Massengrab in Iguala Massaker an Studenten in Mexiko?

Stand: 06.10.2014 09:10 Uhr

28 Leichen haben Ermittler inzwischen aus dem Massengrab in der mexikanischen Stadt Iguala geborgen - unter ihnen könnten einige der 43 vermissten Studenten sein. Denn nun verdichten sich die Hinweise, dass diese ermordet wurden. Offenbar ist auch die Polizei in das Verbrechen verwickelt.

Von Martin Polansky, ARD-Hörfunkstudio Mexiko

Es sind Nachrichten des Horrors, die Mexiko schockieren. Dass 43 Studenten nach einem brutalen Polizeieinsatz einfach verschollen sind, wirkte schon ziemlich unfassbar. Aber die Nachricht, dass am Wochenende in der Gegend ein Massengrab entdeckt wurde, entsetzt das Land erst recht. Denn inzwischen verdichten sich die Hinweise, dass die Studenten ermordet und verscharrt wurden.

"Die Ermittler haben inzwischen 28 Leichen in verschiedenen Gruben gefunden. Einige Menschen wurden zerstückelt, andere zeigen Brandspuren. Sie wurden mit Benzin oder Diesel übergossen", sagt der zuständige Staatsanwalt Inaky Blanco.

Leichen noch nicht identifiziert

Die Identität der Toten soll nun von Spezialisten geklärt werden. Das könne wegen des Zustandes der Leichen 15 Tage und mehr dauern, so die Behörden. Zwei Angehörige der Drogenbande "Guerreros Unidos" sollen inzwischen aber die Ermordung von 17 Studenten gestanden haben.

Das Geschehen zeichnet sich nun so ab: Studenten hatten vor gut einer Woche in der Stadt Iguala protestiert und einige Busse gekapert. Örtliche Polizisten eröffneten das Feuer, auch Unbekannte in Zivil sollen geschossen haben. Insgesamt wurden dabei sechs Menschen getötet. Anschließend setzte die Polizei Studenten fest, 43 galten seitdem als verschollen.

Der Anführer der "Guerreros Unidos" soll dann angeordnet haben, die festgesetzten Studenten zu töten. Die Polizei in der Stadt Iguala gilt als eng verflochten mit dem organisierten Drogenverbrechen. 22 Beamte wurden festgenommen, der Bürgermeister der Stadt ist untergetaucht.

Die Angehörigen der Studenten fordern Aufklärung. Am Wochenende kam es zu Protestaktionen, bei der junge Leute eine Autobahn blockierten. Iguala liegt im Bundesstaat Guerrero, der als Drehscheibe des Drogenverbrechens gilt.

Mexikos Regierung ist seit dem Amtsantritt von Präsident Enrique Peña Nieto vor knapp zwei Jahren darum bemüht, das wuchernde Gewaltthema aus den Schlagzeilen zu bekommen. Mit Wirtschaftsreformen sollte das Image eines aufstrebenden Zukunftslandes gezeichnet werden. Aber der Horror um die Studenten gibt einen Blick frei auf die Zustände hinter der Fassade.

Weitgehende Straflosigkeit

Amnesty International beklagte erst kürzlich in einem Bericht systematische Polizeigewalt. Festgenommene würden bei Verhören zum Teil gefoltert und bedroht. Regierung und Behörden versprechen zwar meist Aufklärung. Menschenrechtsverletzungen würden in Mexiko aber kaum geahndet, es herrsche weitgehende Straflosigkeit.

Der Fall jetzt macht die engen Verflechtungen zwischen Teilen der Sicherheitskräfte und dem organisierten Verbrechen deutlich. Das mutmaßliche Schicksal der Studenten von Iguala ist aber selbst in Mexiko beispiellos.

Karte: Mexiko mit Iguala
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Iguala liegt im armen Bundesstaat Guerrero, Drehscheibe des Drogenschmuggels

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