Milchkühe stehen in einem Stall in Mecklenburg-Vorpommern. | Bildquelle: dpa

US-Studien Rekordmenge an Methan heizt Klima auf

Stand: 15.07.2020 08:08 Uhr

Der weltweite Ausstoß von Methan hat neue Höchstwerte erreicht. Laut US-Studien gelangten 2017 rund 600 Millionen Tonnen des Gases in die Erdatmosphäre. Besonders stark ist der Anstieg in drei Weltregionen.

Der jährlich weltweite Ausstoß des Treibhausgases Methan hat einen neuen Höchststand erreicht: 2017 gelangten laut Hochrechnungen von US-Forschern knapp 600 Millionen Tonnen des Gases in die Erdatmosphäre, mehr als die Hälfte davon durch Aktivitäten des Menschen.

Gegenüber dem jährlichen Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2006 erhöhte sich der jährliche Ausstoß um rund 50 Millionen Tonnen, ein Zuwachs um neun Prozent.

Diese Zahlen stammen aus zwei Studien einer Gruppe um Rob Jackson von der Stanford University in Kalifornien, die in den Fachzeitschriften "Earth System Science Data" und "Environmental Research Letters" veröffentlicht wurden.

Erhöhter Ausstoß durch menschliche Aktivitäten

Über einen Zeitraum von 100 Jahren hat Methan eine 28 Mal stärkere Treibhauswirkung als Kohlendioxid (CO2), über 20 Jahre gerechnet ist die Wirkung sogar 86 Mal stärker. "Methan ist jetzt für 23 Prozent der globalen Erwärmung aufgrund von Treibhausgasen verantwortlich", erklärte Ko-Autor Pep Canadell vom „CSIRO Oceans and Atmosphere" im australischen Canberra.

Während die Methan-Emissionen aus natürlichen Quellen wie Feuchtgebieten und Vulkanen im untersuchten Zeitraum nahezu gleich blieben, erhöhte sich der Ausstoß durch menschliche Aktivitäten stark. Die Studienautoren nennen hier vor allem die Förderung von fossilen Brennstoffen, Deponien und die Landwirtschaft, besonders die Viehzucht, als Quellen.

"Die Leute scherzen über das Aufstoßen von Kühen, ohne zu wissen, wie groß die Quelle wirklich ist", so Jackson. Die Emissionen von Rindern und anderen Wiederkäuern seien bei Methan fast so hoch wie die der fossilen Brennstoffindustrie.

Starker Anstieg in Afrika, China und Ozeanien

Drei Weltregionen verzeichneten einen besonders starken Anstieg beim Methanausstoß: Afrika, China sowie Ozeanien, wozu auch Australien gehört. Haupttreiber sind den Computermodellen und Berechnungen zufolge die erwähnte Viehzucht und Verwendung fossiler Brennstoffe.

Mit jährlich 4,5 Millionen Tonnen mehr haben auch die USA ihren Anteil an der Emissionssteigerung, vor allem durch die Förderung und Verteilung von Erdgas. Einen Anstieg der Methanemissionen durch das Auftauen von Permafrostböden in kälteren Regionen konnten die Forscher zumindest bis 2017 nicht beobachten.

In Europa sind Werte leicht gesunken

Europa ist die einzige Weltregion, deren Methanausstoß 2017 im Vergleichszeitraum von 2000 bis 2006 leicht gesunken ist. "Richtlinien und ein besseres Management haben die Emissionen aus Deponien, Gülle und anderen Quellen hier in Europa reduziert", erklärte Ko-Autorin Marielle Saunois von der "Université de Versailles Saint-Quentin" in Frankreich. Die Europäer äßen mittlerweile auch weniger Rindfleisch und mehr Geflügel und Fisch.s

Die Wissenschaftler präsentieren aber auch eine gute Nachricht: Weil Methan in der Atmosphäre sehr viel schneller abgebaut wird als CO2, könnte eine Verringerung des menschengemachten Methanausstoßes schnell Wirkung zeigen.

Die kurzfristige Reduktion von Treibhausgasen im Zuge der Lockdowns wegen der Corona-Krise wird den Forschern zufolge kaum Einfluss auf die Methanemissionen haben. "Wir heizen immer noch unsere Häuser und Gebäude und die Landwirtschaft wächst weiter", erklärte Rob Jackson.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Juli 2020 um 12:00 Uhr.

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