Helfer und Rettungskräfte in Mexiko-Stadt | Bildquelle: dpa

Erdbeben in Mexiko Jede Minute zählt

Stand: 22.09.2017 09:40 Uhr

Nach dem Erdbeben in Mexiko hat das Schicksal eines verschütteten Mädchens die Menschen beschäftigt. Nun stellte sich heraus, dass die Identität des Kindes erfunden war. Die Zahl der Opfer stieg weiter. Die Rettungskräfte geben die Suche nach Überlebenden nicht auf, für sie zählt jede Minute.

Nach dem verheerenden Erdbeben in Mexiko ist die Zahl der Toten auf 273 gestiegen. 137 Menschen seien bei dem Beben der Stärke 7,1 in Mexiko-Stadt ums Leben gekommen, teilte das Büro des Präsidenten mit. 73 Menschen seien demnach im Staat Morelos getötet worden, 43 weitere kamen in Puebla ums Leben. Zudem seien 13 Menschen im Staat México, sechs in Guerrero und ein Mensch in Oaxaca gestorben.

Aus einem zusammengebrochenen Bürogebäude im Stadtzentrum waren am Abend zwei Frauen und ein Mann lebend befreit worden - fast 36 Stunden nach den Erdstößen. Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto sagte, jede Minute zähle, um Leben zu retten. Das Erdbeben hatte die Hauptstadt und ihre Umgebung am Dienstag erschüttert.

Verwirrung um angeblich verschüttetes Mädchen

Zudem beschäftigte die Menschen im Land der Kampf der Retter um das Leben eines vermeintlich unter Erdbebentrümmern begrabenen Mädchens. Nun stellte sich heraus, dass das Kind offenbar eine Erfindung war. "Wir glauben nicht, wir wissen, dass das nicht die Realität war", sagte Ángel Enrique Sarmiento von der mexikanischen Marine. Es hätte nie Anhaltspunkte zu den Berichten über das Mädchen gegeben.

Das Mädchen galt in Mexiko als Symbol des Optimismus. ARD-Korrespondentin Xenia Böttcher sagte, es sei eine unglaubliche Geschichte. Unbegreiflich sei, dass zunächst so detailreich über das vermeintlich verschüttete Mädchen informiert worden war, und nun werde alles anders dargestellt. Rettungskräfte und Vertreter der Medien fühlten sich belogen.

Berichte über Fingerbewegung

Rundfunk und Fernsehen berichteten die ganze Nacht über die fieberhafte Arbeit der Helfer, die Trümmer in Eimern wegtrugen, um an das Mädchen namens "Frida Sofía" heranzukommen, das vermeintlich unter den Überresten einer Schule in Mexiko-Stadt entdeckt wurde. Filmaufnahmen, die angeblich eine Fingerbewegung des Kindes zeigten, hatten Tausenden Helfern Mut gemacht, die in Mexiko-Stadt und benachbarten Staaten des Landes nach Überlebenden suchten. Auch Retter berichteten davon, die Fingerbewegung gesehen zu haben.

Sarmiento sagte, es sei eine Kamera in die Trümmer der Enrique-Rebsamen-Schule herabgelassen worden. Bilder zeigten Blutspuren, die offenbar von einer Person stammten, die sich verletzt über den Boden gezogen hatte. Mehr wurde jedoch nicht gefunden.

Suche mit Wärmescannern

Die Retter suchten an der Stelle mit einem Wärmescanner nach möglichen Überlebenden. Kurz vor Morgengrauen mussten sie sich jedoch selber in Sicherheit bringen, weil der Trümmerberg schwankte.

Schnell wurde online Kritik an Fake News über den Vorfall laut. Die Berichterstattung über das Kind hatte dazu geführt, dass Rettungsgeräte zu der Schule gebracht wurden. Es war nicht klar, ob dadurch andere Einsätze beeinflusst wurden.

Über dieses Thema berichtete u.a. das ARD-Morgenmagazin am 22. September 2017 ab 06:40 Uhr.

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