Menschen stehen am Grenzübergang in Tijuana | Bildquelle: Marcus Schuler

Migration in die USA Am Grenzzaun der Hoffnung

Stand: 28.06.2018 21:16 Uhr

Für viele Migranten ist der illegale Weg von Mexiko in die USA zu riskant. Sie wollen am Grenzübergang von Tijuana einen Asylantrag stellen - doch bis sie vorgelassen werden, vergehen oft Wochen.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles, zzt. Tijuana

Es ist der immer derselbe Ablauf: Zwei, drei Kleinbusse fahren morgens gegen acht Uhr am Grenzübergang in Tijuana auf mexikanischer Seite vor. Sie bringen Asylsuchende aus den umliegenden Auffanglagern zur Grenze. Auch heute dürfen die wenigstens hinüber in die USA. Es sind vor allem Familien mit Kindern, die aussteigen. Unter ihnen ist auch der 28-jährige Emilio. "Illegal die Grenze überqueren", sagt er, "das ist mit Familie, mit Kindern viel zu gefährlich."

Emilio kommt aus dem Bundesstaat Michoacán in Zentralmexiko. Seine Frau sitzt neben ihm auf dem Boden. In ihrem Arm schläft der vierjährige Sohn. Gut 80 bis 100 Flüchtlinge haben sich am Zaun zum Grenzterminal versammelt. Manche warten schon seit einem Monat.

Ein Mann steht am Grenzübergang in Tijuana | Bildquelle: Marcus Schuler
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Horge will wieder zurück in die USA - schon einmal wurde er abgeschoben.

Asylsuchende aus vielen Ländern

Viele kommen aus Michoacan, einige aus Ländern wie Guatemala und Honduras. Eine kleine Gruppe stammt aus Afrika - dem Kongo. Gut 40 Asylsuchende lassen die USA an diesem Tag ins Land. Begründung: Es gebe nicht genug Platz, um alle aufzunehmen.

Der 31-jährige Horge ist vor zwei Wochen in Tijuana angekommen. Jeden Tag stellt er sich an der Grenze an und hofft, in den USA einen Asylantrag stellen zu können. Er kommt ebenfalls aus Michoacan. "Wo wir herkommen, gibt es einen Drogenkrieg", sagt er. "Es ist für unsere Familien wegen der Gewalt nicht mehr sicher."

Horge ist in den USA aufgewachsen. Vor vier Jahren noch unter Präsident Obama wurde er ausgewiesen. Als Fünfjähriger war er mit seiner Mutter illegal eingereist, mit 24 begann er eine Dummheit - er fuhr Auto ohne Führerschein. Die US-Behörden haben ihn deshalb nach Mexiko abgeschoben, erzählt er.

Auf der Suche nach einem besseren Leben

"Ich war jung", sagte er. "Jetzt bin ich erwachsen. Ich weiß, was es heißt, Verantwortung zu tragen." Er wolle ein besseres Leben und arbeiten.

Doch die Chancen, in den USA Asyl zu bekommen, dürften für den 31-Jährigen wegen des Verkehrsdeliktes schlecht stehen. In den USA leben aber Frau und Kinder.

Grenzübergang in Tijuana | Bildquelle: Marcus Schuler
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Grenzübergang in Tijuana: Manche warten hier einen Monat lang.

Wochenlange Wartezeit

Dass viele Migranten oft wochenlang an der Grenze warteten, habe System, meinen Bürgerrechtler. Der US-Grenzschutz, so vermuten sie, spiele auf Zeit. Das gehöre ebenso zur Abschreckungsstrategie wie die jüngst gestoppte Trennung von Eltern und Kindern.

Martin ist fast 70. Er ist US-Bürger und wohnt auf der anderen Seite der Grenze in San Diego. Er ist heute nach Tijuana gekommen, weil er sich auf der mexikanischen Seite die Zähne richten lässt. Das ist für den Rentner billiger.

Dass Präsident Trump die Trennung von Eltern und Kindern, die die Grenze illegal überquert haben, wieder aufgehoben hat, findet er nicht gut. "Mir ist es egal, ob sie Mexikaner oder US-Bürger sind", sagt er. "Wenn sie ein Verbrechen begehen, wandern sie ins Gefängnis. Dann werden einem die Kinder weggenommen. Und wenn sie die USA illegal betreten, dann verstoßen sie gegen Gesetze."

"Das sind meine Leute"

Ganz anders sieht das Josefina, sie ist Mitte 70 und lebt in den USA. Bevor sie US-Bürgerin wurde, hatte sie die mexikanische Staatsbürgerschaft. Jeden Tag kommt sie auf die mexikanische Seite, um mit den Migranten zu sprechen. Sie liest ihnen aus der Bibel vor, betet mit ihnen, spielt mit den Kindern. "Ich will, dass niemand verletzt wird und niemand etwas den Kindern antut."

"Das sind meine Leute. Ich bin Mexikanerin. Ich liebe mein Land und meine Leute."

Unterwegs an der US-Mexikanischen Grenze

28.06.2018 10:10 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Juni 2018 um 12:00 Uhr.

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