Schweif eines Meteoriten am Himmel im russischen Tscheljabinsk

Himmelskörper im Ural niedergegangen Knapp 1000 Verletzte nach Meteoriteneinschlag

Stand: 15.02.2013 14:33 Uhr

Die russische Region Tscheljabinsk im Ural, rund 1500 Kilometer östlich von Moskau gelegen, ist am Morgen (Ortszeit) von einem Meteoriten getroffen worden. Nach Behördenangaben war gegen 9.20 Uhr (Ortszeit) ein Knall in rund 10.000 Meter Höhe zu hören gewesen. Die durch die Explosion ausgelöste Druckwelle habe viele Fensterscheiben zerbrochen und Dächer zerstört.

Aber auch Fragmente des Himmelskörpers fielen bis auf die Erde. Das Katastrophenschutzministerium sprach von einem "Meteoritenregen in Form von Feuerbällen".

Die Behörden gehen inzwischen davon aus, dass mindestens 950 Menschen verletzt wurden, unter ihnen viele Kinder. Die meisten Verletzten seien durch umherfliegendes Glas getroffen worden.

Rauchwolke in 200 Kilometer Entfernung gesehen

Nach Experteneinschätzung musste der Meteorit mit extrem hoher Geschwindigkeit Richtung Erde gerast sein. Die lange weiße Rauchwolke, die der Himmelskörper am Horizont hinterließ, war sogar im 200 Kilometer entfernten Jekaterinburg zu sehen. Bislang wurden in sechs Städten der Region Schäden registriert.

Augenzeugen in Tscheljabinsk berichteten von Lichtblitzen, Explosionen und Rauchwolken am Himmel. Viele dachten, ein Flugzeug sei am Himmel explodiert. Der Gesteinsregen löste Panik in der Bevölkerung aus. Getroffen worden sei auch eine Schule in Tscheljabinsk, teilte das Zivilschutzministerium mit.

Alarmanlagen von Autos gingen los, und Mobiltelefone funktionierten nicht mehr richtig. Die Stadtverwaltung rief die Bevölkerung auf, in den Häusern zu bleiben. Atomanlagen der Gegend seien nicht betroffen, berichtete der Staatskonzern Rosatom laut Agenturberichten.

20.000 Helfer im Einsatz

Ein etwa 80 Kilogramm schweres Trümmerteil des Meteorits sei in den zugefrorenen See Tschebarkul rund 80 Kilometer westlich von Tscheljabinsk gefallen, teilte die Gebietsverwaltung mit. Hier wurden ein etwa sechs Meter breiter Krater sowie mehrere Splitter gefunden.

Ein etwa sechs Meter breiter Krater im zugefrorenen See Tschebarkul rund 80 Kilometer westlich von Tscheljabinsk. Hier schlug ein Teil des Meteoriten ein.
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Ein etwa sechs Meter breiter Krater im zugefrorenen See Tschebarkul rund 80 Kilometer westlich von Tscheljabinsk. Hier schlug ein Teil des Meteorits ein.

Sieben Flugzeuge und 20.000 Angehörige des Zivilschutzes in Tscheljabinsk seien in der Region im Einsatz, um zu helfen. Die Stadtverwaltung teilte mit, wegen des Ausmaßes der Schäden sollten Betriebe und Einrichtungen ihre Mitarbeiter nach Möglichkeit zum Helfen nach Hause schicken.

Gebietsgouverneur Michail Jurewitsch brach eine Moskauer Dienstreise ab. "Bei Temperaturen von minus 18 Grad in Tscheljabinsk ist jetzt am wichtigsten, dass die zertrümmerten Fensterscheiben ersetzt werden", sagte er.

Mehr als 500 Verletzte nach Meteoritenregen in Russland
L. Kazmierczak, ARD Warschau zzt. aus Moskau
15.02.2013 12:59 Uhr

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Amateurvideo zeigt Flug des Himmelskörpers

Über den genauen Hergang des Meteoritenflugs gab es widersprüchliche Berichte: Während die Sprecherin des Katastrophenschutzministeriums von einem Meteoritenhagel sprach, zitierte die Agentur Interfax eine andere Sprecherin mit den Worten, es sei ein einzelner Meteoritenkörper gewesen.

Ein Amateurvideo, das im russischen Fernsehen zu sehen war, zeigt, wie ein Objekt kurz nach 9.00 Uhr (Ortszeit) über den Himmel schoss und einen dicken weißen Schweif hinterließ. Außerdem war ein gewaltiger Blitz zu sehen.

Der Wissenschaftler Gerhard Drolshagen ist bei der europäischen Weltraumagentur ESA in Noordwijk auf erdnahe Objekte spezialisiert. Er stellte im ARD-Morgenmagazin klar, dass der Meteoriteneinschlag im Ural nichts mit dem Asteroid "2012 DA14" zu tun hat, der heute Abend knapp (28.000 Kilometer) an der Erde vorbeirasen wird.

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