dämonisiert, dann schadet das der Wirtschaft in den USA."

Gemeinden profitieren von Einwanderern

Auch Joacim Hernandez von den Republikanern erzählt, wie sehr die Stadt McAllen von Einwanderern und deren Geschäften profitiert hat. Der Republikaner ist für Präsident Trump und eine Mauer und verlangt doch mehr Einwanderung und leichtere Einbürgerungsverfahren.

"Auch bei der Wahl in 2020 wird die Mauer immer noch ein politisches Thema sein. Aber als Menschen sind uns die Einwanderer nicht egal und wir wollen ihnen helfen, es auf dem richtigen Weg zu erreichen."

Sein Vater habe zehn Jahre gebraucht, um US-Staatsbürger zu werden, sagt Hernandez. In der Familie seiner Mutter sei es ähnlich gewesen. Sie hätten den legalen Weg eingehalten. Warum könnten das nicht alle so machen?, fragt er.

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USA - Mexiko: Reise entlang beider Seiten der Grenzlinie (Februar 2017)

Grenze USA Mexiko: Zaun bei Dunes

3144 Kilometer lang ist die Grenze zwischen Mexiko und den USA. Weite Teile sind bereits mit einem Grenzzaun, hier bei Nogales/Arizona, gesichert. "Borderproject2017" ist eine Initiative der Nachrichtenagentur AFP. Die Fotografen Jim Watson, Guillermo Arias und Yuri Cortez reisten auf beiden Seiten des Zauns vom Pazifik bis nach Texas. (Foto: Jim Watson) | Bildquelle: AFP

Trumps Notstand? Was tut sich an der Grenze zu Mexiko
Torsten Teichmann, ARD Washington
27.03.2019 07:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. März 2019 um 05:00 Uhr in den Nachrichten.

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