Ein Schrein zu Ehren Frida Kahlos. | Bildquelle: AFP

Mexiko Der Klang Frida Kahlos

Stand: 15.06.2019 04:34 Uhr

Historiker wollen Tonaufnahmen Frida Kahlos entdeckt haben. Aber ist die Sprecherin, die einen Text von Frida Kahlo liest, wirklich die weltberühmte Malerin?

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko-Stadt

Die Frida-Manie, die extreme Verehrung der Malerin, hat in Mexiko einen neuen Schub bekommen: Das staatliche Audioarchiv will eine Tonaufnahme Frida Kahlos entdeckt haben. Knapp anderthalb Minuten liest eine Frau einen Kahlo-Text mit dem Titel "Retrato de Diego", "Diego-Portrait". Er ist die zärtliche Liebeserklärung Fridas an ihren Mann Diego Rivera, den Maler, mit dem sie ihr Leben verbrachte.

"Wenn ich ihn nackt sehe, denke ich an ein Froschkind. Seine schmalen runden Schultern münden in kleinen Händen. Es ist erstaunlich, was sie geschaffen haben, und dass sie so unermüdlich weiterarbeiten."

Diese Stimme klinge zu lieblich, urteilt der Maler Arturo Estrada, einer der Meisterschüler Fridas. Der Enkel des Frida-Geliebten Leon Trotzki meint, er habe sie nie in dieser Art sprechen hören. Andere Zeitzeugen finden sie zu jugendlich, zu professionell und zu distanziert - nicht wie die Frau, die große Bewunderung für ihren Mann zum Ausdruck bringt.

Familie ist überrascht

Trotz der Zweifel an der Authentizität gibt der Chef des Audioarchivs, Pavel Granados, Interviews im Stakkato. Ihn freue die positive Resonanz der Mexikaner:

"Es ist so, als hätten die Menschen es gebraucht, dass Frida endlich eine Stimme bekommt. Für mich ist das alles eine große Überraschung."

Ein Wandgemälde zeigt Kahlos Antlitz. | Bildquelle: AFP
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Ein Wandgemälde zeigt Kahlos Antlitz.

Auch die Familie ist überrascht. Mara de Anda, Urenkelin von Fridas Schwester Christina Kahlo und Sprecherin der Erbengemeinschaft, wundert sich über den Klang der Stimme. Die Aufnahme soll kurz vor dem Tod der Malerin 1954 entstanden sein. Ihr Leben war nach einem schweren Verkehrsunfall als junge Frau von ständigen Schmerzen geprägt.

"Meine Urgroßmutter Christina hat immer erzählt, dass Frida eine heisere, rauhe Stimme hatte, weil sie geraucht und getrunken hat und gern viel sang."

Bislang keine Tonaufzeichnung bekannt

Das deckt sich mit den Beschreibungen mehrerer Zeitzeugen. Unter anderem von der 2012 verstorbenen Sängerin Chavela Vargas, die einen kurzen Auftritt im Hollywood-Frida-Film hatte. Sie war eng mit der Malerin befreundet.

"Sie war eine außergewöhnliche Frau, die ihre körperlichen Schmerzen tapfer ertrug. Sie war außergewöhnlich schön, was nicht nur an ihrem Äußeren, sondern auch an ihrer Seele lag. Ihre Art zu sprechen war ruhig, mit vielen Pausen und langsam."

Ganz anders also als die professionelle, fast emotionslose Aufnahme. Von Frida Kahlo ist bislang keine Tonaufzeichnung bekannt. Dagegen gibt es mehrere von Diego Rivera. Zu ihren Lebzeiten war er der große Star, deutlich älter als Frida, weltberühmt. Sie stand in seinem Schatten - ohne eigene Stimme: Es gibt zwar etliche Filmaufnahmen, in denen sie meistens an der Seite ihres Mannes zu sehen ist, aber immer ohne Ton.

Bei der jetzt gefundenen Aufnahme handelt es sich sicher um einen Text, den Frida Kahlo geschrieben hat. Ob sie ihn auch sprach, das bleibt fraglich. Von hundertprozentiger Sicherheit will auch Mexikos Kulturministerium nicht sprechen.

Mexiko - Der Klang Frida Kahlos
Anne-Katrin Mellmann, ARD Mexiko City
14.06.2019 23:32 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 13. Juni 2019 um 09:41 Uhr.

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