Der ehemalige Chefdirigent der New Yorker Metropolitan Opera, James Levine (Foto vom 07.07.2006) | AP

Nach Missbrauchsvorwürfen New Yorker Met feuert Levine

Stand: 13.03.2018 08:46 Uhr

Die Met Opera hat sich endgültig von ihrem langjährigen Chefdirigenten getrennt. Eine Untersuchung habe glaubwürdige Beweise gefunden, dass Levine Musiker missbrauchte, so das Opernhaus.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Mit sofortiger Wirkung und endgültig hat sich die New Yorker Metropolitan Opera von ihrem Chefdirigenten Emeritus und bisherigen Leiter des Nachwuchsprogrammes, James Levine, getrennt.

Georg Schwarte ARD-Studio New York

Nachdem im Dezember massive Vorwürfe öffentlich wurden, dass der Weltstar und Chefdirigent zurückreichend bis in die 80er-Jahre junge Musiker sexuell belästigt und missbraucht haben soll, hatte die Met Levine vorerst suspendiert.

Die Metropolitan Opera in New York | AFP

Levine war 40 Jahre lang Musikdirektor der Metropolitan Opera in New York. Bild: AFP

Weitere Zusammenarbeit "unangemessen"

Eine mehr als dreimonatige Untersuchung durch eine externe Anwaltskanzlei kam jetzt unter anderem nach der Befragung von mehr als 70 Zeugen offenbar zu dem Ergebnis, dass es glaubwürdige Beweise dafür gebe, dass Levine vor und während seiner vierzigjährigen Karriere an der Met ihm unterstellte Künstler sexuell missbraucht habe.

Im Lichte dieser Ergebnisse, so die Met in einer schriftlichen Stellungnahme, die der ARD vorliegt, halte man eine weitere Zusammenarbeit für unangemessen und ausgeschlossen. In der Erklärung heißt es außerdem, dass die externe Untersuchung dem Management der Oper und dem Vorstand sowie dem Intendanten Peter Gelb keinerlei Fehlverhalten im Umgang mit dem Fall Levine nachgewiesen habe und dass es keinerlei Versuche gab, den Fall zu vertuschen. Anderslautende Gerüchte, so die Met, seien damit widerlegt.

Der kanadische Stardirigent Yannick Nézet Séguin | AP

Der kanadische Stardirigent Yannick Nézet Séguin soll bereits im September seinen Posten als neuer Chefdirigent der Metropolitan Opera antreten. Bild: AP

Prominentester Klassik-Vertreter in der #MeToo-Debatte

Der Maestro selbst bestreitet bis heute sämtliche Vorwürfe und beteuert seine Unschuld. James Levine ist bisher die prominenteste Figur aus der Klassikwelt, die in den USA im Lichte der #MeToo-Bewegung wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung ihre Position räumen musste.

Erst im vergangenen Monat hatte die Met angekündigt, dass der designierte Nachfolger Yannick Nézet Séguin zwei Jahre früher als geplant bereits ab der nächsten Saison in diesem September seinen Posten als neuer Chefdirigent der Metropolitan Opera antreten wird.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. März 2018 um 06:05 Uhr in den Nachrichten.

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KOMMENTARE

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'ne Buddel Rum 13.03.2018 • 15:44 Uhr

@Friedrich Spee: überlegenes Wissen

@Friedrich Spee: und woher kommt ihr überlegenes Wissen, dass ihr Freund nicht schuldig ist? Wenn dieses Wissen so offensichtlich richtig ist, dann hätten Sie in dem Prozess als Entlastungszeuge aussagen sollen. Aber entweder Sie selbst oder der Anwalt des Angeklagten war der Meinung, dass es nicht zur Entlastung des Angeklagten taugt. Also hören Sie doch bitte auf hier einen gegenteiligen Eindruck zu vermitteln und mit ihrem „Bauchgefühl“ ein ganzes Rechtssystem in Frage zu stellen!